Das aus einem Hubschrauber von Kyodo News aufgenommene Foto zeigt die angestrahlte Rainbow Bridge (Regenbogenbrücke)
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Die angestrahlte Rainbow Bridge über dem Hafen von Tokio

Das Land der aufgehenden Sonne

Japan: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

Japan wird von einer einzigartigen, uralten Kultur geprägt und fasziniert mit landschaftlich abwechslungsreicher Geografie von den schneebedeckten Bergen des Nordens bis zu Palmenstränden im Süden.

  • Japan heißt auf Japanisch Nippon: Land der aufgehenden Sonne.
  • Seit vielen Jahren gehört das Land zu den führenden Wirtschaftsnationen.
  • Japan ist der Staat mit der höchsten Lebenserwartung weltweit.

Tokio – Ob japanische Konsumgüter wie die Spielkonsolen von Nintendo, japanische Manga-Comics oder köstliche Spezialitäten wie Sushi und Mochi: Im Westen ist das Interesse an Japan in den letzten Jahren stark gewachsen. Hinter den vielfältigen trendigen Erscheinungen der Popkultur verbirgt sich ein traditionsreiches Land mit uralter Geschichte.

Japan: Die frühe Geschichte des Landes

Die heute zu Japan gehörenden Inseln wurden über frühe Landbrücken von Sibirien und Korea aus besiedelt. Als erste Hochkultur gilt die Jōmon-Kultur, die bis etwa 300 v. Chr. existierte. Nachdem das chinesische Kaiserreich um 100 v. Chr. die koreanische Halbinsel eroberte, kam es zum regen Kulturaustausch zwischen beiden Nationen. Im Jahr 552 wurde der Buddhismus zur Staatsreligion erhoben.

Prinzregent Shōtuku Taishi stieß zahlreiche Reformen an, die nach seinem Tod von seinem Sohn 646 als Taika (Große Wende) vollendet wurden. Damit wurde das Land dem Kaiser unterstellt, der die alleinige Macht hatte. 710 wurde Heijō-kyō (heute Nara) zur alleinigen Hauptstadt erhoben, ehe der kaiserliche Hof schon 794 weiter nach Heian-kyō zog, dem heutigen Kyōto. Zahllose prächtige Tempelanlagen und Burgen erinnern in Kyōto an die lange Zeit als Kaiserstadt, die erst im 19. Jahrhundert endete.

Japan und die ersten Kontakte mit dem Westen

Im Mittelalter war Japan von den Machtkämpfen rivalisierender Shōgune geprägt, den Anführern der adeligen Kriegerkaste. Im 13. Jahrhundert scheiterten zwei mongolische Invasionsversuche an heftigen Stürmen, die die mongolische Kriegsflotte vor den japanischen Inseln versenkten. Frühe portugiesische Seereisende gelangten dagegen im 16. Jahrhundert in den weitgehend isolierten Staat und knüpften erste Handelsbeziehungen zum Westen.

Nach einem blutigen Bürgerkrieg vereinte der lokale Herrscher Tokugawa Ieyasu die rivalisierenden Fraktionen und trieb die Einigung Japans voran. Er ließ sich 1603 vom Kaiser zum Shōgun erheben und machte Edo (später Tokio) zu seinem Herrschaftssitz. Da immer mehr Japaner durch den Einfluss spanischer und portugiesischer Missionare zum Christentum konvertierten, führte er 1639 eine sakoku (wörtlich: Abgeschlossenes Land) genannte Politik ein, die alle Ausländer aus Japan verbannte. Der gesamte Handel mit dem Westen lief nur noch über einen niederländischen Handelsposten auf der vorgelagerten Insel Dejima in Nagasaki ab.

Japan: Der Weg in die Moderne

Während der Abschottung erlebte Japan eine kulturelle Blüte. In dieser Zeit entstanden klassische Theaterformen wie Nō und Kabuki, die Teezeremonie und das Zen-Prinzip. Die Macht der Shōgune bröckelte jedoch. Zugleich drängten westliche Nationen immer stärker auf den Handel. 1853 segelte der Amerikaner Matthew Perry mit einer Handelsflotte in die Bucht von Edo und handelte den Vertrag von Kanagawa aus. Damit endete nach 220 Jahren die japanische Isolierung und letztendlich auch die Geschichte der Shōgune.

Ein kurzer Bürgerkrieg läutete die Meiji-Restauration unter Kaiser Meiji ein. Die mittelalterliche Feudalgesellschaft wandelte sich in kürzester Zeit in einen modernen Staat, der auf westlichen Prinzipien basierte. 1868 verlegte der Kaiser die Hauptstadt endgültig von Kyōto nach Edo, das nun den Namen „kaiserliche Residenzstadt im Osten“ (Tōkyō) erhielt. Mit einer neuen Verfassung wurde die Macht des Kaisers eingeschränkt und ein Parlament eingeführt.

Japan im 20. Jahrhundert

Ab dem späten 19. Jahrhundert führte Japan siegreiche Kriege gegen China und Russland, die mit der Annektion Taiwans 1895 und Koreas 1910 endeten. Mit der Thronbesteigung des jungen Kaisers Hirohito 1926 verstärkte Japan seine expansionistische Politik weiter. 1931 kam es zum zweiten chinesisch-japanischen Krieg, bei dem Japan die Mandschurei in Nordchina besetzte. Von dort drangen japanische Truppen in den folgenden Jahren immer weiter nach Süden vor. Für weltweites Entsetzen sorgte das Massaker von Nanjing 1937, bei dem innerhalb von drei Wochen schätzungsweise 300.000 Chinesen ermordet wurden.

