1. Startseite
  2. Welt

Waldbrände in Südtirol und am Gardasee: „Ein Viertel vermutlich durch Zigarettenstummel verursacht“

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

In einer beliebten Urlaubsregion am Gardasee kämpft die Feuerwehr gegen Waldbrände, auch in Südtirol wüten die Flammen. Mindestens ein Viertel der Feuer wären vermeidbar gewesen.

Nago/Frauwaal - Die Hitzewelle hält ganz Südeuropa weiter in Atem. Italien kämpft seit Wochen mit extremer Dürre, in einigen Regionen verhängte die Regierung deshalb bereits den Notstand. Immer wieder treten Busch- und Waldbrände auf, besonders schlimm traf es eine beliebte Urlaubsregion nahe des Gardasees, doch auch in Südtirol wüten die Flammen. Wäre die Bevölkerung vorsichtiger, würde das zahlreiche Feuer verhindern.

Italien Trient Nago Gardasee waldbrand feuer
Mehr als 5 Hektar Wald brannten seit dem Ausbruch eines Feuers am 10. Juli 2022 in Nago ab. Die kleine italienische Gemeinde liegt oberhalb des Gardasees in der Provinz Trient. © IMAGO/Aleksander Kalka/Zuma Wire

Italien: Rund 150 Feuerwehrleute kämpfen in der Nacht gegen Brände in Südtirol

Die Feuerwehr in Südtirol kämpfte in der Nacht mit etwa 150 Einsatzkräften gegen einen Großbrand im Wandergebiet bei Frauwaal. Auch ein Hubschrauber unterstützte die Löscharbeiten. Das teilte die Feuerwehr am Freitagmorgen mit. Demnach dauerte es mehrere Stunden bis die Einsatzkräfte den Brand eingrenzen konnten. Die Flammen schlugen teils meterhoch in den Nachthimmel und fraßen sich schnell den von der Hitze extrem trockenen Waldhang entlang.

Feuer am Gardasee: Brände nahe Nago-Torbole flammen wieder auf

Der Gardasee ist eine beliebte Urlaubsregion für deutsche Touristen. Aufgrund der extremen Dürre pumpt die Regierung nun sogar Wasser aus dem See ab, um andere noch trockenere Regionen zu versorgen. Der Wasserspiegel ist bereits um einen halben Meter gefallen. Doch das ist nicht die einzige Auswirkung der extremen Trockenheit in Italien: Im Norden des Gardasees halten seit Sonntag auch zahlreiche Brände die Feuerwehr in Atem. Nahe der Gemeinde Nago-Torbole waren die Brände bereits unter Kontrolle, doch flammten nun erneut auf, wie ein Sprecher der Autonomen Provinz Trient auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Bis zum Mittwoch vergangener Woche hatten die Behörden laut offiziellen Angaben am Berg Monte Baldo in einem Gebiet von rund 45 Hektar mehrere Brände bekämpft. Die Flammen seien nun unter Kontrolle, das Gebiet würde aber weiter mit Drohnen überwacht, weil die speziell am Gardasee wehenden Winde aus Süden, auch Ora del Garda genannt, die Feuer wieder anfachen könnten, hieß es weiter. Am Donnerstagabend teilte die Feuerwehr außerdem mit, einen großen Waldbrand nahe Genua bekämpft zu haben. Brandgefahr bestünde demnach weiterhin auch auf Sizilien und Sardinien.

Waldbrände in Italien: Rund ein Viertel durch Zigarettenstummel verursacht

In Italien registrierten die Behörden in diesem Jahr bereits doppelt so viele Feuer in Wäldern wie sonst durchschnittlich im gesamten Jahr. Mehr als 40 Waldbrände gab es bislang im Land, mindestens zehn davon seien vermeidbar gewesen. „Ein Viertel der Waldbrände wurden heuer vermutlich durch Zigarettenstummel verursacht“, sagte der Landesrat für Forstwirtschaft, Arnold Schuler. „Jedes Risikoverhalten, das einen Waldbrand verursachen könnte, muss unbedingt vermieden werden“, mahnte Schuler weiter.

Eine Studie der Umweltschutzorganisation WWF zufolge haben nur etwa vier Prozent der Waldbrände weltweit natürliche Ursachen. Auf eine ähnliche Zahl kommen auch andere Waldschutz-Experten wie etwa Prof. Michael Müller von der Fakultät Umweltwissenschaften an der TU Dresden. Fast alle Waldbrände entstehen demnach entweder vorsätzlich durch Brandrodung und Brandstiftung oder aus Unachtsamkeit. Besondere Gefahrenquellen sind dabei etwa Lagerfeuer, weggeworfene Zigarettenkippen oder Streichhölzer, heißt es in dem WWF-Bericht. „Eine oft unterschätzte Ursache sind auch heiße Katalysatoren und Auspuffanlagen von Autos und Motorrädern, die auf Waldböden abgestellt werden“, so die WWF-Experten. Daneben können Stromleitungen oder Bahnlinien Auslöser sein, wenn Funken den angrenzenden Wald entzünden - auch Glasflaschen oder Scherben stellen eine mögliche Brandursache dar. Sie können das Licht wie durch eine Lupe bündeln und so trockenen Untergrund entzünden.

Der menschengemachte Klimawandel führt insgesamt zu extremeren Wetterverhältnisse, längeren Dürren und trockenen Perioden. Das wiederum erhöht das Risiko für Waldbrände zunehmend. Insofern sind viele Brände indirekt ebenfalls vom Menschen verursacht (dpa/bme).

Auch interessant

Kommentare