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Wirbelsturm „Apollo“ nähert sich Sizilien: Erste Straßen bereits überflutet - „Sucht nach einem Unterschlupf“

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Von: Franziska Schwarz

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Überflutete Straßen und schwimmende Autos Ende Oktober 2021 in der Stadt Catania in Sizilien.
Aktuelle Szene aus Catania: Der Wirbelsturm „Apollo“ nähert sich Sizilien © STRINGER/ANSA/AFP

Die Einsatzkräfte in Sizilien müssen die Nerven bewahren: Die Region in Italien sieht dem zweiten Wirbelsturm innerhalb kurzer Zeit entgegen.

Update vom 29. Oktober, 21.56 Uhr: Sizilien war erst am Dienstag hart von einem Unwetter getroffen worden. Auf der Insel im Mittelmeer gab es starke Überschwemmungen, drei Menschen kamen ums Leben. Angaben des Deutschen Wetterdienstes zufolge ging die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge von 600 Litern pro Quadratmeter in nur 48 Stunden nieder. Die Straßen der sizilianischen Stadt Catania wurden zu reißenden Flüssen. Doch die Insel findet keine Ruhe: Nun trifft der tropenähnliche Sturm „Apollo“ auf Sizilien. Das Tiefdruckgebiet brachte bereits am Donnerstag erneut heftige Regenfälle mit sich. Rund 100 bis 200 Liter fielen innerhalb von 24 Stunden pro Quadratmeter. Die starken Regenschauer dauern Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes zufolge noch bis Samstagabend an.

Die rotierende Gewitterspirale von „Apollo“ ähnelt einem tropischen Wirbelsturm und auch die Eigenschaften sind ähnlich. Der Wirbelsturm hat ein wolkenarmes Auge und keine Warm- oder Kaltfronten, wie das sonst bei Tiefdruckgebieten in diesen Breitengraden der Fall ist. Er wird deshalb auch als „Hurricane über dem Mittelmeer“ oder „Medicane“ bezeichnet – eine Zusammensetzung aus „Mediterranean“ und „Hurricane“. Am Samstag soll der Sturm dann in Richtung Süden abziehen, Sizilien kann aufatmen. Allerdings trifft das Tiefdruckgebiet den Vorhersagen zufolge am Sonntagabend auf die Küste Libyens und bringt auch dort Starkregen, Sturmböen und einen hohen Wellengang von bis zu drei Metern mit sich. Insgesamt wird der Sturm sich auf seinem Weg über das Meer jedoch nach derzeitigem Kenntnisstand abschwächen, prognostiziert der Deutsche Wetterdienst.

Wirbelsturm forderte drei Todesopfer, nun trifft weiteres Unwetter auf die Region um Catania

Update vom 29. Oktober, 16.39 Uhr: Am Freitag bargen die Einsatzkräfte im sizilianischen Catania am Fuße des Ätna die Leiche einer vermisst gemeldeten Frau. Insgesamt kamen bei dem seit Mittwoch wütenden Unwetter im Osten Siziliens bislang drei Menschen ums Leben. Die Rettungskräfte vermuten, dass die Frau trotz der Überschwemmungen aus dem Auto gestiegen war und dann von den Wassermassen erfasst und mitgerissen wurde. Ihre Leiche wurde rund fünf Kilometer entfernt von ihrem Fahrzeug gefunden. Ihr Mann hatte das Fahrzeug ebenfalls verlassen und war in rund zwei Kilometern Entfernung tot gefunden worden. Auch das dritte Todesopfer war aus dem Auto ausgestiegen und wurde von den Wassermassen unter das Fahrzeug gedrückt.

Ein weiteres Unwetter könnte die Region um die Großstadt Catania auf Sizilien in Kürze heimsuchen. Meteorologen erwarten einen Hurricane im Mittelmeer, ein sogenannter „Medicane“ (Mediterranean Hurricane), wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Die Vorhersagen seien besorgniserregend, sagte der Bürgermeister der Stadt Catania, Salvo Pogliese. Er wies die Bevölkerung an, zuhause zu bleiben und nur für notwendige Erledigungen das Haus zu verlassen. Schulen, Geschäfte und Ämter bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Die Regierung rief am Mittwoch den Notstand aus, die Zivilschutzbehörde stufte das Risiko in der Region in der Höchstwarnstufe rot ein. Es werden weitere intensive Niederschläge erwartet, weitere Überschwemmungen sind wahrscheinlich.

