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Jordanien: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Gräber der Königswand in der Felsenstadt Petra in Jordanien
Gräber der Königswand in der Felsenstadt Petra in Jordanien © Peter Schickert / IMAGO

Jordanien ist ein künstliches Gebilde, ein Ergebnis der Nahostpolitik insbesondere der Briten. Das kleine Königreich am Jordan ist Überbleibsel des Versprechens eines arabischen Staats in den früheren Provinzen der Osmanen.

Amman – Jordanien ist Europäern heute vor allem als Reiseziel bekannt. Der kleine Staat kann mit Kultur- und Naturwundern aufwarten und ist dank moderner Strukturen und vergleichsweise stabiler Politik eine attraktive Destination. Geschichtlich ist Jordanien eine Neuschöpfung, außerdem fehlen der arabischen Monarchie natürliche Ressourcen, allen voran Wasser.

Jordanien: Geschichte des kleinen Staats am Jordan

Was heute offiziell als Haschemitisches Königreich Jordanien bezeichnet wird, war bis zur Auflösung des Osmanischen Großreichs ein Bestandteil der Region el Shām. Dazu gehörten das heutige Syrien und der Libanon, das Staatsgebiet von Israel und eben Jordanien. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs bemühte sich Großbritannien, sein den Arabern gegebenes Versprechen der Autonomie zumindest teilweise einzulösen. Jordanien war zunächst nicht unabhängig, sondern Teil des neu entstandenen Königreichs Syrien. 1920 wurde das heutige Staatsgebiet von Syrien abgetrennt und den Briten als Mandat zurückgegeben, die Zone östlich des Jordan erhielt 1923 den Namen Transjordanien und blieb in den folgenden 23 Jahren Mandatsgebiet.

Seine volle Unabhängigkeit erlangte Jordanien am 25. Mai 1946 unter der Herrschaft von König Abdullah I., dessen Sohn Hussein I. bis zu seinem Tod 1999 das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der arabischen Welt war. Ihm folgte sein Sohn Abdullah II., der in der Tradition von Großvater und Vater als kompetenter politischer Vermittler gilt. Die Geopolitik des Landes macht Diplomatie besonders wichtig.

Jordanien: Geografie und Wirtschaft

Zu den Herausforderungen Jordaniens gehört zweifellos ein relativ begrenzter Raum, der überdies zum großen Teil Wüste ist. Der östliche Teil des Landes wird von den Ausläufern der arabischen Wüste und der syrischen Wüste gebildet, zum Staatsgebiet gehört das weltberühmte Wadi Rum mit seinen typischen rötlichen Felsformationen. Wald gibt es praktisch gar nicht, und nicht einmal fünf Prozent der Landesfläche können für den Ackerbau genutzt werden, weitere acht Prozent sind mehr oder weniger karges Weideland.

Der wichtigste Fluss des Landes ist der rund 320 Kilometer lange Jordan, den sich Jordanien mit Israel teilt, sowie dessen Zufluss, der Jarmuk. Beide Flüsse überraschen Reisende vor allem mit ihren eher bescheidenen Flussläufen, Wasserwirtschaft ist für die Jordanier daher eine besondere Herausforderung. Das Tote Meer, in das der Jordan mündet, ist wegen seines Salzgehalts ein Abbaugebiet für Mineralien, das Wasser wird für therapeutische Zwecke genutzt. Im Süden grenzt das Land bei Aqaba an den gleichnamigen Golf, der schmale Küstenzugang ist für Touristen und Jordanier eine Gelegenheit, Badeurlaub zu machen.

Anders als die Rentenökonomien auf der Arabischen Halbinsel verfügt Jordanien nicht über nennenswerte Vorkommen von Erdöl oder Erdgas und auch sonst kaum natürliche Rohstoffe. Es gibt Vorkommen von Phosphaten und Kali, die in zwei Fabriken für die Herstellung von Düngemitteln genutzt werden. Erfolgreich ist außerdem die Pharmaindustrie in Jordanien.

