+
Polizisten in London (Archivbild).

Polizei klärt Fall auf

Juwelendiebstahl in London: Es war eine Opa-Bande

London - Raffinierte Diebe räumten vor sechs Wochen in London ein Juwelen-Lager aus. Nun hat die Polizei den Fall gelöst: Es war eine Bande von Opa-Einbrechern.

Es war Ostern in London. Ein ruhiges Feiertagswochenende, als bei Scotland Yard ein automatischer Alarm aus dem sogenannten Diamanten-Viertel einging. „Nicht so eilig“, dachten sich die Beamten. Schließlich geht in der Metropole ständig irgendwo eine gerade nicht ordentlich funktionierende Alarmanlage los.

Doch diesmal war der Alarm echt: Raffinierte Juwelendiebe hatten sich mit einem clever ausgeklügelten Plan Zugang zu einem Juwelenlager verschafft und 70 Kisten mit Schmuck im mindestens zweistelligen Millionenwert mitgehen lassen. Die britischen Medien konnten ihre versteckte Sympathie mit den Einbrechern nur mühsam verbergen.

Dem Beobachter drängte sich der Vergleich mit Halunken-Geschichten Marke Rififi auf, wie sie zigfach in Hollywood verfilmt wurden. Der Polizei auch. „Das war ein sehr ambitionierter Einbruch, gelinde gesagt“, sagte Chefermittler Craig Turner unmittelbar nach Bekanntwerden der Tat. „Es sieht aus wie bei Oceans Eleven“, erzählte er. „Wir sollten aber bedenken, dass es auch Opfer gibt.“

Die Detektive von Scotland Yard, schon zu Zeiten von Sherlock Holmes gern zu schusseligen Prügelknaben degradiert, wollten die Schmach nicht auf sich sitzen lassen. Nach Wochen intensiver Suche kam schließlich am Dienstag die Erfolgsmeldung aus dem Hauptquartier des „Yards“ in Westminster: neun Männer festgenommen, ein Teil der Beute sichergestellt.

200 Polizisten hatten bei einer Razzia in und um London in einer konzertierten Aktion an zwölf Stellen gleichzeitig zugeschlagen. Bei den Tatverdächtigen handelt es sich offenbar um eine erfahrene alte Garde: Drei der Festgenommenen sind mit 76, 74 und 67 Jahren schon im Rentenalter, die anderen sechs mit 43, 57, 58, 59, 50 und 48 Jahren auch keine Greenhorns mehr.

In Hatton Garden, dem Londoner „Diamanten-Viertel“ werden seit vielen Jahrzehnten Gold und Edelsteine gehandelt - und gestohlen. Der Oster-Einbruch war in den vergangenen 50 Jahren mindestens der vierte im Millionenwert. Die Juweliere bewahren ihre Waren zur Sicherheit in eigens dafür eingerichteten und besonders geschützten Sicherheitslagern auf.

In solch ein Lager schafften die Kriminellen den Einbruch. Sie seilten sich erst durch einen Aufzugsschacht ab. Mit einer mehr als 4000 Euro teuren Bohrmaschine - der Bohrer mit einem Diamanten besetzt - brachen sie dann eine Öffnung in den über 20 Zentimeter dicken Stahlbeton des Lagers. Gerade groß genug, dass ein kleiner Mensch hindurchschlüpfen kann. Unbemerkt entkamen die Diebe mit der Millionenbeute.

So ausgeklügelt der Einbruch, so amateurhaft schien die Verwertung: Einen Großteil der Beute konnten die Einbrecher offenbar nicht zu Geld machen - die Polizei will nun alles sortieren und den Besitzern zurückgeben.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Verheerende Feuer in Kalifornien: Santa Barbara wird evakuiert
Die schweren Waldbrände in Kalifornien zwingen die Behörden zu krassen Maßnahmen: der Bezirk Santa Barbara muss jetzt evakuiert werden. Eine Entwarnung scheint nicht in …
Verheerende Feuer in Kalifornien: Santa Barbara wird evakuiert
Pharma-Milliardär: Polizei rätselt über mysteriösen Tod des Sherman-Ehepaars
Nach dem Fund der Leichen des kanadischen Milliardärs Barry Sherman und seiner Ehefrau Honey herrscht weiter Rätselraten um die Todesursache. Die Leichen waren im Pool …
Pharma-Milliardär: Polizei rätselt über mysteriösen Tod des Sherman-Ehepaars
Bericht: Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri wurde schon 2015 gezielt überwacht
Der Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt, der Tunesier Anis Amri, ist einem Zeitungsbericht zufolge viel früher und intensiver observiert und abgehört worden als …
Bericht: Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri wurde schon 2015 gezielt überwacht
Mann mit Messer am Flughafen Amsterdam geistig „verwirrt“
Der Vorfall am Amsterdamer Flughafen scheint aufgeklärt zu sein. Wie die Polizei mitteilte, war der Mann mit dem Messer geistig „verwirrt“. Es gebe keinen …
Mann mit Messer am Flughafen Amsterdam geistig „verwirrt“

Kommentare