Folge des Klimawandels?

Spektakuläre Bilder: Grauwal an Italiens Küste „aufgetaucht“ - Forscher stehen vor einem Rätsel

  • Martina Lippl
    vonMartina Lippl
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Ein junger Grauwal ist vor der Küste Italiens gesichtet worden. Was dahinter steckt, ist ein Rätsel. Die Riesentiere leben eigentlich im Ostpazifik und in westpazifischen Gewässern. Experten sind verblüfft.

Fumiocio - Ein Grauwal vor der Küste Italiens sorgt für Aufsehen. Das rund 15 Meter lange Tier tauchte vor der Küste Neapels auf - buchstäblich. Im Mittelmeer galt der Grauwal als ausgestorben. Der Wal ist etwa ein Jahr alt, schätzen Experten. Schon an den Tagen zuvor war er am Golf von Neapel bei Sorrent und nahe der Insel Ponza umhergeschwommen.

Die Küstenwache fordert die Italiener auf, den Wal in Ruhe zu lassen. Auch Tierschützern appellierten, das Tier in Frieden zu lassen und sich fernzuhalten. Die Angst, Menschen könnten gar auf die Idee kommen, mit dem Wal zu schwimmen, ist groß.

Grauwal im Mittelmeer -seit Jahren nicht mehr gesehen

Die italienische Zeitung La Repubblica nannte den Grauwal schon liebevoll „Wally“. Im Mittelmeer sind Grauwale extrem selten. Sie leben eigentlich in anderen Regionen der Erde, im Ostpazifik und in westpazifischen Gewässern. Im Mittelmeer galten die Meeressäuger als ausgerottet.

Mehrere Experten vermuten, dass sich für Grauwale durch das Abschmelzen der Polkappen in der Arktis neue Wege in den Atlantik auftun. Eigentlich galten die Meeressäuger in diesem Ozean als ausgestorben. „Grauwale sind Küstenwale und dringen manchmal in große Lagunen ein“, schrieben Walschützer der Organisation Marevivo. So könnten sie auch den Weg in Mittelmeer erkunden. „Er ist wahrscheinlich unterernährt, weil unser Ökosystem nicht genügend Ressourcen bietet. Aber er ist stark genug, um sich auf der Suche nach Nahrung zu bewegen“, schrieb der Verband. 

Grauwal im Mittelmeer gibt Forschern Rätsel auf

Der seltene Besuch stellt Forscher jedoch vor ein Rätsel. Das Jungtier muss schon im Atlantik geboren sein, vermutet Maddalena Jahoda vom Forschungs- und Schutzinstitut für Meeressäuger Thetis in Mailand. „Angesichts seines Alters halte ich es für unwahrscheinlich, dass Wally die etwa 20.000 Kilometer lange Strecke von Mexiko über die Arktis bis nach Italien zurückgelegt hat – dafür fehlte ihm schlicht die notwendige Zeit“, sagte die Wal-Expertin dem Portal standard.at. Das würde bedeuten, dass sich im Atlantik wieder eine Population von Grauwalen entwickelt habe. Für Walforscher und Tierschützer wäre das eine sensationelle Nachricht - aber bisher ist die Rückkehr der Grauwale in den Atlantik wissenschaftlich noch nicht bewiesen.

Im Mittelmeer tummeln sich verschieden Arten von Walen und Delfinen. Der Finnwal beispielsweise schwimmt im Mittelmeer vor den Küsten von Frankreich, Sardinien und dem italienischen Festland. 

Schockierende Fund - Wal-Kadaver vor süditalienischer Küste entdeckt

Taucher der italienischen Küstenwache haben im Januar 2021 vor der Küste von Sorrent einen riesigen Wal-Kadaver entdeckt. Das Team schleppte den über 20 Meter langen leblosen Walkörper in den Hafen von Neapel. (ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Guardia Costiera/dpa

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