Zwei Tote

Überfall auf Juwelier in Celle: Prozess gegen einzigen Angeklagten gestartet

  • Andree Wächter
    vonAndree Wächter
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Am 14. September überfielen drei Männer ein Juweliergeschäft in Celle (Niedersachsen). Zwei wurden erschossen. Der dritte Mann steht ab Dienstag vor Gericht. Der erste Verhandlungstag dauert nur wenige Minuten.

Update vom 4. Mai, 15.50 Uhr: Unter großem Medienaufgebot wird der dunkel gekleidete 38-Jährige in Handschellen in den Gerichtssaal geführt, der Mann versteckt sich hinter einem roten Aktendeckel vor Fotografen und Kamerateams. Der Angeklagte ist der einzig Überlebende eines Trios, das am 14. September in Celle einen Juwelier überfiel. Seine Komplizen wurden dabei in Notwehr von dem 73-Jährigen erschossen. Zum Prozessauftakt vor dem Lüneburger Landgericht schweigt der Mann am Dienstag - er soll der Fluchthelfer gewesen sein. „Derzeit nicht“, sagt der Verteidiger bezüglich einer Aussage.

Die 11. Große Strafkammer verhandelt wegen gemeinschaftlich begangenen versuchten schweren Raubes. Die Staatsanwaltschaft legt dem Angeklagten zur Last, sich mit seinem Bruder und einem weiteren Beteiligten verabredet zu haben. Der Bruder habe den Dritten in einem Rollstuhl geschoben. Beim Juwelier sollte „kein Argwohn aufkommen“, formulierte es der Staatsanwalt.

Der Prozess nimmt das Ehepaar, das als Nebenkläger auftritt, sehr mit, berichtet Rechtsanwalt Felix Matzeit. „Besonders für meine Mandantin war es sehr emotional und schwierig, sie hat alles noch einmal erlebt“, sagt der Celler Anwalt. Die 71 Jahre alte Ehefrau habe sogar noch einmal Angst bekommen, als dem Angeklagten die Handschellen abgenommen werden. „Sie hatte das Gefühl, er könne jeden Moment aufstehen“.

Der Prozessauftakt war nach wenigen Minuten nach Verlesung der Anklageschrift zu Ende, das derzeit überlastete Gericht hatte den Termin nur angesetzt, um Fristen einzuhalten. Insgesamt sind acht weitere Verhandlungstermine angesetzt. Am 19. Mai geht der Prozess weiter, ein Urteil ist für Mitte Juli geplant.

Ursprungsmeldung vom 4. Mai, 10 Uhr: Acht Monate nach dem Überfall mit zwei Toten auf ein Juwelier- und Antiquitätengeschäft in Celle* beginnt der Prozess gegen einen 38-Jährigen vor dem Lüneburger Landgericht. Von Dienstag an verhandelt die 11. große Strafkammer wegen gemeinschaftlich begangenen versuchten schweren Raubes. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, sich mit seinem Bruder und einem weiteren Beteiligten verabredet zu haben. Er soll mit dem Bruder am 14. September von Waltrop im Ruhrgebiet losgefahren sein, unterwegs den Dritten aufgenommen und beide in Celle abgesetzt haben. Der Bruder habe den Dritten in einem Rollstuhl geschoben.

In Celle kam es im September zu einem Überfall auf ein Juwelier- und Antiquitätengeschäft.

Der Angeklagte soll das Fluchtfahrzeug geparkt und Kontakt gehalten haben. Die beiden anderen sollen mit Handschellen, einer Schusswaffe, einem Handbeil und einem Messer das Geschäft betreten haben. Dort sei der Mann aus dem Rollstuhl über den Tresen gesprungen und habe sich auf die Ehefrau des Juweliers gestürzt, um diese zu würgen und mit den Handschellen zu fesseln.

Der Juwelier habe dann den Verkaufsraum betreten und sei von dem Bruder mit der Schusswaffe bedroht worden. Daraufhin habe der Juwelier mit einer Waffe auf beide Täter geschossen. Der Bruder starb am Tatort, der weitere Beteiligte erlag später seinen Verletzungen.

Als die Täter nicht zum Auto zurückkehrten, soll der Angeklagte alleine geflüchtet sein. Die Polizei nahm ihn im November in Nordrhein-Westfalen fest. Zum Prozessauftakt wird nach Angaben einer Gerichtssprecherin nur die Anklageschrift verlesen. Für den Prozess sind acht Verhandlungstage angesetzt.

Juwelierraub in Celle: Verfahren wegen Totschlags eingestellt

Das Verfahren gegen den Ladeninhaber wegen Totschlags war eingestellt worden. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ging davon aus, dass der Senior in Notwehr gehandelt hatte. Er und seine 72 Jahre alte Ehefrau erlitten bei dem Überfall Schocks.

Immer wieder werden Juweliere Ziel bewaffneter Überfälle, in einigen Fällen wurden Inhaber oder Mitarbeiter verletzt oder kamen ums Leben. Dass die Inhaber daher zum Schutz auch selber über eine Waffe* verfügen, sei nicht ungewöhnlich. (Mit Material der dpa) *Kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa

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