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Wassermangel in Italien: Etwa die Hälfte des Wassers versickert wegen maroder Leitungen ungenutzt

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Von: Bettina Menzel

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„Save Water“ - „L‘urlo del mais“ (Spart Wasser - Der Schrei des Mais) lautet das Motto eines Acker-Gemäldes des Künstlers und Landwirten Dario Gambarin anlässlich der großen Dürre in Italien. © picture alliance/dpa/Dario Gambarin | -

Italien leidet unter extremer Dürre. Doch manche Probleme sind hausgemacht: Etwa die Hälfte des dringend benötigten Wassers versickert wegen maroder Leitungen.

Rom - In Italien herrscht seit vielen Monaten eine extreme Dürre. Flammen breiten sich auf den trockenen Böden rasch aus, es gibt deutlich mehr Waldbrände als in den vergangenen Jahren. Auch der Wassermangel macht dem Land zu schaffen, die Abgabe ist mittlerweile rationiert, sogar der Gardasee wird abgepumpt. Die marode Infrastruktur verschärft das Problem, denn durch veraltete Leitungen gehen 40 bis 70 Prozent des Wassers verloren.

Wassermangel in Italien: 40 bis 70 Prozent des Wassers geht wegen kaputter Leitungen verloren

Der Wassermangel in Italien habe sich bereits im Winter vorgezeichnet, meint der italienische Reisbauer Gianluigi Tacchini, der rund 40 Kilometer südlich von Mailand im Ort Santa Cristina e Bissone seinen Betrieb hat. Es fehlte an Schnee auf den Bergen und Wasser in den Seen, sagte der Landwirt der Deutschen Presse-Agentur Anfang Juli. Tacchini halbierte daher seine Reis-Anbaufläche und pflanzte stattdessen Sonnenblumen, die nicht so viel Wasser brauchen. Aber die Wassereinspeisung aus dem Comer See sei schon um drei Viertel verringert worden - und sie drohe ganz wegzufallen, wenn der Wasserstand weiter falle. „Ich habe noch nie eine so lange Trockenheit erlebt“, berichtet der Bauer.

Seine Einschätzung lässt sich auch wissenschaftlich untermauern: Von Januar bis Mai sei landesweit 44 Prozent weniger Niederschlag gefallen als normalerweise, erklärte der Wissenschaftler Francesco Cioffi von der Universität La Sapienza in Rom der Nachrichtenagentur AFP. Das habe es seit den 50er Jahren nicht mehr gegeben, so Cioffi weiter.

Der menschengemachte Klimawandel sorgt für immer länger anhaltende Hitzewellen, doch in Italien verschärfen zu wenig Investitionen in die Wasserwirtschaft und veraltete Leitungen das Problem zusätzlich. Angaben der nationalen Statistikbehörde Istat von 2020 zufolge sickern in Italien durchschnittlich 40 Prozent des Trinkwassers durch Lecks in den Rohren und in Speicherbecken. In manchen Gegenden liegt der Anteil sogar noch deutlich höher. In Chieti in den Abruzzen könnten es bis zu 70 Prozent sein. Viele Wasserleitungen sind mehr als ein halbes Jahrhundert alt. Eine der Maßnahmen der Behörden ist es daher, das Wasser zwischen 22 Uhr bis 5 Uhr morgens abzustellen. Zwar ist der private Verbrauch zu dieser Zeit nicht hoch, doch zumindest versickert das Wasser dann nicht ungenutzt.

Italien stellt Milliarden für Wasserwirtschaft zur Verfügung - für manche Bauern kommt das vielleicht zu spät

In fünf italienischen Regionen rief die Regierung bereits den Notstand aus. Nach Einschätzung des Hydrologen Cioffis stellte der Staat bislang einfach nicht genug Geld für die Modernisierungen der Wasserleitungen zur Verfügung. „Man hätte früher und besser investieren müssen, um das nationale Territorium und das wirtschaftliche und soziale System des Landes weniger anfällig für solche Ereignisse zu machen“, kritisiert der Wasser-Experte.

In den kommenden vier Jahren sollen nun 4,4 Milliarden Euro von der italienischen Regierung an die Wasserwirtschaft fließen. Doch für manche Bauern könnte das zu spät kommen, schließlich sind schon jetzt die Ernten in Italien von der Dürre betroffen. Vielerorts ist die Wasserabgabe rationiert. Der italienische Bauer Stefano Boschetti aus der Region Latium etwa darf seine Pflanzen wegen des Wassermangels an zwei Tagen pro Woche nicht mehr gießen, wie er dem Spiegel sagte.

In diesem Jahr befürchten Behörden Ernteausfälle in Höhe von 80 Prozent bei Zuckerrüben, 50 Prozent bei Soja und 30 Prozent bei Mais- und Getreideprodukten. Nach Angaben des Bauernverbandes Coldiretti sind allein in der Po-Ebene mehr als 30 Prozent der landesweiten landwirtschaftlichen Produktion und die Hälfte des Viehbestandes bedroht. In der Region wird unter anderem der berühmte Parmaschinken hergestellt.

Spätestens jetzt müsse man in eine bessere Wasseraufbereitung, die stärkere Nutzung von Regenwasser und effizientere Bewässerungssysteme investieren, mahnt der Hydrologe Cioffis. Doch gerade herrscht in Italien eine Regierungskrise, die Dürre im Land könnte schnell in den Hintergrund rücken (dpa/AFP/bme).

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