Einsatzkräfte arbeiten unter schwierigsten Bedingungen

Update vom 29. Oktober, 16.16 Uhr: Ein aktueller Twitter-Clip zeigt die schwierigen Bedingungen, unter denen die Einsatzkräfte gerade arbeiten müssen. „Wir kämpfen in der Stadt Syrakus weiter gegen die Folgen des Unwetters in Sizilien“, schreibt die italienische Polizei. „100 Interventionen gab es heute bereits. Der Clip zeigt die Rettung eines Mannes und seines Hundes“:

Update vom 29. Oktober, 15.01 Uhr: Die Feuerwehr der italienischen Insel Sizilien ist im Dauereinsatz. Gut 160 Mal rückte sie binnen 24 Stunden in Catania und Syrakus aus. Das twitterten die Einsatzkräfte am Freitag.

In der Nacht habe sich der Regen verstärkt, erklärte der Chef der Zivilschutzbehörde Siziliens, Salvo Cocina, im öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Rai 1. Im Wetterbericht der Luftwaffe sagten die Meteorologen für Freitag weiter starken Regen und kräftige Winde voraus (siehe Erstmeldung).

Wirbelsturm „Apollo“ nähert sich Sizilien: Erste Straßen bereits überflutet - „Sucht nach einem Unterschlupf“

Erstmeldung vom 29. Oktober: Palermo - Der Wirbelsturm „Apollo“ nähert sich dem bereits von Unwettern versehrten Sizilien. Die Stadt Augusta ist aktuell am stärksten von dem Dauerregen betroffen. Da die Staatsstraße 114 gesperrt werden musste, ist die Stadt jetzt weitgehend isoliert. Das berichtete am Freitag die italienische Zeitung La Repubblica. Der Flughafen von Catania sei jedoch offen, die ersten Flieger gestartet. Der Bevölkerungsschutz rate jedoch zu Vorsicht bei der Anfahrt, da die Ringstraße teilweise überflutet sei.

Viele ehrenamtliche Helfer sind im Einsatz, ein Repubblica-Reporter hat sie begleitet. „Wir werden einen der kritischen Bereiche der Stadt überwachen“, sagt einer von ihnen. In der Koordinationszentrale klingelt das Telefon. Eine Frau, die zur Chemotherapie in die Poliklinik von Catania muss, ist dran. „Kann ich den Bus nehmen?“, möchte sie wissen. Eigentlich lautet wegen des Starkregens auf Catania die Empfehlung, das Haus nicht zu verlassen. „Wir dürfen die Gefahr nicht unterschätzen“, sagt eine 22-jährige Politikstudentin.

Von den Fluten hinweggespülte Autos in der Stadt Catania in Sizilien Ende Oktober 2021.
Die Stadt Catania ist aktuell in weiten Teilen unbegehbar. © Orietta Scardino/Imago

Unwetter in Italien: „Die Situation entwickelt sich rasant“

Die Zahlen der Wetterstationen im Osten von Sizilien sind dramatisch, schreibt die Zeitung. Einige Provinzstraßen hat das Unwetter unbegehbar hinterlassen. Entweder sind die geflutet, oder Felsbrocken oder umgestürzte Bäume liegen auf den Straßen. Die Zeitung schildert Szenen von der Arbeit von Marco Romano, dem Leiter des städtischen Zivilschutzes von Catania: „Die Situation entwickelt sich rasant – sucht nach einem Unterschlupf“, warnt er die Mitarbeitenden per Funk.

Die Regenmenge nimmt zu, und rund um das Dorf Santa Maria Goretti, gab es Probleme mit dem Wasserabfluss. Romano hat zunächst eine gute Nachricht: „Die Kanäle sind frei. Er erst heute Morgen waren wir wieder da, um wichtige Reinigungsarbeiten zu erledigen, Äste und Schmutz zu entfernen.“

Wirbelsturm „Apollo“: Helfern „läuft ein Schauer über den Rücken“

Dann die Wende: „Um zehn Uhr Abends (Anm. d. Red: am Donnerstag) läuft Romanos Mitarbeitern ein Schauer über den Rücken. Der Wirbelsturm Apollo ist nun nicht mehr nur eine Ankündigung, er kommt. Die Teams machen sich sofort auf. ‚Wir müssen die Strandpromenade unter Kontrolle halten‘, erklärte Romano.“

Sizilien war bereits am Dienstag von einem Wirbelsturm getroffen worden. Bereits in den Tagen zuvor hatte es dort heftige Regenfälle, Überschwemmungen und Erdrutsche gegeben, drei Menschen kamen bislang ums Leben. Die Behörden ordneten die Schließung von Schulen und Behörden in der betroffenen Region bis zum Wochenende an (frs)

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