Für acht Ägypter

Ein Jahr Haft wegen angeblicher Schwulenhochzeit

Kairo - Ein Berufungsgericht in Ägypten hat die umstrittene Haftstrafe für acht junge Männer reduziert, die wegen ihrer angeblichen Teilnahme an einer Schwulen-Hochzeit verurteilt worden waren.

Allerdings hob das Gericht am Samstag die Haftstrafe nicht komplett auf, die Männer müssen für ein Jahr ins Gefängnis. Ursprünglich waren sie wegen der "Veröffentlichung unzüchtiger Aufnahmen" zu drei Jahren Haft verurteilt worden.

Zur Urteilsverkündung durch das Berufungsgericht hatten sich Familienangehörige und Freunde der jungen Männer in einem Gerichtssaal in Kairo versammelt. Als die nun einjährige Haftstrafe verkündet wurde, brachen viele von ihnen zusammen, weil sie mit einem Freispruch gerechnet hatten. "Sie haben mir das Herz geraubt", rief eine Mutter. "Mustafa ist verloren, seine Zukunft ist dahin", weinte eine andere.

Das Verfahren beruht auf einem umstrittenen Video, das im Internet für Aufsehen gesorgt hatte und vielfach geteilt wurde. Es wurde auf einem Ausflugsboot auf dem Nil gefilmt und zeigt zwei Männer, die sich unter dem Gejohle von Freunden küssen, Ringe austauschen und einen Kuchen mit einem Bild der beiden anschneiden. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wurde das Video auf einer Schwulen-Hochzeit gedreht und illegal veröffentlicht. Einer der Verurteilten beteuerte dagegen in einer Fernsehtalkshow, das Video zeige eine Geburtstagsfeier.

Da Homosexualität nach dem geltenden Recht des mehrheitlich muslimischen Landes nicht strafbar ist, wurden die Beschuldigten im November in erster Instanz wegen "Veröffentlichung unzüchtiger Aufnahmen" verurteilt. Medizinische Untersuchungen haben nach Angaben des Justizministeriums ergeben, dass die acht Männer keinen gleichgeschlechtlichen Sex hatten.

In Ägypten werden Homosexuelle immer wieder wegen umstrittener Straftatbestände verurteilt. Dabei ziehen die Richter Begründungen wie "Verhöhnung der Religion" oder "gegen den Islam verstoßende Sexualpraktiken" heran. Im April wurden vier Männer zu langen Haftstrafen verurteilt, weil sie nach Darstellung der Anklage "abartige Partys" gefeiert und Frauenkleidung getragen hatten.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auto rast durch Shopping-Meile: Eine Tote und sechs Verletzte 
Bei einem schweren Unfall im saarländischen Saarwellingen ist eine 43 Jahre alte Frau ums Leben gekommen.
Auto rast durch Shopping-Meile: Eine Tote und sechs Verletzte 
Jahrestag: Gedenken an Erdbeben um Amatrice in Italien
Amatrice (dpa) - Italien gedenkt heute der Erdbebenkatastrophe um die Stadt Amatrice vor einem Jahr. In der Gegend in Mittelitalien starben am 24. August 2016 genau 299 …
Jahrestag: Gedenken an Erdbeben um Amatrice in Italien
Holland: Rockkonzert wegen Terrorwarnung abgesagt
Knapp tausend Menschen hätten am Mittwochabend in Rotterdam die Indie-Band Allah-Las sehen sollen. Eine Terrorwarnung verhinderte das Konzert - die Polizei setzte …
Holland: Rockkonzert wegen Terrorwarnung abgesagt
Vorwürfe gegen Bahn nach Tunneleinbruch
Der Einbruch eines Tunnels in Rastatt wird für die Bahn immer mehr zur Belastung: Ein Experte kritisiert das Vorgehen des Unternehmens, andere fürchten einen …
Vorwürfe gegen Bahn nach Tunneleinbruch

Kommentare