Auch Schwule bald willkommen

Katholische Schützenverbände öffnen sich Muslimen

Leverkusen - Der Streit um den Umgang mit Muslimen und Schwulen in katholischen Schützenvereinen hat den Dachverband bis in die Grundfesten erschüttert. Nun haben sich die Schützen neue Regeln gegeben.

Muslime und Homosexuelle sollen künftig aktiv in katholischen Schützenvereinen mitmachen dürfen. Damit sind sie auch zum sogenannten Königsschuss zugelassen. Dies beschloss am Sonntag die Vertreterversammlung des Bunds der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) in Leverkusen. 

Auslöser für den Richtungswechsel ist der Fall eines muslimischen Schützenkönigs im westfälischen Werl. Nach den derzeitigen Statuten hätte der gar nicht erst Schützenbruder werden dürfen, wie der Dachverband meinte. Der Verband hatte vor gut zwei Jahren vergeblich versucht, den Schützenkönig Mithat Gedik zum Rücktritt zu bewegen. Schon davor war der BHDS mit rund 400.000 Mitgliedern in gut 1200 Bruderschaften in Kritik geraten, weil ein homosexuelles Königspaar nicht zusammen auftreten durfte

Die Delegierten stimmten in ihren Beschlüssen für ein weltoffenes Profil und größere Freiheiten und sprachen ein Bekenntnis zu christlichen Traditionen aus. Sie wollten künftig moderner auftreten und ihr verstaubte Image ablegen, hieß es.

In der Frage homosexueller Könige bezog Bundesschützenmeister Emil Vogt für das Präsidium klar Stellung: „Die sexuelle Orientierung eines Menschen gehört zu seiner Persönlichkeit und Identität und ist für die Aufnahme in eine Bruderschaft unerheblich.“ Homosexuelle Schützenbrüder und Schützenschwestern hätten daher selbstverständlich alle Mitgliedsrechte und -pflichten, einschließlich der Möglichkeit, die Königswürde zu erringen.

„Wir dürfen nicht päpstlicher sein als der Papst.“

Ein klares Signal sandte der Dachverband auch an alle Schützenbrüder, die aus der Kirche ausgetreten oder geschieden sind: Sie müssten sich nicht weiter fürchten, die katholische Schützengemeinschaft verlassen zu müssen. Mit dem neuen Orientierungsrahmen soll dem kirchlichen Schützenverband eine zeitgemäße und verständliche Grundausrichtung gegeben werden, ohne die Zugehörigkeit zur Kirche in Frage zu stellen, hieß es in der Mitteilung weiter. Wie Papst Franziskus die Kirche geöffnet habe, müssten auch die Bruderschaften aus ihrem brüderlichen Selbstverständnis heraus auf andere, auch Andersgläubige, zugehen. Vogt: „Wir dürfen nicht päpstlicher sein als der Papst.“

Der Verband hatte nach eigenen Angaben erkannt, dass die bisherigen Regeln teilweise an der Lebenswirklichkeit der Vereine vorbeigehen. Mit dem neuen Orientierungsrahmen sollten nun die altehrwürdigen Bruderschaften zukunftsfähig gemacht werden, hieß es. Dabei werde in Kauf genommen, dass es Unterschiede in der Geschwindigkeit und der Anpassung gebe - so zwischen Stadt und Land, zwischen liberalen und eher konservativen Gemeinschaften. Nordrhein-Westfalen gilt neben Bayern als Hochburg der Schützen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Camperin vergewaltigt: Angeklagter bestreitet Vorwürfe
Der brutale Überfall auf ein campendes Paar in der Nähe von Bonn sorgte vor einem halben Jahr für Aufsehen. Nun steht der mutmaßliche Vergewaltiger vor Gericht. Er …
Camperin vergewaltigt: Angeklagter bestreitet Vorwürfe
Oktoberfest 2017: „Sichere Wiesn“ - nicht nur verlorene Schlüssel und verpasste Züge
116 Mädchen und Frauen haben sich in der ersten Wiesn-Woche hilfesuchend an eine spezielle Anlaufstelle des Oktoberfestes gewandt - genauso viele wie im vergangenen Jahr.
Oktoberfest 2017: „Sichere Wiesn“ - nicht nur verlorene Schlüssel und verpasste Züge
Todes-Drama auf der A67: Zeugen schildern Geschehnisse anders
Zwei Tage nach dem Geisterfahrer-Unfall bei Rüsselsheim werden neue Details bekannt. Das Drama mit drei Toten ereignete sich anders als zunächst gedacht - doch viele …
Todes-Drama auf der A67: Zeugen schildern Geschehnisse anders
Nach Erdbeben: Suche nach Verschütteten in Mexiko-Stadt dauert an
Nicht ganz eine Woche liegt das schwere Erdbeben in Mexiko zurück. Die Suche nach Verschütteten dauert in der Hauptstadt Mexiko-Stadt noch immer an.
Nach Erdbeben: Suche nach Verschütteten in Mexiko-Stadt dauert an

Kommentare