Vernachlässigt, misshandelt, missbraucht

Jugendämter finden 17.000 akut gefährdete Kinder

Wiesbaden - In Deutschland werden Kinder tausendfach misshandelt, vernachlässigt, missbraucht. Die Sensibilität dafür wächst. Bei den Jugendämtern gehen mehr Hinweise ein.

Für 17.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland haben die Jugendämter im vergangenen Jahr nach Hinweisen von außen eine akute Gefährdung festgestellt. Die Fachleute fanden in den Familien Anzeichen für Misshandlung, Vernachlässigung oder Missbrauch. Bei weiteren 21.000 Minderjährige erkannten die Jugendämter eine latente Gefährdung. Im Vergleich zum Vorjahr hätten sich diese Zahlen nicht verändert, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mit.

Mehr Hinweise an die Behörden

Um 8,5 Prozent gestiegen sei die Zahl der Überprüfungsverfahren zur Einschätzung des Kindeswohls, teilte das Bundesamt mit. Rund 116.000 solcher Verfahren gab es 2013 - am häufigsten von Polizei, Gerichten oder Staatsanwaltschaften angestoßen, die jeden fünften Fall (19 Prozent) meldeten.

Bekannte und Nachbarn machten die Jugendämter in 14 Prozent der Fälle aufmerksam, auf Hinweise von Schulen und Kitas gingen 12 Prozent der Überprüfungen zurück, gut jeder zehnte Verdachtsfall (11 Prozent) wurde den Jugendämtern anonym gemeldet.

Die Mehrheit (67 Prozent) der von den Jugendämtern überprüften Kinder war jünger als 10 Jahre - jedes vierte Kind (25 Prozent) hatte das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet.

Etwa 6560 Kinder seien als Folge der Überprüfungen aus ihren Familien heraus und vom Jugendamt in Obhut genommen worden, sagte eine Expertin des Bundesamts. Für die meisten übrigen wurden andere Hilfen wie Beratungen oder Erziehungshilfen abgerufen.

Hinweise auf körperliche Gewalt in fast jedem vierten Fall

Zwei von drei Kindern, bei denen eine akute oder latente Gefährdung festgestellt wurde, wiesen der Statistik zufolge Anzeichen von Vernachlässigung auf (65 Prozent), jedes vierte für psychische Misshandlung (26 Prozent), fast ebenso viele Spuren für körperliche Gewalt (23 Prozent). Hinweise auf sexuelle Gewalt gab es in fünf Prozent der Verfahren.

Jugendämter müssen prüfen, ob Gefahr für das Wohl eines Kindes oder eines Minderjährigen besteht, wenn sie Hinweise darauf bekommen. Seit 2012 wird dies statistisch erfasst.

dpa

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa (Symbolbild)

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