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Jeder zehnte Schüler schwänzt regelmäßig den Unterricht.

Jeder zehnte Schüler schwänzt regelmäßig die Schule

Berlin - Trotz Schulpflicht bleibt das häufige unentschuldigte Fehlen im Unterricht ein Problem. Nach Schätzungen des Deutschen Lehrerverbandes (DL) schwänzen bundesweit 200.000 Schüler täglich die Schule.

Trotz rückläufiger Schülerzahlen ist diese Zahl seit Jahren nicht gesunken, wie DL-Präsident Josef Krauss der Nachrichtenagentur dapd in Berlin sagte. Forscher gehen sogar davon aus, dass etwa zehn Prozent der rund zwölf Millionen Schüler regelmäßig in der Schule fehlen. Doch die für Bildung zuständigen Landesbehörden handeln nicht einheitlich: Von obligatorischen Beratungsgesprächen über die Verhängung von Bußgeldern für Eltern und Schüler bis hin zum Verweis von allen öffentlichen Schulen des Landes erwarten sogenannte harte Schulverweigerer, wie eine dapd-Umfrage nach beginndes neuen Schuljahres in der Mehrzahl der Bundesländer am Freitag ergab. Wie unterschiedlich mit Schulverweigerern umgegangen wird, zeigt ein Blick in die Strafenkataloge der Länder. So sieht das Schulgesetz in Nordrhein-Westfalen vor, dass nach Ermahnung und Gespräch mit dem Schüler zunächst ein schriftlicher Verweis folgen soll. Hilft auch das nicht, können Pädagogen den Schüler aus der Klasse oder gar der Schule entfernen. Als ultima Ratio gilt der Verweis von allen öffentlichen Schulen des Landes.

Auch Sachsen und Thüringen machen es hartnäckigen Schulschwänzern nicht leicht. Laut dem Erfurter Ordnungsamt drohen Ihnen Geldstrafen Der Satz reiche von fünf Euro beim ersten Verstoß bis 1.500 Euro bei konstant ordnungswidrigem Verhalten. Wer nicht zahlen könne oder wolle, müsse die Strafe im Jugendgefängnis absitzen, sagte eine Sprecherin der Stadt. Wer in Sachsen die Schule schwänzt, muss ab dem fünften Fehltag im Schulhalbjahr ebenfalls mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen. Darüber hinaus kann gegen den Schüler eine Arreststrafe verhängt werden. Derzeit müssten in Sachsen vier Schüler wegen Schulschwänzens eine Strafe in Gefängnissen verbüßen, sagte ein Sprecher des Justizministeriums.

Anders ergeht es Schulschwänzern in Niedersachsen und Bremen. Beide Länder unterhalten nach eigenen Angaben Programme, die Schulverweigerer zur regelmäßigen Teilnahme am Unterricht motivieren sollen. Wenn beispielsweise in Bremen ein Schüler durch Schwänzen auffällt, meldet der Schulleiter dies einem der vier Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentren (ReBUZ), wo Gespräche mit dem Schüler und den Eltern geführt werden.

Das Zentrum kann auch weitere Maßnahmen ergreifen wie etwa den Unterricht in kleineren Gruppen oder eine betreute Beschäftigung in Werkstätten oder einer Tierfarm. Das Programm scheint zu wirken. Demnach ging die Zahl der Verweigerer in Bremen seit Einführung des Programms deutlich zurück und bewegt sich nun konstant bei etwa 500 Schülern im Jahr.

Kritik an Pauschalstrafen kommt unter anderem vom Deutschen Lehrerverband und der Bildungsgewekschaft GEW. Man müsse zunächst den Grund der Abwesenheit feststellen, bevor man über die Art und Höhe der Strafe entscheide, sagt Josef Kraus. So hätte das Schulschwänzen in Deutschland bei rund 50 Prozent aller Fälle psychologisch-bedingte Gründe wie Mobbing, Angst vor Mitschülern oder vor Prüfungen. Deshalb seien in solchen Fällen Maßnahmen wie Bußgelder wirkungslos.

Die GEW setzt in diesem Zusammenhang auf Prävention statt Bestrafung. “Je früher auf erste Signale reagiert wird, desto größer sind die Chancen, dass sich das Problem nicht verfestigt“, sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer.

dapd

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