Jeder sechste Jugendliche geht Koma-Trinken

Berlin - Jugendliche greifen seltener zum Alkohol als früher - Experten machen ein Rekordtief seit den 1970er Jahren aus. Aber die Bundesdrogenbeauftragte Dyckmans gibt keine Entwarnung: Das Koma-Saufen geht weiter.

Die Jugend in Deutschland säuft sich teilweise ins Koma, trinkt aber insgesamt so wenig Alkohol wie nie. Der Anteil der Jugendlichen, die sich vier Mal im Monat oder öfter in den Rausch trinken, ging zwar im vergangenen Jahr nur wenig zurück. Der regelmäßige wöchentliche Alkoholkonsum sank aber auf den niedrigsten Stand seit den 1970er Jahren. Das ergab eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde.

Der Freundeskreis spielt beim Griff zum Glas eine zentrale Rolle. Die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) zeigte sich trotz des Rückgangs beim wöchentlichen Alkoholkonsum besorgt. “Das Binge-Trinken (Rausch-Trinken) bleibt problematisch“, sagte Dyckmans. Sie sieht vor allem bei den Jüngeren Probleme. “Die unter 16-Jährigen trinken noch zu oft zu viel. Hier müssen wir unsere Kontrollen wirklich verstärken.“ Sie will künftig vor allem Risikogruppen wie 12- bis 15-jährige Mädchen und junge Männer stärker in den Blick nehmen für Aufklärung.

Der Anteil der 12- bis 17-Jährigen, die mindestens einmal pro Woche Alkohol trinken, halbierte sich innerhalb von rund 30 Jahren und sank von 25,4 Prozent 1979 auf 12,9 Prozent 2010. Bei den 18- bis 25-Jährigen halbierte sich der Wert ebenfalls und sank innerhalb von knapp 40 Jahren von 67,1 Prozent 1973 auf 34,5 Prozent. Das Kampftrinken und das noch gefährlichere Komasaufen nimmt dabei aber nicht durchgängig ab. Rund ein Sechstel der minderjährigen Jugendlichen räumte Kampftrinken im vergangenen Monat ein - 2004 war es zwar noch fast ein Viertel (22,6 Prozent).

Der Anteil derer, die mindestens vier Mal im Monat fünf Gläser oder mehr trinken, stagniert jedoch bei den 12- bis 17-jährigen Jungen bei einem Anteil von knapp 8 Prozent. Der erste Alkohol wird in der befragten Gruppe der 12- bis 25-Jährigen immer später getrunken: Waren es 2004 noch durchschnittlich 14,1 Jahre, steigerte sich das Alter 2010 auf 14,5 Jahre. Der erste Rausch kam 2004 noch mit 15,5 Jahren, nun erst mit 15,9 Jahren. Der Freundeskreis hat nach Angaben der BzgA-Direktorin Elisabeth Pott eine wichtige Bedeutung: Eine übergroße Mehrheit der 7000 Befragten gibt an, dass auch die meisten ihrer Freunde häufig Kampftrinken veranstalten. Die meisten trinken viel, um ausgelassen und locker zu sein.

Eine Studie in Baden-Württemberg zeigt nach Angaben der Drogenbeauftragten, dass Jugendliche vor allem rund um Fastnacht und vor und nach den Sommer- und Herbstferien mehr als sonst trinken. Insgesamt gelten in Deutschland etwa 10 Millionen Menschen als riskante Trinker, rund 1,8 Millionen als alkoholabhängig.

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dpa

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