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Karami soll neue Regierung in Beirut bilden

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- Beirut - Zwei Tage nach einer prosyrischen Großdemonstration in Beirut ist der erst vor kurzem zurückgetretene Ministerpräsident Omar Karami mit der Bildung einer neuen libanesischen Regierung beauftragt worden. Karami kündigte am Donnerstag in einer ersten Erklärung nach seiner Ernennung durch Präsident Emile Lahoud an, er wolle eine Regierung der "nationalen Einheit und Rettung" bilden. Die Opposition kritisierte den Regierungsauftrag für Karami als ein "Spielchen" der prosyrischen Kräfte.

Karami (70) erklärte, die neue Regierung solle nicht wie die alte sein, sondern Vertretern aller Richtungen offen stehen. Nur so könne es gelingen, die Krise im Land zu überwinden. Am Montag werde er mit den Abgeordneten über die Benennung von Ministern beraten.

Der Oppositionsabgeordnete Ghasi Aridi sagte: "Dies ist eine neues Spielchen, das sie mit der Opposition zu spielen versuchen." Die prosyrischen Kräfte setzten die Opposition mit der Forderung unter Druck, entweder zu kooperieren oder die Verantwortung für Chaos und die Verschiebung der für Mai geplanten Wahlen zu übernehmen. Die Ernennung von Karami werde die Spannungen im Land verschärfen, befürchtete der Abgeordnete Bassam al-Sabaa.

Drusenführer Walid Dschumblatt sagte aus Moskau, wo er sich zu einem Besuch aufhielt, er werde Karami eine Chance geben. Er fügte aber hinzu: "Wir glauben, dass Libanon in Wirklichkeit vom syrischen Geheimdienst regiert wird und dass der libanesische Präsident (Emile Lahoud) alle politischen Karten in der Hand hält."

Karami hatte mit seinem Rücktritt am 28. Februar die Konsequenzen gezogen aus den massiven Protesten gegen seine prosyrische Regierung nach dem Mord an seinem populären Amtsvorgänger und politischem Gegenspieler, Rafik Hariri. Für diesen Mord machten die Demonstranten Syrien und damit die prosyrische Regierung verantwortlich.

Unter zunehmendem internationalen Druck entschloss sich Damaskus in der vergangenen Woche, seine Truppen in Libanon in den Osten des Landes und an die Grenze zurückzuverlegen. Nach Angaben des libanesischen Verteidigungsministers Abdel Rahim Murad begannen am Dienstag 6000 syrische Soldaten damit, ihre Positionen um Beirut und im Norden des Landes aufzugeben. Am selben Tag waren mehrere hunderttausend Libanesen und Syrer einem Aufruf der prosyrischen Hisbollah-Miliz gefolgt und hatten in Beirut gegen eine amerikanische Einflussnahme in Libanon demonstriert.

UN-Generalsekretär Kofi Annan bekräftigte am Mittwoch in Madrid, die syrischen Truppen müssten Libanon vollständig verlassen. US-Präsident George W. Bush hatte die syrische Truppenverlegung zuvor als "halbe Sache" bezeichnet.

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