Franziskus von Boeselager

Ein Priester lässt sich ein Jahr lang begleiten

„Ich will Valerie nicht bekehren“

München - Ein gewagtes Experiment, auf das sich die Kirche trotzdem eingelassen hat: Die Journalistin Valerie Schönian hat mit dem christlichen Glauben nicht viel am Hut, doch jetzt verbringt sie ein Jahr mit Priester Franziskus. Wie findet er das Experiment? 

Wie fühlt sich die ständige Begleitung an?

Ich habe mich daran gewöhnt. In pastoralen Situationen ist es manchmal schwierig, aber Valerie zieht sich zurück, wenn sie merkt, dass es unpassend wird. Im Alltag ist die Begleitung auch schön. Wir haben einen sehr freundschaftlichen Umgang.

Ist Valerie für Sie eine Freundin geworden?

Wir schätzen uns. Und ich wünsche mir, dass wir nach dem Projekt nicht einfach auseinandergehen und uns nie wiedersehen. Uns verbindet schon etwas Intensives. Aber Freundschaft basiert auf gemeinsamen Grundübereinstimmungen, und die sind nicht unbedingt da.

Hatten Sie schon Streit?

Es gab heftige Diskussionen. Valerie hat sich über meine Aussagen geärgert, zum Beispiel zum Thema Homosexualität oder Frauenpriestertum. Sie empfand als Diskriminierung, was ich gar nicht diskriminierend meinte.

Stimmt Valerie Sie manchmal auch um?

Ich lasse mich überzeugen, wenn ich wo falschliege. Aber bisher war das noch nicht der Fall.

Waren Sie mal genervt von ihr?

Nicht von ihr persönlich. Sondern mehr von Vorurteilen in der Welt über die Kirche. Es gibt Themen, die müssten differenzierter betrachtet werden, zum Beispiel Abtreibung oder Historisches wie die Kreuzzüge oder Hexenverbrennungen.

Möchten Sie Valerie dazu bringen zu glauben?

Ich will sie nicht bekehren. Mir geht es um die Freude am Glauben und ich wünsche mir, dass Valerie noch besser versteht, warum ich mich hingebe für die Menschen und für Gott.

Sie lesen den Blog erst am Ende des Projektes. Haben Sie davor Angst?

Nein. Ich bin gespannt, wie viel von dem, was ich vermitteln wollte, angekommen ist. Ich habe die Vermutung, dass das nicht so viel ist. Ich rede oft ziemlich „kirchisch“ (lacht).

Und was erhoffen Sie sich von dem Projekt?

Die Leute haben oft ein schräges Bild von einem Priester. Ein Ziel ist es, dieses Bild geradezurücken. Außerdem möchte ich noch besser lernen, das, was mich erfüllt, weiterzugeben. Und ich möchte verstehen, wie Menschen ticken, die gar keinen Zugang zum Glauben haben.

Interview: Aglaja Adam


Hier lesen Sie, wie Valerie das Experiment findet

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