1940 eroberte die kaiserliche japanische Armee weite Teile Südostasiens und drang mit ihrer Luftwaffe bis Australien vor. Im Pazifik griffen die Japaner am 7. Dezember 1941 die US-amerikanische Militärbasis von Pearl Harbor auf Hawaii an und bewegten die USA damit zum Eintritt in den Zweiten Weltkrieg. Dieser endete für Japan erst im August 1945 nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki, bei denen rund 240.000 Japaner direkt getötet wurden und viele weitere Tausend später an den Langzeitfolgen starben.

Japan heute

Nach dem Ende der Besatzung durch die Alliierten wurde Japan ab 1952 von den USA als kapitalistisches Bollwerk gegen den Kommunismus in China und der Sowjetunion aufgebaut. Japan erlebte ähnlich wie das Deutschland der Nachkriegszeit ein Wirtschaftswunder und wuchs zur zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt heran. Der Boom hielt fast uneingeschränkt bis in die 1990er-Jahre an. Seither leidet der Staat unter wirtschaftlicher Stagnation, die Ministerpräsident Shinzō Abe seit 2012 mit einer neuen wirtschaftlichen Politik zu beenden versuchte und die nach ihm Abenomikusu („Abenomics“) genannt wurde.

Japan: Politik im Kaiserreich

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Japan 1947 eine neue Verfassung an, die eine parlamentarische Demokratie vorsieht. Der Kaiser (Tennō) hat seitdem lediglich eine zeremonielle Funktion. Am 1. Mai 2019 bestieg Kaiser Naruhito den japanischen Chrysanthementhron. Mit ihm brach die Reiwa-Epoche an. Reiwa bedeutet „Schöne Harmonie“. Da die japanische Thronfolge nur männliche Erben anerkennt und Naruhito lediglich eine Tochter hat, wurde sein Bruder Fumihito designierter Nachfolger.

Die eigentliche Politik wird in einem Zweikammerparlament betrieben, das nach britischem Vorbild in ein Unterhaus (Shūgiin) und ein Oberhaus (Sangiin) unterteilt ist. Die Regierung besteht aus dem japanischen Kabinett unter Führung des Premierministers. Im August 2020 kündigte der amtierende Ministerpräsident Shinzō Abe von der liberaldemokratischen Partei seinen vorzeitigen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen an. Zum Nachfolger für die restliche Amtszeit bis September 2021 wurde der ehemalige Innenminister Yoshihide Suga ernannt.

Japan: Bevölkerung und Sprache

Japan ist der Staat mit der höchsten Lebenserwartung der Welt. Japaner werden im Schnitt 83,3 Jahre alt. Allerdings führen die hohe Lebenserwartung, eine extrem niedrige Geburtenrate und eine sehr restriktive Einwanderungspolitik dazu, dass Japan zugleich die älteste Bevölkerung der Welt hat.

Rund 98,1 Prozent der Bevölkerung sind ethnische Japaner. Daneben existieren nur einige wenige Minderheiten:

  • die Ryūkū-Völker auf der Ryūkū-Inselkette im Süden
  • die Ureinwohner auf der nördlichen Insel Hokkaidō (Ainu)
  • in Japan lebende Koreaner und Chinesen
  • die Dekasegi genannten japanischstämmigen Südamerikaner, die in die Heimat ihrer Vorfahren zurückgekehrt sind

Als Minderheit gelten auch die Burakumin, ethnische Japaner, deren Vorfahren einen „unreinen“ Beruf ausübten und darum in Sondergemeinden (Buraku) leben mussten. Heute leben noch etwa drei Millionen Nachfahren im Staat, die noch immer gegen Diskriminierung und Ausgrenzung ankämpfen.

Einzige offizielle Sprache des Landes ist Japanisch. Für diese gibt es gleich vier Schreibweisen:

  • Kanji (formale chinesische Schriftzeichen)
  • Katakana (Silbenschrift)
  • Hiragana (Silbenschrift)
  • Rōmaji (das lateinische Alphabet)

Japanische Schüler lernen alle vier Schriftarten. Alleine Kanji erfordert das Auswendiglernen von 2.136 verschiedenen Schriftzeichen.

Japan: Geografie und Städte

Japan besteht aus 6.852 Inseln, die sich über 8.000 Kilometer im Pazifik erstrecken. Die nördlichste Insel Hokkaidō ist von langen, schneereichen Wintern geprägt, auf den südlichen Ryūkū-Inseln herrscht ein subtropisches Klima. Die größte Insel Okinawa ist ein beliebtes Ziel für japanische Badeurlauber.

Japan liegt im pazifischen Feuerring und zählt etwa 40 aktive Vulkane. Fast täglich ereignen sich kleine Erdbeben, die kaum wahrgenommen werden. Das letzte große Erdbeben 2011 löste einen verheerenden Tsunami aus, bei dem das Kernkraftwerk Fukushima stark beschädigt wurde. Das Landesinnere ist von unbesiedelten Gebirgen geprägt. Höchster Berg ist der 3.776 Meter hohe Fujisan auf der Insel Honshū.

Die größten Städte von Japan im Überblick:

RangStadtEinwohner
1Tokio9.272.740
2Yokohama3.724.844
3Osaka3.691.185
4Nagoya2.295.638
5Sapporo1.952.356

Die Metropolregion Tokio ist mit 36,9 Millionen Einwohner die größte Metropolregion der Welt. Etwa 29 Prozent der japanischen Bevölkerung leben auf einer Fläche von 14.034 Quadratkilometern. Die Region Kansai umfasst die Städte Kyōto, Osaka und Kōbe und zählt 24,1 Millionen Einwohner (Volkszählung 2010).

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