Brandsaison deutlich zerstörerischer

Hitzewelle überrollt Mittelmeerraum: Waldbrände wüten in Touristengebieten - Hotels und Dörfer evakuiert

  • Sonja Plagmann
    VonSonja Plagmann
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Teile Südeuropas werden von einer Hitzewelle überrollt, vielerorts wütend Brände. So dramatisch ist die Lage in Italien, Griechenland und der Türkei.

München - Südeuropa kämpft aktuell mit einer extremen Hitzewelle - die hat für auch für viele Touristengebiete schwere Folgen. Gleich in mehreren Regionen am Mittelmeer wüten schwere Waldbände. Vor allem die Türkei, Italien und Griechenland sind betroffen.

In der Südtürkei wurden erneut dutzende Hotels und Dörfer evakuiert, auf dem griechischen Peloponnes mussten ebenfalls Einwohner und Touristen in Sicherheit gebracht werden. Italien meldete über 800 Brände, darunter allein 250 auf Sizilien.

Hitzewelle in Südeuropa nimmt kein Ende

Große Trockenheit, heftiger Wind und Temperaturen von deutlich über 30 Grad lösen in Südeuropa jeden Sommer verheerende Waldbrände aus. EU-Daten zufolge ist die Brandsaison in diesem Jahr aber deutlich zerstörerischer als gewöhnlich. Seit Freitag leidet besonders Griechenland unter einer erneuten Hitzewelle mit Temperaturen zwischen 42 und 44 Grad. Experten sehen darin ein weiteres Zeichen für den Klimawandel. Und die Hitze nimmt kein Ende: Laut DWD werden in Teilen Griechenlands auch in den nächsten Tagen Temperaturen um die 40 Grad erreicht.

Zahlreiche weitere südeuropäische Länder sind aktuell von der Hitzewelle betroffen. Laut dem Meteorologe Clemens Grohs drohen der italienischen Bevölkerung sogar Rekordtemperaturen von bis zu 50 Grad. Während auf Sizilien in den vergangenen Tagen Temperaturen von 39 Grad und im süditalienischen Bari 40 Grad gemessen wurden, erlebt der Norden des Landes derzeit schwere Gewitter.

Waldbrände in der Türkei - Zahlreiche Evakuierungen

Besonders bekommt derzeit auch die Türkei die Folgen von Hitze und Trockenheit zu spüren. Die Flammen werden immer wieder durch starke Winde angefacht. Im beliebten Urlauberort Bodrum wurde laut dem Sender CNN Türk ein ganzes Viertel evakuiert, 540 Menschen mussten per Boot in Sicherheit gebracht werden, weil die Straßen nicht mehr benutzbar waren.

Zwei Männer fliehen in Bodrum (Türkei) vor den Bränden.

Auch im Urlaubsort Antalya gab es dem Sender NTV zufolge Evakuierungen. Am Sonntag wurden dort zwei Leichen geborgen. Die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Brände vor fünf Tagen stieg damit auf acht. 107 von 112 Bränden seien inzwischen unter Kontrolle, erklärte Land- und Forstwirtschaftsminister Bekir Pakdemirli. In den Touristenregionen Antalya und Mugla wüteten sie aber weiter. Für die Türkei sind es die schlimmsten Brände seit gut einem Jahrzehnt.

Schwere Waldbrände auch in Griechenland

In Griechenland kämpften am Sonntag 300 Feuerwehrleute weiter gegen mehrere Brände auf dem Peloponnes. Laut dem Zivilschutz waren seit Samstag 58 Brände auf der Halbinsel ausgebrochen, von denen die meisten jedoch rasch unter Kontrolle gebracht werden konnten. Rund 20 Häuser wurden dabei zerstört und acht Menschen verletzt.

Fünf Dörfer in der Nähe der Stadt Patras mussten evakuiert werden. Auch aus dem kleinen Badeort Loggos wurden fast hundert Einwohner und Touristen in die nahe gelegene Stadt Egio gebracht. Der Bürgermeister des Dorfes Egialia sprach von einer „ungeheuren Katastrophe“. „Wir haben über Nacht draußen geschlafen, wir hatten solche Angst, dass wir kein Haus mehr haben könnten, wenn wir aufwachen“, sagte ein Bewohner des Dorfes Labiri dem Sender Skai.

800 Brände am Wochenende in Italien - kriminelle Machenschaften als Mitursache?

Die italienische Feuerwehr zählte am Wochenende über 800 Brände, darunter in den südlichen Regionen Apulien, Kalabrien und Kampanien sowie im mittelitalienischen Latium mit Italiens Hauptstadt Rom. Auf der bei Touristen beliebten Insel Sizilien brachen demnach die meisten Feuer aus. Dort kämpfte die Feuerwehr am Sonntag weiter gegen Brände bei Catania, Palermo und Syrakus.

Die Bauerngewerkschaft Coldiretti zählte etwa 300 Waldbrände auf Sizilien seit Jahresbeginn. Sie vermutet, dass nicht nur Hitze und Dürre für die große Zahl verantwortlich sind, sondern auch kriminelle Machenschaften. (spl mit dpa)

Rubriklistenbild: © Ismail Coskun/dpa

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