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An den Tankstellen oder sonstigen Treibstoff-Ausgaben wie hier in Staten Island bildeten sich lange Schlangen. An einer Gratis-Tankstelle in Brooklyn kam es sogar zu Chaos

Auch Kälte macht den Mensch zu schaffen

Benzin-Chaos nach "Sandy"

New York - Sinkende Temperaturen, mangelnde Strom- und Treibstoffversorgung sowie Angst vor zunehmender Kriminalität halten nach "Sandy" die Ostküste der USA in Atem. An einer Gratis-Tankstelle kam es zu Chaos.

Sinkende Temperaturen, mangelnde Strom- und Treibstoffversorgung sowie Angst vor zunehmender Kriminalität halten gut eine Woche nach Supersturm „Sandy“ die Ostküste der USA in Atem. In der Nacht zum Sonntag fiel die Temperatur in New York auf frostige Minusgrade. Bürgermeister Michael Bloomberg rief ältere Menschen ohne Heizung auf, in Notunterkünfte zu gehen, und ließ 25.000 Decken in der ganzen Stadt verteilen. Als Reaktion auf die Bezinknappheit erhöhte die Polizei ihre Präsenz, mindestens elf Menschen wurden seit Freitag Behördenangaben zufolge festgenommen.

Die Zahl der Todesopfer durch „Sandy“ stieg laut der Nachrichtenagentur AP auf mindestens 107. „Wir sind New Yorker und wir werden das durchstehen“, sagte Bloomberg am Samstag. „Aber ich will nicht, dass irgendjemand denkt, dass wir aus dem Gröbsten heraus sind.“ Er warnte, dass noch Tage vergehen könnten, bis wieder ausreichend Benzin zur Verfügung stehe. Vielerorts bildeten sich kilometerlange Schlangen vor den Tankstellen, unter anderem auch im von „Sandy“ schwer getroffenen Norden von New Jersey. Der Gouverneur des US-Staates, Chris Christie, ordnete dort die Rationierung von Benzin an. Nach mehreren Festnahmen wegen Übergriffen an Tankstellen setzten die Behörden mehr Sicherheitskräfte ein, um einen Anstieg der Kriminalität zu verhindern.

Konzert für "Sandy"-Opfer mit Springsteen, Aguilera und weiteren Stars

Konzert für "Sandy"-Opfer mit Springsteen, Aguilera und weiteren Stars

Ein chaotisches Bild bot sich an einer Tankstelle im New Yorker Stadtteil Brooklyn, an der die Nationalgarde gratis Benzin ausgab, um die Lage zu entspannen. Viele Menschen kamen mit leeren Wasserflaschen und warteten stundenlang zwischen hupenden Autos, um an Benzin zu kommen. „Es ist ein Chaos, ein wildes Durcheinander“, sagte Chris Demon, der rund dreieinhalb Stunden an einer Tankstelle anstehen musste.

Zuvor hatte der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo angekündigt, das Verteidigungsministerium werde an fünf Orten der Metropolregion mobile Notfalltankstellen aufstellen, die kostenlos maximal 38 Liter Benzin pro Person bereitstellen sollten. „Das Benzin ist auf dem Weg“, beschwichtigte Cuomo. „Geratet nicht in Panik.“

Strom in Lower Manhattan

Zumindest im New Yorker Stadtteil Lower Manhattan gingen am Samstag wieder die Lichter an. Bewohner, die in den vorherigen Nächten im Dunkeln ausgeharrt hatten, brachen in Jubel aus, als die Stromversorgung wiederhergestellt wurde. In anderen Vierteln wie Staten Island stieg die Frustration darüber, dass die Reparaturen in Manhattan schneller vorangingen als in den Außenbezirken. Rund 900.000 Menschen hatten im ganzen Staat New York am Wochenende immer noch keinen Strom, wie Gouverneur Cuomo erklärte, an der gesamten Ostküste waren es mehr als 2,2 Millionen Menschen. Der New Yorker U-Bahnverkehr wurde inzwischen zu rund 80 Prozent wieder in Betrieb genommen.

Der für Sonntag geplante New York Marathon wurde hingegen abgesagt. Viele der bereits angereisten Marathonläufer waren im Central Park zu sehen, in dem die Ziellinie liegt, die nun nicht gebraucht wird. Zahlreiche Athleten verabredeten sich über das Internet trotz der Absage zu privaten Läufen.

US-Präsident Barack Obama informierte sich derweil bei der nationalen Katastrophenschutzbehörde FEMA über den Stand der Aufräumarbeiten, bevor er sich in die letzten entscheidenden Tage des Wahlkampfs stürzte. Der Wiederaufbau sei noch lange nicht abgeschlossen, sagte Obama. Zugleich versprach er, dass sich alle Beteiligten zu „120 Prozent“ einsetzen würden. „Es gibt nichts Wichtigeres für uns, als das in Ordnung zu bringen“, sagte Obama.

Promikonzert für „Sandy“-Opfer brachte 23 Millionen

Fast 5000 Euro pro Sekunde: Ein einstündiges Wohltätigkeitskonzert zu Gunsten der Opfer des Wirbelsturms „Sandy“ hat 23 Millionen Dollar (17,7 Millionen Euro) eingebracht. Das sei ein Rekordwert, teilte das Amerikanische Rote Kreuz am Sonntag mit. Bei dem Konzert waren Stars wie Jon Bon Jovi, Christina Aguilera, Billy Joel, Sting und Bruce Springsteen am Freitag aufgetreten.

„Wir sind unendlich dankbar und gerührt für dieses Zeichen der Unterstützung für die, die unter den Folgen des Supersturms leiden“, sagte Peggy Dyer vom Roten Kreuz. „Das Ergebnis von 23 Millionen Dollar ist ein deutliches Zeichen, wie sehr die Amerikaner in Zeichen der Not zusammenstehen.“ Das Geld werde sofort den Bedürftigen zu Gute kommen. Allerdings: Der geschätzte Gesamtschaden ist mit 20 Milliarden Dollar fast 1000 Mal so hoch.

dapd, dpa

"Sandy" hinterlässt Chaos und verheerende Schäden

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