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Hrant Dink wurde im Januar 2007 von Ogün Samast auf offener Straße erschossen.

Journalisten-Mörder lange hinter Gittern

Istanbul - Ein Gericht in Istanbul hat am Montag den Mörder des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.

Viereinhalb Jahre nach dem Mord an dem türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink ist der Täter zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. Ein Jugendgericht in Istanbul verurteilte den Angeklagten Ogün Samast am Montag zu 22 Jahren und zehn Monaten Gefängnis. Der damals erst 17-Jährige wurde nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu auch des unerlaubten Waffenbesitzes für schuldig befunden.

Dink, Herausgeber der türkisch-armenischen Wochenzeitung “Agos“, war ins Visier türkischer Ultranationalisten geraten, weil er die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als “Völkermord“ bezeichnet hatte. Das ist in der Türkei ein Tabubruch.

Samast hatte Dink war im Januar 2007 in Istanbul auf offener Straße erschossen. Kurz darauf gestand er die Tat. Der Anschlag löste international Bestürzung aus. Vor seiner Ermordung hatte Dink wiederholt Drohungen erhalten.

Im Zusammenhang mit dem Mord hatte ein Gericht im Juni bereits mehrere Beamte der Gendarmerie wegen Vernachlässigung der Amtspflichten zu Haftstrafen verurteilt, weil sie die Tat trotz konkreter Hinweise nicht verhindert hatten.

Politiker und Freunde Dinks haben in den vergangenen Jahren immer wieder eine vollständige Aufklärung des Verbrechens gefordert, bei der auch nach Drahtziehern gesucht werden müsse. Der türkische Staat verschleiere die Hintergründe der Tat und schütze die Hintermänner, so der Vorwurf.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte vergangenes Jahr entschieden, die Regierung in Ankara habe in ihrer Verpflichtung versagt, Dinks Leben zu schützen. Die staatlichen Behörden seien über die Mordpläne türkischer Nationalisten informiert gewesen.

dpa

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