Wassermassen als Folge des Hitzesommers

Unwetter in Italien: Starkregen heftiger als im Ahrtal – Hinweis lässt deutsche Behörden alt aussehen

  • Marcus Giebel
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Regen, Regen, Regen. In Italien gehen seit Tagen Wassermassen nieder, die in Deutschland unvorstellbar sind. Auch andere Länder sind vom Extremwetter betroffen. Und es soll weiter schütten.

München - Im Sommer Rekordhitze, nun Rekordregen - weite Teile Südeuropas ächzen unter extremen Wetterbedingungen. Vor allem über Italien ergießen sich die Wassermengen seit dem Wochenende und die Wolken werden noch einiges abladen, wie Meteorologe Paul Heger von wetter.com vorhersagt.

Er spricht von „sintflutartigen Rekordregenmengen“, die niedergingen, und zieht einen Vergleich zum folgenschweren Hochwasser im Westen und Südwesten Deutschlands vor nicht einmal drei Monaten: „Die Schäden sahen aus wie bei uns im Ahrtal.“

Rekordregen in Italien: Massen wie in Berlin im ganzen Jahr

Der Blick nach Italien offenbare traurige Topwerte: Binnen sechs Stunden ergossen sich knapp 500 Liter Regen über manche Region - ein Landesrekord. „Das ist in etwa das, was in Berlin innerhalb eines Jahres runterkommt“, veranschaulicht Heger die Zahlen. Mit 741 Liter Regen binnen zwölf Stunden knackte Italien auch einen Europa-Rekord.

In der besonders betroffenen Region Ligurien mit der Hauptstadt Genua sollen es in 24 Stunden sogar 926 Liter gewesen sein, die niedergingen. Dazu seien innerhalb von 48 Stunden knapp eine halbe Million Blitze gezählt worden.

Überflutete Straße: Im ligurischen Savona am Mittelmeer regnete es über lange Zeit sintflutartig.

Italien: Warmes Mittelmeer sorgt mit kalter Luft für explosive Mischung

„Die Energie für diese Unwetter kommt zum einen aus dem weiter sehr warmen Mittelmeer“, erklärt Heger und verweist auf die explosive Mischung mit den kalten Luftmassen. Diese Entwicklung sei vorhersehbar gewesen, angesichts der Hitze im Hochsommer.

Großes Problem: Das Tiefdruckgebiet Christian wird aller Voraussicht nach noch bis ins Wochenende hinein über Italien ausharren. „Es kreiselt vor sich hin, abgetrennt von einer Hochdruckbrücke“, benennt Heger das Dilemma.

Rekordregen in Italien: In manchen Regionen erneut bis zu 450 Liter möglich

Dabei hätte es durchaus noch schlimmer kommen können. Denn läge das Tief weiter westlich oder südöstlich - also über dem Meer - könnte sich ein sogenannter Medicane bilden. Dabei handelt es sich um ein tropensturm-ähnliches Sturmtief über dem Mittelmeerraum.

Bis einschließlich Samstag seien für den Norden Italiens noch einmal 100 bis 250 Liter Regen pro Quadratmeter vorhergesagt. Im Süden des Landes und an der Westküste Griechenlands können im selben Zeitraum zwischen 250 und 450 Liter herabregnen. Heger mahnt auch Urlauber zur Vorsicht: „Im Zweifel herrscht hier Lebensgefahr.“

Reißender Fluss: Diese Bilder ähneln auf fatale Weise denen aus dem Ahrtal im Sommer.

Rekordregen in Italien: „Wie durch ein Wunder kaum Bericht über Verletzte und Tote“

Auch Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net warnt vor weiteren Überschwemmungen, nennt neben Italien und Griechenland auch den Balkan. Er hebt aber auch eine gute Nachricht hervor, die durchaus auch als Kritik an den deutschen Behörden und der hier herrschenden Bürokratie interpretiert werden kann: „Wie durch ein Wunder gab es kaum Berichte über Verletzte und Tote in Italien. Da haben die Behörden wahrscheinlich rechtzeitig gut vorgewarnt.“

Ganz anders eben als im Sommer in Deutschland, als hunderte Menschen in den Wassermassen ums Leben kamen. Vor allem die Eifel wurde damals von heftigem Regen heimgesucht. Jung gibt zu bedenken: „Da fielen ‚nur‘ um die 150 bis knapp 200 Liter pro Quadratmeter binnen 24 Stunden.“ In Italien sei es nun in einigen Regionen fast fünfmal so viel.

Solche Ausmaße musste Deutschland zum Glück noch nicht erleben. Der traurige Regenrekord über 24 Stunden wurde im August 2002 mit 357 Litern pro Quadratmeter im sächsischen Zinnwald aufgestellt. Kurz darauf hielt das Elbhochwasser Teile des Landes in Atem. Als Weltrekord gelten Regenschauer am 15. und 16. März 1952 in Cilaos auf der Insel Réunion, als binnen 24 Stunden 1870 Liter Wasser pro Quadratmeter aus den Wolken fielen. (mg)

Rubriklistenbild: © Tano Pecoraro/dpa

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