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Gangsterboss James Bulger wird der Prozess gemacht

Hollywoodreif: Bulger wird der Prozess gemacht

Washington - Der Gangsterboss James „Whitey“ Bulger ist 16 Jahre auf der Flucht gewesen. Nun wird dem 83-Jährigen in den USA der Prozess gemacht.

Es ist der Stoff, aus dem Hollywood-Filme sind. James „Whitey“ Bulger war auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher in den USA. Die Polizei sieht in ihm einen Mörder und Mafiapaten. Jetzt steht der 83-Jährige in Boston (US-Staat Massachusetts) vor Gericht.

Täglich machen Zeugenaussagen über blutige Machenschaften des Angeklagten Schlagzeilen. Aufsehen erregt der Prozess auch deshalb, weil die Bundespolizei FBI den irisch-amerikanischen Gangster jahrelang als Informanten unter Vertrag gehabt und seine Verbrechen gedeckt haben soll.

Bulger wuchs im irischen Armenviertel in Boston auf und kam erstmals als Teenager mit dem Gesetz in Konflikt. Nach einer Haftstrafe - unter anderem auf der Gefängnisinsel Alcatraz - stieg er in den 1970er Jahren zum Chef der sogenannten Winter Hill Gang auf. Geld soll die Bande mit Drogenhandel, Schutzgelderpressungen, illegalen Sportwetten und als Kredithai gemacht haben, schrieb die Zeitung „The Boston Globe“.

Jahrzehntelang hat Bulger die Metropole Boston in Atem gehalten. Inzwischen sind der Angeklagte und seine mutmaßlichen Mittäter, die heute gegen ihn aussagen, weißhaarige Männer im Rentneralter.

Vor Gericht kommt es zu bizarren Szenen: Erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten trifft der Kronzeuge John Martorano wieder auf den einstigen Freund - sie würdigen sich keines Blickes. Der auch „Henker“ genannte Martorano hatte in einem früheren Verfahren gestanden, 20 Menschen getötet zu haben.

Trotzdem ist er heute ein freier Mann. Dank der Kronzeugenregelung entging er der Todesstrafe und musste nur für 12 Jahre ins Gefängnis. „Ich habe abgedrückt. Whitey stand neben mir“, schilderte er im Zeugenstand einen seiner Morde. Der 72-Jährige beschuldigt Bulger in elf Mordfällen.

„Er war kein gewöhnlicher Boss“, beschrieb Staatsanwalt Brian Kelly den Angeklagten. „Er hat die Drecksarbeit selbst erledigt, weil er selbst ein zupackender Killer war.“ Die Anklage wirft ihm 19 Morde, die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Erpressung und Geldwäsche vor.

Sein Leben war Stoff für Bücher und ging auch in die Filmgeschichte ein. Der Mafiosi war Vorbild für Jack Nicholsons Rolle im Film „Departed - Unter Feinden“. Kurz vor seiner Festnahme konnte der Gangster 1995 untertauchen. Gewarnt haben soll ihn sein FBI-Verbindungsmann. Auch der verbüßt deshalb eine Gefängnisstrafe.

In dem Prozess steht daher auch die Rolle der Bundespolizei im Fokus. Um gegen die italienische Mafia vorzugehen, soll Bulger als Informant des FBI angeheuert worden sein. Er sollte Details über seine Konkurrenten von der Bande „La Cosa Nostra“ liefern. Als Gegenleistung soll ihm die Polizei zugesichert haben, ihn bei seinen Machenschaften nicht zu behelligen - auch nicht bei Waffenlieferungen an die irische Befreiungsarmee IRA.

16 Jahre war Bulger auf der Flucht, das FBI suchte ihn auf der Most-Wanted-Liste. Die Behörden fassten ihn schließlich 2011 mit seiner Freundin in Kalifornien. Der Prozess wird voraussichtlich vier Monate dauern.

dpa

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