Jordanien: Touristisches Potenzial lockt Reisende an

Durch die Corona-Pandemie leidet Jordanien unter dem Ausbleiben der Touristen. Besucher schätzen im Königreich die gut ausgebaute Infrastruktur – Hotels aller Preisklassen, Öko-Lodges, Logistik-Anbieter und Reiseführer erschließen Reisenden die vielseitigen Schönheiten des Landes. Dazu gehören die folgenden Highlights:

Jordanien: Herausforderung Demografie

Der kleine Staat ist im Vergleich zu Nachbarn wie Ägypten mit rund 10,3 Millionen Einwohnern nicht wirklich überbevölkert. Die Jordanier sind zu etwa 99 Prozent Araber, allerdings ist die Hälfte von ihnen palästinensischer Abstammung. Jordanien nimmt seit der Gründung des Nachbarstaats Israel immer wieder Palästinenser auf und räumt ihnen entweder eine Aufenthaltserlaubnis oder sogar die Einbürgerung ein. Geringe Anteile an der Gesamtbevölkerung machen ethnische Armenier, Türken, Kurden und Tscherkessen aus. Sunnitische Muslime sind nach Schätzungen an die 94 Prozent der Bevölkerung, rund 5 Prozent sind Christen.

Die Hauptstadt Amman ist die bedeutendste Großstadt des Landes, hier leben etwa 4 Millionen Jordanier. Landflucht und Arbeitslosigkeit sind Auswirkungen der demografischen Entwicklung, denn über zwei Drittel der Jordanier sind jünger als 30 Jahre. Das Bildungssystem ist trotz hoher Alphabetisierung überfordert, und der Arbeitsmarkt kann nicht alle der jährlich neu hinzukommenden Jugendlichen auffangen. Allerdings ist es Jordanien seit 2019 gelungen, das Bevölkerungswachstum zu senken – von über fünf Prozent 2013 auf nur ein Prozent im Jahr 2020. So hofft man, langfristig die versteckte Arbeitslosigkeit vor allem im großen informalen Sektor zu reduzieren und die Armut, unter der ein Sechstel der Jordanier nach Informationen der Weltbank leidet, in den Griff zu bekommen.

Jordanien: Politik zwischen mächtigen Nachbarn

Aufgrund seiner Lage ist Jordanien eingezwängt zwischen Syrien im Norden, dem Irak im Osten, Israel im Westen und Saudi-Arabien im Süden. Der fortdauernde palästinensisch-israelische Konflikt drückt dem Staat Jordanien seit seiner Gründung immer wieder seinen Stempel auf und erfordert einen Balanceakt im Auskommen mit Israel ebenso wie mit den bedeutenden palästinensischen Organisationen Fatah und Hamas.

Anlaufstelle für Flüchtlinge

Flüchtlinge nimmt Jordanien nicht nur seit Jahrzehnten aus den palästinensischen Gebieten auf – seit dem gescheiterten Arabischen Frühling und dem fortdauernden Bürgerkrieg in Syrien finden zahlreiche Syrer im Nachbarland Zuflucht, ebenso Iraker, die den instabilen Bedingungen seit dem Sturz Saddam Husseins entkommen wollen. Möglich ist die Politik des Ausgleichs nur durch großzügige Finanzhilfen, auf die Jordanien während seines gesamten Bestehens angewiesen war, denn über Ressourcen oder hinreichende Steuereinnahmen verfügt das Haschemitische Königreich nicht.

Finanzhilfen halten das Land am Leben

Finanzspritzen erhielt das Land anfangs von den ölreichen Staaten am Arabischen Golf, die hiermit eine Front gegen Israel und zugunsten der Palästinenser förderten. König Hussein gelang es, sich Jordanien mit einem Friedensvertrag mit dem Nachbarn Israel ab 1994 für US-amerikanische Hilfsgelder zu qualifizieren.

Durchsetzungsfähige Monarchie in der Nachfolge des Propheten

Der über Jahrzehnte ohne Parlament regierende Monarch berief das Parlament ab dem Ende der 80er-Jahre wieder ein, die Monarchie hat allerdings bis heute die Möglichkeit, die Volksvertretung aufzulösen. Legitimierend wirkt die Herkunft der königlichen Familie, die ihren Stammbaum bis auf den Propheten zurückverfolgt. Dieses religiöse Element sorgt für hohe Akzeptanz und lässt den König im Wesentlichen als überparteilichen Schlichter in innenpolitischen Fragen auftreten.

Ministerien und ein Premierminister nehmen formale Amtsgeschäfte wahr, sind jedoch nicht mit weitergehenden Befugnissen ausgestattet. Eine innenpolitische Kontinuität gibt es insofern nicht, als die häufigen Regierungswechsel vom König primär dazu genutzt werden, etablierte und potenziell oppositionelle Machtstrukturen im Keim zu ersticken.

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