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Alles Schwindel? Zweifel an Italienerin, die angeblich 1600 Kilometer pro Tag pendelt, mehren sich

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Von: Miriam Haberhauer, Christoph Gschoßmann

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Fast 20 Stunden ist eine junge Frau aus Neapel täglich unterwegs. Auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle in Mailand legt sie mehrere hundert Kilometer zurück. Doch sagt sie die Wahrheit?

Update vom 28. Januar: Giuseppina Giuliano und ihr Wahnsinns-Pendel-Pensum - die Geschichte bewegt über die italienischen Landesgrenzen hinaus die Gemüter. Doch nun kommen Zweifel auf: Ist sie am Ende frei erfunden?

Im Internet kam bei Diskussionen Zweifel auf, ob die Pendlerin wirklich das lebt, was sie vorgibt. Das schließlich brachte Redakteure der Sendung „La lene“ des Senders Italia 1 dazu, der Sache auf den Grund zu gehen. Sie warteten am Bahnhof in Neapel tagelang auf Giuliano - vergeblich. Sie ist, wie sich herausstellt, schon seit dem 19. Januar und bis August 2023 beurlaubt, um sich um Angehörige zu kümmern. Bei Nachfragen in ihrer Arbeitsstelle gaben Lehrer und Schüler an, sie nur Anfang September gesehen zu haben. Der Preis von 400 Euro scheint auch nur plausibel, wenn man ihn Vielfahrer-Rabatte und Coupons nutzt.

Die angebliche Mega-Pendlerin hat sich indes zurückgezogen und schweigt, auch wenn sie im Internet gedrängt wird, ihre Tickets zu veröffentlichen.

Pendel-Wahnsinn: Italienerin legt täglich 1600 Kilometer zurück

Erstmeldung vom 22. Januar: Neapel – Stundenlange Staus zur Rushhour und überfüllte Züge – tausende Pendler kämpfen sich in München täglich für die Arbeit durch den Berufsverkehr. Für eine junge Italienerin sind lange Arbeitswege hingegen kein Problem: Täglich legt sie auf dem Weg zur Arbeit knapp 800 Kilometer zurück.

Um 10 Uhr morgens muss Giuseppina Giuliano (29) in der Arbeit sein. Doch ihr Tag beginnt für die junge Italienerin bereits um 3.30 Uhr – vor ihr liegen noch knappe 800 Kilometer Fahrt. Jeden Tag pendelt die 29-Jährige von Neapel nach Mailand und zurück. Ihren Tagesablauf hat sie der italienischen Lokalzeitung Corriere del Mezzogiorno geschildert.

Giuliano wohnt aktuell noch in ihrem Elternhaus in Neapel, von wo aus die Pendel-Odyssee beginnt. Vom Haus der Familie fährt die Italienerin mit dem Bus zum Hauptbahnhof. Kurz nach 5 Uhr steigt sie dort in den Hochgeschwindigkeitszug nach Mailand um. Knapp fünf Stunden später ist die Schulverwalterin pünktlich zum Arbeitsbeginn an der Boccioni-Kunstschule am Piazzale Arduino.

Zug in Mailand
Knapp 1600 Kilometer legt Giuseppina (29) auf ihrem Arbeitsweg täglich zurück. © IMAGO / Zoonar; Screenshot/instagram.com/romacomunica.it

Mieten in Mailand unbezahlbar - 20 Stunden Pendeln

Abends geht die Reise wieder von vorne los: Giuliano macht um 17 Uhr Feierabend, nimmt den Zug um 18.20 Uhr und ist so kurz vor 23 Uhr wieder zu Hause in Neapel. Schon seit September verbringt die Italienerin so mehr Zeit im Zug als zu Hause. In Italien sorgte die Geschichte für Schlagzeilen.

Der Grund für den Pendel-Wahnsinn: die Mietpreise in der italienischen Modemetropole sind zu hoch. Eine Zweizimmerwohnung in Mailand kostet bis zu 1800 Euro im Monat, Giulianos Monatslohn beträgt aber nur 1165 Euro. Für die Pendelei zahlt die 29-Jährige nur 400 Euro im Monat – und kann so zumindest einen Teil ihres Gehalts sparen.

München ist nach Daten des Verkehrdienstleisters Inrix weiterhin „die staugeplagteste Stadt Deutschlands“. Durch verstopfte Straßen in den Stoßzeiten habe ein durchschnittlicher Pendler im vergangenen Jahr dort 74 Stunden verloren.

„Pendeln belastet mich überhaupt nicht“ – aber ist keine Dauerlösung

„Ich bin entschlossen, so weiterzumachen“, sagte die Italienerin gengenüber Il Giorno. „Ich muss sagen, dass mich meine Arbeit überhaupt nicht belastet, ebenso wenig wie das Bahnfahren“ – und das, obwohl sie nach eigener Aussage bereits seit ihrer Kindheit an einer Lungenkrankheit leidet.

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Die 29-Jährige arbeitet an der Boccioni-Kunstschule am Piazzale Arduino in Mailand. (Symbolbild) © IMAGO/imageBROKER/Günter Gräfenhain

Für die Italienerin war ihre Entscheidung, bei ihren Eltern in Neapel wohnen zu bleiben, die richtige Wahl. „Jeder kann frei entscheiden, wie er sein Leben gestalten will, und ich habe meine Entscheidung getroffen“, so Giuliano. Eine Dauerlösung sei der Pendel-Wahnsinn aber dennoch nicht: „Jetzt bin ich noch jung und kann die Müdigkeit ertragen, aber mit den Jahren glaube ich das nicht“, gesteht die 29-Jährige.

Italienerin auf Wohnungssuche: Aufruf an Mailänder Vermieter

Um dem täglichen Pendeln ein Ende zu setzen, wandte sich Giuliano deshalb mit einem Aufruf an die Mailänder Vermieter: „Vielleicht gibt es unter all den Menschen, die meine Geschichte gehört haben, jemanden mit einem guten Herzen, der ein Zimmer oder eine kleine Wohnung in der Nähe von Mailand hat und sie mir vermieten möchte.“

Neue Zahlen zeigen die täglichen Pendler-Ströme von und nach München. Dabei wird eines deutlich: Die Achillesferse des Ganzen ist der öffentliche Nahverkehr. (mlh)

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