"Jesus" ist in Deutschland unbeliebt

Düsseldorf - “Jesus, räum endlich Dein Zimmer auf!“ In deutschen Familien wird man diese Aufforderung so nur äußerst selten hören. Nur wenige Eltern geben ihren Kindern den Namen des Gottessohns.

Gerade einmal 390 Menschen namens Jesus lebten 1998 in Deutschland, wie eine Arbeit an der Universität Leipzig ergab. Nach Angaben der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) ist der Name hierzulande in den letzten zwölf Jahren nur viermal vergeben worden. In Spanien und Portugal ist Jesus ein Allerweltsname. Warum also die Scheu der Deutschen?

Hürden gab es einst schon in den Standesämtern. Jahrelang durften sie die Eintragung des Namens Jesus ablehnen. Das war 1985 vom Landgericht Mönchengladbach so entschieden worden - weil der Name religiöse Gefühle verletzen könne. Erst 1998 verwies das Oberlandesgericht Frankfurt am Main auf das Namensgebungsrecht, das Eltern grundsätzlich die freie Wahl überlässt. Zudem sei Jesus “ein weltweit gebräuchlicher Vorname, bei dem keine Hänseleien für den Namensträger zu befürchten sind“. Seitdem gilt also: Wer sein Kind Jesus nennen will, kann das in Deutschland ohne juristische Einwände tun.

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Jesus kommt aus dem Hebräischen und heißt so viel wie Retter oder Helfernatur. Aber natürlich habe nicht jeder “Jesus“ auch diese Eigenschaften, sagt Udolph. “Ich glaube nicht an die psychologische Auswirkung von Namen auf Kinder, dazu gibt es zu viele Gegenbeispiele.“

“Viele der aktuell modernen Vornamen sind religiösen Ursprungs“, schreibt der Psychologe Udo Rudolph von der TU Chemnitz in einer Veröffentlichung von 2007. Das hat Joschua - eine Variante von Jesus - mit David, Lukas, Julia oder Sarah gemeinsam. Zum Vergleich: In Deutschland haben allein im Jahr 2009 rund 300 Eltern ihren Nachwuchs Joschua (in unterschiedlicher Schreibweise) genannt.

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Dass sich der Name Jesus eines Tages in diese Liste einreiht, ist dennoch unwahrscheinlich. Bei Joschua oder Julia denkt man vielleicht nicht gleich an die Bibel. Eine solche Verbindung zum Christentum wäre bei vielen Eltern auch nicht gewünscht, wie der Leipziger Namensforscher Jürgen Udolph erläutert. “Die Menschen im Süden Europas haben dagegen ein unverkrampfteres Verhältnis zum Christentum“, sagt der Professor, bei dem die Magisterarbeit zur Verbreitung von Namen entstanden ist. Die wenigen Menschen namens Jesus in Deutschland seien Zuwanderer oder deren Kinder. “Dafür spricht auch die Ballung des Namens in Gebieten mit hoher Zuwanderung, etwa im Ruhrgebiet“, erklärt Udolph.

Wenn deutsche Eltern in Einzelfällen ihr Kind dann doch Jesus nennen, hat das nach Überzeugung des Wissenschaftlers einen ganz anderen Grund: “Deutsche Eltern suchen die Vornamen ihrer Kinder eher nach Klang und weniger nach Bedeutung aus.“

dpa

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