„Waren überzeugt, dass wir einen Ast getroffen haben“

Tote nach Boots-Crash auf Gardasee: Verdächtiger Münchner lehnte Alkoholtest ab - üble Vorwürfe aus Italien

  • Richard Strobl
    VonRichard Strobl
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Der Boots-Unfall auf dem Gardasee mit zwei Toten sorgt weiter für Wirbel. In Italien gibt es heftige Vorwürfe gegen die Verdächtigen aus München.

München - Ein junges Paar starb in der Nacht auf Sonntag bei einem Boots-Unfall auf dem Gardasee. Verantwortlich dafür gemacht werden zwei Münchner Touristen, die mit ihrem Motorboot das kleine Holzboot der Italiener gerammt haben sollen. In Italien gibt es üble Vorwürfe gegen die beiden Männer aus Deutschland. Deren Anwalt meldete sich nun erneut zu Wort.

Boots-Crash auf dem Gardasee: Münchner Verdächtiger lehnt Alkoholtest ab

So habe einer der Tatverdächtigen nach dem tödlichen Bootsunglück einen Alkoholtest abgelehnt. Ein solcher sei für Unfälle auf dem Wasser nicht verpflichtend, teilte das Büro seines Anwalts am Mittwoch mit. Damit bestätigte man einen Bericht aus Italien. Demzufolge habe der andere der Beiden einen Alkoholtest nach der Kollision gemacht - dieser sei negativ ausgefallen.

Die Medien-Berichte in Italien hatten zunächst etwas anderes vermuten lassen. Zeugen wollen hier gesehen haben, wie die beiden Männer schon am Nachmittag in einer Ortschaft getrunken haben. Für Furore sorgte dann auch der Bericht, dass die beiden Deutschen nach einer Befragung durch die Carabinieri zurück nach München fuhren.

„Es war keine Flucht“: Münchner beschreiben ihre Geschichte nach dem Crash in Italien

„Es war keine Flucht“, wird nun deren Anwalt von der italienischen Zeitung La Stampa zitiert. Die Rückkehr nach München war demnach für Sonntag geplant. Die Männer seien am Montag zurückgefahren, nachdem sie mit den Ermittlern zusammengearbeitet hätten. Das Blatt zitiert die Aussage der Deutschen zum Unfall wie folgt: „Wir ließen das Boot am Hafen stehen und fuhren den Abend fort, weil wir nicht einmal wussten, dass wir zwei Menschen getötet hatten. Wir waren überzeugt, dass wir einen Ast oder höchstens einen Stein getroffen haben“. Erst der Anwalt soll ihnen dann die Nachricht vom Tod des italienischen Paares berichtet haben.

Nun untersuchen die Behörden die beiden Boote. Nach italienischen Medienberichten schliefen die Opfer des Unfalls vermutlich, als ihr kleines Holzboot von dem Motorboot getroffen wurde. „Wir haben nur die Lichter der Küste gesehen, das Boot war nicht beleuchtet“, sollen die Deutschen demnach ihrem Anwalt gesagt haben.

In der Nacht zum vergangenen Sonntag hatte nach bisherigen Erkenntnissen ein Motorboot auf dem See ein Holzboot mit einem italienischen Paar an Bord gerammt. Am Sonntagmorgen entdeckte ein Einwohner die Leiche des 37 Jahre alten Mannes in dem Kahn. Der Körper der 25-Jährigen Frau wurde Stunden später aus den Tiefen des Gardasees geborgen. Beide stammten aus der Gegend am Westufer des Sees. Die Staatsanwaltschaft ermittelt Medienberichten zufolge wegen Totschlags sowie unterlassener Hilfeleistung, weil das Motorboot nach dem Unfall nicht zum Helfen angehalten habe. (rjs/dpa)

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhardt/dpa

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