Japan: Explosion am AKW Fukushima 1

Tokio - Am Atomkraftwerks Fukushima 1 hat es eine Explosion gegeben. TV-Bilder zeichnen einen dramatischen Verlauf ab. Ein Regierungssprecher bezeichnet die Lage als “vermutlich sehr ernste Situation“.

Lesen Sie auch:

Notstand in zweitem AKW - Radioaktivität ausgetreten 

Atom-GAU: Röttgen schließt Gefahr für Deutschland aus

In dem beschädigten Atomkraftwerk in Fukushima hat es eine gewaltige Explosion gegeben. Mit ungeheurer Wucht wurden dabeiam Samstag große Teile der Anlage zerstört. Trümmer wurden in die Luft geschleudert. Zum Ausmaß der Zerstörung gab es keine offiziellen Angaben. Unklar war auch, ob die Explosion mit einer möglichen Kernschmelze zusammenhing.

Ein japanischer Regierungssprecher sprach nach der Explosion von einer “vermutlich sehr ernsten Situation“. Er rief die Bevölkerung auf, ruhig zu bleiben, meldete der Fernsehsender NHK. Nach Angaben des Greenpeace-Atomexperten Christoph von Lieven herrschte an der Unglücksstelle mäßiger Wind, der Richtung Meer zieht.

Erdbeben und Tsunami: Bilder der Verwüstung aus Japan

Erdbeben und Tsunami: Bilder der Verwüstung aus Japan

Hintergrund: Das geschieht bei einer Kernschmelze

Fernsehbilder des japanischen TV-Senders NHK deuten darauf hin, dass bei derExplosion Teile der Gebäudehülle des Reaktors Fukushima 1 weggebrochen sind. Über dem Atomkraftwerk haben sich nach schweren Erschütterungen starke Rauchwolken gebildet. Das teilte ein Sprecher der Regierung  mit. Die Nuklearanlage steht den Angaben zufolge möglicherweise vor einer Kernschmelze.

Die japanische Regierung hat den Evakuierungsradius um die beschädigten Kernkraftwerke Fukushima Eins und Zwei von 10 auf 20 Kilometer ausgeweitet. Die Provinzregierung habe eine entsprechende Weisung des Premierministerbüros erhalten, meldet die Agentur Jiji. Die radioaktive Strahlung sei nach einem Anstieg wieder am Fallen, so die Agentur Kyodo.

Nach dem verheerenden Erdbeben am Freitag war in dem Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi die Kühlanlage ausgefallen. Betroffen sind zwei Reaktoren.

Die mehr als 50.000 Anwohner in einem Umkreis von zehn Kilometern wurden vorsichtshalber evakuiert. In einem der beiden Meiler sei eine Kernschmelze möglich, hatte ein Vertreter der Atomaufsichtsbehörde, Ryohei Shiomi, erklärt. Aber selbst wenn es dazu komme, gebe für Menschen außerhalb des Umkreises von zehn Kilometern keine Gefahr aus, betonte er.

Stichwort: GAU und Super-GAU

Unter dem Begriff GAU - größter anzunehmender Unfall - versteht man den schwersten Störfall in einem Atomkraftwerk, für den die Sicherheitssysteme ausgelegt sind. Die Umwelt wird dabei nicht über die Grenzwerte hinaus mit Strahlen belastet. Ein Super-GAU dagegen ist es, wenn der Störfall nicht mehr beherrschbar ist, es zu einer Kernschmelze - Schmelzen des Reaktorkerns - oder einem Bersten des Reaktordruckbehälters kommt. Auch Sabotage, Erdbeben, oder Flugzeugabstürze können einen Super-GAU verursachen.

Ein Super-GAU ereignete sich zum Beispiel im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl, wo es im April 1986 zu einer Kernschmelze kam. Der radioaktive Niederschlag ging damals auch in Deutschland nieder.

dpa/dapd

Rubriklistenbild: © ap

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Totgeprügelter Niklas (17): Angeklagter bestreitet Tatbeteiligung
Bonn - Ganz Deutschland stand unter Schock, als der 17-jährige Niklas in Bonn nach einem Schlag auf die Schläfe starb. Die Staatsanwaltschaft hält den Schläger für …
Totgeprügelter Niklas (17): Angeklagter bestreitet Tatbeteiligung
Lawinen-Drama in Italien: Acht Überlebende gerettet
Rom - Es grenzt an ein Wunder: Obwohl sie fast schon die Hoffnung aufgegeben hatten, Überlebende in dem verschütteten Hotel im italienischen Erdbebengebiet zu finden, …
Lawinen-Drama in Italien: Acht Überlebende gerettet
Auto rast in Menschenmenge: Viertes Opfer gestorben
Melbourne - Über drei Straßenblocks hinterlässt ein Amokfahrer in Melbourne eine Spur der Verwüstung. Vier Menschen hat er mit dem Auto getötet. Der Mann ist der Polizei …
Auto rast in Menschenmenge: Viertes Opfer gestorben
Essen ist "Grüne Hauptstadt Europas"
Essen ist auch ein bisschen trotzig: Erst lässt sich die einstige Montanmetropole zur "Grünen Hauptstadt Europas" wählen. Jetzt feiert sie den Start im Januar mit einem …
Essen ist "Grüne Hauptstadt Europas"

Kommentare