Ein Mann lächelt am Strand.
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Der Einsiedler Mauro Morandi muss nach über 30 Jahren seine Heimatinsel verlassen.

„Robinson Crusoe Italiens“

Italiener muss nach 32 Jahren einsame Insel verlassen: Offizielle Begründung macht ihn fassungslos

  • Raffael Scherer
    vonRaffael Scherer
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32 Jahre lang lebte der Italiener Mauro Morandi allein auf einer italienischen Trauminsel. Nun muss er sein Zuhause verlassen.

München - Traumhaft idyllisch liegt die Insel Budelli im Archipel von La Maddalena im Norden Sardiniens. Hellblaues Meer, Strände, Felsen und Wälder erstrecken sich über die einsame Insel. Und garantiert frei von dem Coronavirus. Denn ihr einziger Bewohner ist Mauro Morandi. Der 81-Jährige lebt dort laut dpa seit 32 Jahren. Freiwillig allein auf der Insel in seinem Haus. Die Italiener nennen ihn schon scherzhaft den „Robinson Crusoe Italiens“.

Eigentlich wollte der Italiener damals mit seiner Freundin und zwei weiteren Aussteigern mit dem Katamaran auf den Pazifik hinaus. Doch beim Zwischenstopp auf der Insel, beschloss er gleich dort zu bleiben. Er hatte sich in die kleine Insel verliebt. So zogen seine Freunde ohne ihn weiter, während er es sich auf Budelli in dem einzigen Haus, ein Überbleibsel aus dem zweiten Weltkrieg, das er ausbaute, gemütlich machte.

La Maddalena: Einziger Inselbewohner muss wegen eines Forschungszentrums umziehen

Dort übernahm er die Stelle des Inselwächters, der zufällig gerade wechseln wollte. Auf Facebook und Instagram postete er regelmäßig Fotos des Strandes, des Wetters, des Sonnenauf- und Untergangs und von den schönsten Blumen, denen er am Wegrand begegnete. Doch mit dem Eremitenleben ist bald Schluss.

Denn in den vergangenen Jahren wurde der Stress mit den Behörden immer mehr. Offizieller Grund dafür sei, dass er ohne deren Genehmigung das Haus erweitert hatte - vor über dreißig Jahren. Nun, wo der Nationalpark des Archipels von La Maddalena das Haus umbauen möchte, um daraus ein Forschungszentrum zu machen, muss er bis Ende April ausziehen. Lange kämpfte er gegen die Räumungs-Versuche an, doch jetzt ist er am finalen Punkt angelangt: „Ich bin diese ganzen Sachen jetzt auch wirklich leid“, so Morandi.

La Maddalena/Sardinien: Italienischer Robinson Crusoe zieht auf die nächste Insel

Im Gegensatz zu dem schiffbrüchigem Zwangs-Eremiten Robinson Crusoe aus dem gleichnamigen Buch von Daniel Dafoe, war der Italiener Morandi sehr zufrieden mit dem Eremitenleben: „Robinson wollte zurück in die Gesellschaft und ich nicht“ sagt der 81-Jährige, der ursprünglich aus Modena in der Region Emilia-Romagna im Norden Italiens stammt.

Wie genau es für den freiwilligen Eremiten weitergeht, wird sich zeigen. Aber seine neue Heimat steht wohl schon fest: Es geht auf die Hauptinsel seines Inselstädtchens, nämlich La Maddalena. Dort habe er sich ein kleines Heim gesucht, möglichst im Randgebiet. Denn nur so könne er am besten leben: Allein und mit dem Kontakt zur Natur.

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