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Kanada: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Eine kanadische Flagge weht am Ufer des Lake Minnewanka im Banff-Nationalpark in der kanadischen Provinz Alberta
Der Lake Minnewanka im Banff-Nationalpark in der kanadischen Provinz Alberta © picture alliance / dpa | Chris Melzer

Kanada ist ein faszinierendes Land, dessen Bevölkerung sich vor allem im Süden an der Grenze zu den USA drängt. Im Norden warten menschenleere, unberührte Landschaften, die einen Großteil des Jahres unter einer tiefen Schneedecke liegen.

Ottawa – Kanada ist mit knapp 10 Mio. Quadratkilometern Fläche das zweitgrößte Land der Welt, zählt jedoch weniger als 38 Millionen Einwohner. Die einzige Landesgrenze teilt sich das Land mit den USA und wird darum manchmal auch umgangssprachlich als „America‘s Hat“ bezeichnet. Bis heute ist der Staat nicht vollkommen unabhängig, sondern Teil des britischen Commonwealth. Staatsoberhaupt ist die britische Queen Elizabeth II., die von einem Generalgouverneur vertreten wird.

Kanada: Die Geschichte der First Nations

Mit dem Ende der letzten Eiszeit wurde das Gebiet des heutigen Kanada erstmals bewohnbar. Erste Nomaden kamen vermutlich von Asien über die Beringstraße nach Kanada. Die indigenen Einwohner des Landes werden heute unter dem Begriff First Nations zusammengefasst und zählen mehr als 600 Stämme. Nicht dazu gezählt werden die Inuit, die im arktischen Nordosten und auf Grönland leben und zu den Eskimos gehören.

Nach Jahrtausenden der Isolation kam es im 10. Jahrhundert erstmals zu Kontakten mit Europa. Isländische Wikinger erreichten mit ihrem Anführer Leif Eriksson im Jahr 995 ein Land, das sie selbst Vinland nannten und bei dem es sich höchstwahrscheinlich um Neufundland handelte. Auf sie geht die Siedlung L‘Anse aux Meadows zurück, die 1961 entdeckt wurde und heute zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.

Kanada wird kolonialisiert

Die Wikinger blieben nur einige Jahre, ehe sie von den Eingeborenen vertrieben wurden. Fast 500 Jahre lang blieb es ruhig, ehe der italienische Abenteurer Giovanni Caboto (besser bekannt als John Cabot) 1497 Kanada erreichte und das Land für die englische Krone beanspruchte. Schon ein Jahr später folgte der Portugiese João Fernandes Lavrador, der die nach ihm benannte Labrador-Halbinsel für die portugiesische Krone in Besitz nahm.

Auch die Franzosen zog es über den Atlantik. Eine Expedition von Jacques Cartier drang ab 1534 über den Sankt-Lorenz-Strom ins Landesinnere vor und gründete die Kolonie Neufrankreich. Auf dem Höhepunkt ihrer Ausdehnung erstreckte sie sich von Ostkanada über den Mittleren Westen der heutigen USA bis New Orleans am Golf von Mexiko. Die Engländer waren verhältnismäßig spät dran: Sie etablierten erst ab 1583 einen ersten Handelsposten auf Neufundland.

Kanada als Zankapfel der Franzosen und Briten

Es dauerte nicht lange, bis sich Franzosen und Briten in Kanada in die Quere kamen. Henry Hudson nahm die nach ihm benannte riesige Bucht im Osten Kanadas für England in Besitz, die wiederum Taufpatin der Hudson‘s Bay Company wurde. Die 1670 von England gegründete Organisation kontrollierte über Jahrhunderte den wertvollen Pelzhandel und ist das älteste durchgängig existierende Unternehmen Kanadas. Allerdings handelt es heute nicht mehr mit Pelzen, sondern betreibt Warenhäuser.

Das französische Gegenstück war die Compagnie de la Nouvelle France, die vor allem mit den eingeborenen Irokesen Biberpelze handelte. Zwischen den Handelspartnern kam es bald zu Konflikten, die als Biberkriege in die Geschichte eingingen und bei denen die Irokesen von den Briten mit Waffen unterstützt wurden.

Mehrere direkte Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und England folgten, meist als verlängerter Konflikt europäischer Kriege. Frankreich sicherte seine wichtigsten Städte Quebec und Montreal mit imposanten Befestigungen und vertrieb die Briten bis Ende des 17. Jahrhunderts unter anderem aus Neufundland und von der Hudson Bay. Im Gegenzug eroberten die Briten 1759 Quebec und kurz darauf Montreal.

Kanada wird (fast) unabhängig

1774 sicherten die Briten der französischsprachigen Bevölkerung der Provinz Quebec im Quebec Act die Beibehaltung ihrer Sprache und freie Religionsausübung zu. 17 Jahre später wurde Kanada gesetzlich in ein französisches Niederkanada und ein britisches Oberkanada unterteilt. Beide Teile suchten Anschluss an die gerade unabhängig gewordenen Vereinigten Staaten im Süden. Auch in Kanada regte sich der Wunsch nach Unabhängigkeit. 1837 rief William Lyon Mackenzie sogar die Republik Kanada aus, musste jedoch ein Jahr später in die USA fliehen.

