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Rauchen ist weniger salonfähig als noch vor zehn Jahren

Jugendliche qualmen weniger

Kampf gegen Rauchen: Verbote & Co. wirken

Berlin - Nikotin ist umstritten wie wenige ähnlich gefährliche Suchtmittel. Hitzig waren die Debatten, bis es überhaupt zu Verboten und Schritten zur Eindämmung des Konsums kam. Es war aber der bisher erfolgreichste Weg, so Fachleute.

Der blaue Dunst ist weniger salonfähig als noch vor zehn Jahren. Fachleuten zufolge hat sich das Bild der Zigarette eingetrübt. Deshalb rauchten Erwachsene inzwischen weniger, die Zahl qualmender Kinder und Jugendlicher sei drastisch gesunken.

„Das Entscheidende, was sich geändert hat, ist das Image von Zigaretten und vom Rauchen - das war bis in die 2000er Jahre äußert positiv“, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), Raphael Gaßmann. Das liege vor allem am gezielten Vorgehen gegen das Nikotin. Die Trendwende habe mit dem „light“-Zigarettenverbot vom 8. November 2002 begonnen.

Seither dürfen Tabakwarenhersteller Zigarettenschachteln nicht mehr mit dem Aufdruck „light“ oder „mild“ versehen. Der Grund für das EU-weite Verbot: Die Bezeichnung war irreführend, vermittelte sie doch den Eindruck, eine vorgeblich leichte Zigarette sei weniger gesundheitsgefährdend als andere. Die Hersteller griffen fix in die Trickkiste und gaben den Schachteln statt der „light“-Aufschrift unterschiedliche Farben.

Dennoch hat das Verbot einen Effekt - vor allem auf das Image, das beim Einstieg ins Rauchen eine große Rolle spielt, wie Gaßmann sagt. „Es war ein ganz wichtiger Schritt nach vorne. Denn eine Farbe macht kein Image, aber der Begriff „light“ macht es“, meint er.

Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg lag die Raucherquote 2001 bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren bei 28 Prozent, 2011 lag sie bei 11 Prozent. Ein wichtiger Faktor dabei war demnach auch die mehrfache Erhöhung der Tabaksteuer.

Die Präventionsexpertin des DKFZ, Martina Pötschke-Langer, betont die Wirksamkeit gesetzlicher Maßnahmen ebenfalls. Das „light“-Verbot habe aber zu kurz gegriffen: „Der nächste Schritt wäre jetzt, dass man eine Standardisierung schafft bei den Zigarettenverpackungen.“ Sie fordert eine Erweiterung der 2003 eingeführten Warnhinweise auf 80 Prozent der Schachtel, „so dass die Verpackungen gar nicht mehr als Werbeinstrument für die Produkte genutzt werden können“.

Ein großes Problem ist den Experten zufolge die in Deutschland erlaubte Außenwerbung für Zigaretten, also jene auf Plakaten an Litfaßsäulen oder Bus-Wartehäuschen. „Das ist Werbung für ein gefährliches Produkt“, sagt Gaßmann von der DHS in Hamm. Es sei inkonsequent, dass in Deutschland dafür geworben werden könne - etwa in Kinos oder an Verkaufsorten wie Kiosken oder Supermärkten.

Das Argument der Hersteller, Zigaretten seien legal, dürfe nicht als ein Recht auf Werbung gelten. Auch verschreibungspflichtige Medikamente seien legal, aber Werbung untersagt, weil die Arzneien gefährlich sein können, sagt Gaßmann. Ein „Unding“, findet auch Pötschke-Langer vom DKFZ: „Kein anderes Produkt ist so, dass es die Hälfte seiner Konsumenten frühzeitig versterben lässt - im Schnitt zehn Jahre früher.“ Pötschke-Langer erinnerte an enorme individuelle wie gesellschaftliche Kosten des Rauchens.

Einen positiven Einfluss auf die Reduzierung des Zigarettenkonsums habe auch der seit 2007 geltende Nichtraucherschutz, sagt Pötschke-Langer. „Wenn man nicht so viele Gelegenheiten hat zum Rauchen, dann raucht man auch weniger.“

Das Konzert der Instrumente habe zum bisherigen Erfolg beigetragen, meinen die Fachleute. Allerdings müssten die Schritte weitergehen, etwa mit einer stärkeren Unterstützung von Raucherentwöhnung und Prävention. Sonst würde der positive Trend in wenigen Jahren wieder kippen, warnt Gaßmann. „Da gibt es noch viel zu tun in Deutschland.“

dpa

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