Eine Impfärztin des Düsseldorfer Impfzentrums zieht eine Spritze mit dem Covid-19-Impfstoff von Johnson & Johnson auf.
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Jeder kann ihn nun bekommen: Impfstoff von Johnson & Johnson.

Für alle freigegeben

Verlockender Impfstoff von Johnson & Johnson: Mit einer Dosis zu vollem Schutz - was Sie jetzt wissen müssen

  • Klaus Rimpel
    VonKlaus Rimpel
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Der Impfstoff von Johnson & Johnson verspricht derzeit den schnellsten Weg zum vollen Impfschutz. Jetzt wurde er für alle Altersgruppen freigegeben. Aber noch ist er für die Masse kaum verfügbar.

München – Pfingsturlaub im Ausland? Möglich ist das, doch verbunden ist so eine Reise mit Unwägbarkeiten. Wird das Reiseland während des Urlaubs zum Corona-Risikogebiet, droht nach Rückkehr eine zehntägige Quarantäne. Für vollständig Geimpfte gilt das – mit Ausnahme von Virusvariantengebieten –zwar nicht. Diesen Status können aber kaum zehn Prozent der Bevölkerung für sich beanspruchen.

Nun haben Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und seine Kollegen aus den Ländern beschlossen, bei ausführlicher ärztlicher Beratung die Altersbeschränkung für den bisher nur für Ältere freigegebenen Impfstoff von Johnson & Johnson aufzuheben. Das Besondere: Der Impfstoff, den der US-Konzern zusammen mit der niederländischen Firma Janssen herstellt, entfaltet seine Wirkung zwei Wochen nach einer Injektion, eine zweite Dosis ist nicht vorgesehen. Wer heute die Injektion bekäme, gälte vor Ende der Pfingstferien als voll geimpft.

Johnson & Johnson: Seltene Blutgerinnsel wie bei Astrazeneca

Sich um eine Dosis Johnson & Johnson zu bemühen scheint da verlockend, zumal der Bund erst bis Anfang September allen Menschen ein Angebot zur Erstimpfung versprochen hat. Dann vergehen je nach Impfstoff bis zu zwölf Wochen bis zur Zweitimpfung und nochmal zwei Wochen, bis der volle Impfschutz gilt. Das wäre im Extremfall im Advent. Doch kommt man derzeit überhaupt an eine Impfung mit Johnson & Johnson? Und wie steht es um Wirksamkeit und Sicherheit des Vakzins?

Ähnlich wie bei Astrazeneca gab es bei Johnson & Johnson Fälle seltener Blutgerinnsel wie Hirnvenen-Thrombosen. In den USA wurde der Einsatz ausgesetzt, in der EU der Marktstart verschoben. Inzwischen sind sich die Behörden aber einig, dass solche Thrombosen äußerst selten sind. In den USA wurde bei 6,8 Millionen Impfungen von acht Fällen berichtet.

Johnson & Johnson: RKI empfiehlt den Impfstoff für Menschen ab 60

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt den Impfstoff nur für Menschen ab 60 Jahren, da Thrombosefälle nur bei Jüngeren auftraten. Doch das Vakzin ist laut Spahn in relevanter Menge erst verfügbar, wenn in der Altersgruppe über 60 schon über 80 Prozent der Impfwilligen ihre erste Dosis haben.

Deutschland hat eine halbe Million Dosen von Johnson & Johnson erhalten. Erst Ende Juni folgen zehn Millionen weitere. Die Strategie für Verteilung und Verimpfung müssten Länder und Kommunen besprechen, sagte Spahn am Montag. Einige Bundesländer setzen auf einen Einsatz für Obdachlose und in sozialen Brennpunkten, also in Bereichen, in denen Zweit-impfungen schwer planbar sind. Ob das angesichts der Stiko-Empfehlung ohne Weiteres möglich ist, scheint derzeit unklar. Die Freigabe für alle Altersklassen durch die Gesundheitsminister bezieht sich auf Arztpraxen und Betriebsärzte.

Johnson & Johnson: Wirksamkeit von 64 Prozent vor Infektion

Für Praxen ist das Vakzin aber bisher nicht bestellbar, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns auf Anfrage mit. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sagte, man müsse nun besprechen, wie man es einsetze, und verwies dabei auch auf die Wirksamkeit. Es schütze zu 64 Prozent vor Infektion und mit 74-prozentiger Wahrscheinlichkeit vor schwerem Verlauf. Bei Astrazeneca liegen die Werte laut RKI bei 80 und 95 Prozent, bei den Impfstoffen von Biontech und Moderna liegt die Wirksamkeit bei 95 Prozent.

Das Thrombose-Risiko des Johnson & Johnson-Impfstoffes beurteilt Dr. Christoph Spinner, Pandemiebeauftragter des Klinikums rechts der Isar in München, als „ausgesprochen gering, insbesondere bei Männern“. Es sei zehnmal niedriger als bei Astrazeneca. Spinner, der die deutsche Zulassungsstudie zu Johnson & Johnson leitete, sieht aber auch für junge Frauen kein besonderes Risiko, auch nicht in Zusammenhang mit der Anti-Baby-Pille. „Die Mechanismen der Thrombosen nach Vektorimpfstoffen unterschieden sich vollständig von gängigen Thrombosen, sodass das übrige Thromboserisiko weder additiv noch in sonstiger Art und Weise in diesem Kontext zu beachten ist“, so Spinner. - Stefan Reich und Klaus Rimpel - *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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