Ehe für alle? Merkel rückt vom Nein der CDU ab

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ARCHIV - Ein Junge wird in der Nationalmoschee in Kuala Lumpur, Malaysia, beschnitten (Archivfoto vom 22.11.2009)

Kein Kompromiss nach Verbots-Urteil

"Beschneidung nicht verhandelbar"

Berlin - Nach dem Kölner Beschneidungs-Urteil lehnen Juden und Muslime in Deutschland jeden Kompromiss ab. Auch seitens der Politik werden kritische Stimmen laut.

"Die Beschneidung ist für den jüdischen Glauben absolut elementar und nicht verhandelbar", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, dem Nachrichtenmagazin "Focus". Er fügte hinzu: "Würde sich die Rechtsprechung des Kölner Landgerichts durchsetzen, dann wäre Deutschland das einzige Land der Welt, in dem Beschneidung verboten wäre."

Die Kölner Richter werteten die rituelle Beschneidung von Jungs als Körperverletzung. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sagte dem Münchner Magazin, seine Organisation prüfe gerade, "einen Präzedenzfall zu schaffen". So solle die Frage der rituellen Beschneidung über den Instanzenweg vor das Bundesverfassungsgericht gebracht werden.

Unterstützung erhalten beide von dem SPD-Politiker Reinhold Robbe, dem Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. "Wenn dieses Urteil Bestand hat, dann haben wir wirklich ein Problem", sagte Robbe. "Dies würde einen massiven Eingriff in die Religionsfreiheit bedeuten."

Jahrtausendalter Ritus

Auch der Moralphilosoph Robert Spaemann plädierte dafür, die Grundrechte sorgsam abzuwägen. Wer einen "jahrtausendealten Ritus" abschaffen wolle, "der hat die Begründungspflicht", sagte er. Im Gegensatz zur Genitalverstümmlung bei Mädchen sei die rituelle Beschneidung von Jungen als Körperverletzung nicht gravierend. Die Abwägung der Grundrechte könne deshalb "nur zugunsten der bisherigen Beschneidungspraxis ausgehen".

Dagegen unterstützt der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann, das Kölner Urteil. "Das ist ein klares Signal zum Schutz des Kindes", sagte Ehrmann dem Magazin. "Nur weil etwas religiöse Tradition ist, heißt es noch lange nicht, dass es gut ist."

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen (56 Prozent) sagte in einer Emnid-Umfrage für "Focus", das Urteil sei richtig. 35 Prozent halten es für nicht richtig, 10 Prozent bildeten sich dazu bislang keine Meinung. Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid befragte am 27. und 28. Juni 1.000 repräsentativ ausgewählte Personen.

FDP für Legalisierung der Beschneidung

FDP-Integrationsexperte Serkan Tören strebt eine gesetzliche Neuregelung an. "Ich setze mich in der FDP-Bundestagsfraktion für ein Gesetz ein, das klarstellt, dass die weltweit etablierte Praxis der Beschneidung auch in Deutschland legal ist", sagte Tören der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Ungewissheit, vor der nun Tausende muslimische und jüdische Familien stünden, sei nicht hinzunehmen.

"Sollte die Beschneidung aus religiösen Gründen in Deutschland verboten sein, kann sich das Land jede weitere Integrationspolitik sparen", kritisierte Tören, der selbst Muslim ist. "Ein Verbot der Beschneidung wäre das deutlichste Signal an die Muslime in unserem Land, dass sie kein Teil Deutschlands, ja nicht einmal willkommen sind."

dapd

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