Am 1. Juli 1867 wurde das Dominion of Canada zusammengeschlossen, zu denen Ober- und Niederkanada, New Brunswick und Nova Scotia gehörten. Der 1. Juli ist seither als Canada Day Nationalfeiertag. In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere dünn besiedelte Gebiete hinzu, darunter 1871 British Columbia an der Westküste. Die Eisenbahn verband das riesige Land miteinander.

1931 wurde Kanada durch das Statut von Westminster Teil des britischen Commonwealth of Nations mit weitgehender gesetzgeberischer Freiheit. Erst 1982 entließ Großbritannien den Staat mit dem Verfassungsgesetz in die formale Unabhängigkeit.

Kanada heute: Der Sprachenstreit

In der französischsprachigen Bevölkerung von Quebec wuchs im 20. Jahrhundert die Unzufriedenheit. Trotz formaler Zweisprachigkeit sah man sich in Kanada als Bürger zweiter Klasse. Von 1963 bis 1970 verübte die separatistische Terrororganisation Front de libération du Québec zahlreiche Anschläge. 1980 wurde ein Unabhängigkeitsreferendum mit 59,6 Prozent der Stimmen abgelehnt. Bei einem zweiten Referendum 1995 war das Ergebnis weit knapper: Nur noch 50,58 Prozent stimmten mit Nein und 49,42 Prozent mit Ja. Bis heute ist die Quebec-Frage ungelöst.

Im späten 20. Jahrhundert wuchs in Kanada das Bewusstsein für die schlechte Behandlung und Verdrängung der First Nations in den vorausgegangenen Jahrhunderten der Kolonialisierung. 1999 entstand im Norden des Landes mit Nunavut das erste semiautonome Territorium für die Inuit mit eigener Regierung und Premierminister.

Kanada: Politik und Wirtschaft

Kanada ist eine repräsentative parlamentarische Demokratie. (https://www.canada.ca/en.html) Als Teil des Commonwealth of Nations ist der Staat zugleich weiterhin lose an die britische Krone gebunden. Queen Elizabeth II. trägt den Titel „Königin von Kanada“ und wird von einem Generalgouverneur vertreten. Aktuell nimmt die ehemalige Astronautin Julie Payette diese weitgehend formale Rolle ein. Sitz der Monarchie ist Rideau Hall in der Hauptstadt Ottawa.

Die Politik liegt in den Händen des Kabinetts, das von Premierminister angeführt wird. Seit 4. November 2015 ist Justin Trudeau von der Liberalen Partei 23. Premierminister von Kanada. Bereits sein Vater Pierre Trudeau hatte Kanada von 1968 bis 1984 mit kurzer Unterbrechung regiert.

Kanada gehört zu den reichsten Ländern der Welt. Der Staat profitiert von einem Reichtum an Bodenschätzen. Dazu gehören die drittgrößten Erdölreserven der Welt, umfangreiche Erdgasvorkommen, Kohle, Kupfer, Eisenerz, Gold und vieles mehr. Große Bedeutung haben auch die Forst-, Vieh- und Landwirtschaft.

Kanada: Bevölkerung und Sprache

Kanada gehört zu den beliebtesten Einwanderungsländern der Welt. Die Bevölkerung ist entsprechend vielfältig und konzentriert sich fast ausschließlich auf den Süden des Landes entlang der Grenze zu den USA. Bei einer Befragung wurde folgende ethnische Verteilung ermittelt:

RangEthnieProzent
1Kanadisch32,3
2Englisch18,3
3Schottisch13,9
4Französisch13,6
5Irisch13,4

Die First Nations haben heute noch einen Anteil von 4,43 Prozent an der Bevölkerung (ca. 1.525.565 Menschen). Seit einigen Jahren strömen vor allem Einwanderer aus China und vom indischen Subkontinent in die großen kanadischen Städte wie Vancouver und Toronto.

Offiziell ist Kanada zweisprachig, aber eigenen Angaben zufolge sprechen 67,5 Prozent der Bevölkerung ausschließlich Englisch und 13,3 Prozent ausschließlich Französisch. In Quebec definiert die „Charta der französischen Sprache“ diese als einzige Amtssprache der Provinz. Im Territorium Nunavit ist Inuktitut, die Sprache der Inuit, eine dritte offizielle Amtssprache.

Kanada: Geografie und Städte

Die Geografie des zweitgrößten Landes der Welt wird von Wäldern im Süden und Eisflächen und Tundra im Norden bestimmt. Kanada ist für seine natürliche Schönheit bekannt und zieht jedes Jahr Millionen Besucher in seine Nationalparks, insbesondere in die Rocky Mountains. Die Großen Seen im Osten nehmen zusammen eine Fläche von etwa 245.000 Quadratkilometern ein. Höchster Berg von Kanada ist der 5.959 Meter hohe Mount Logan im Yukon Territory.

70 Prozent der Bevölkerung leben in den städtischen Ballungsräumen im Süden des Landes. Die wichtigsten Städte im Überblick (Stand 2016):

RangNameEinwohner
1Toronto2.731.571
2Montreal1.704.694
3Calgary1.239.220
4Ottawa934.243
5Edmonton932.546

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