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Kekulé gegen vierte Impfung für alle - vier Millionen Corona-Impfdosen landen im Müll

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Von: Kathrin Reikowski

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Die EU empfiehlt Menschen über 60 jetzt eine vierte Corona-Imfpung.
Die EU empfiehlt Menschen über 60 jetzt eine vierte Corona-Imfpung. © Marijan Murat/dpa

Vier Millionen Impfdosen landen laut Medienberichten in Deutschland im Müll. Auch international finden sich keine Abnehmer mehr.

München - Noch im Sommer 2021 war die Nachricht über einen anstehenden Impftermin ein großer Grund zur Freude: Deutschland stand Schlange in Impfzentren und wartete auf die erste oder zweite Spritze gegen das Coronavirus. Am Wochenende wurde bekannt, dass sich die Lage ein Jahr später gewandelt hat: Über vier Millionen Impfdosen landen im Müll. Das will das Redaktionsnetzwerk Deutschland nach einer parlamentarischen Anfrage des Bundestagsabgeordneten Stephan Pilsinger (CSU) erfahren haben.

Die vier Millionen Dosen stammten ausschließlich aus der Produktion von Moderna. Etwa 3,9 Millionen Dosen seien zwischen Dezember 2021 und Ende Juni 2022 verfallen. Keine einzige der im gleichen Zeitraum bestellten 134,3 Millionen Impfstoffdosen seien gespendet worden, weil auch die internationale Impfstoffallianz Gavi keinen Bedarf mehr habe.

183,4 Millionen Impfdosen gegen Corona in Deutschland verabreicht

Nach dem Impfdashboard des RKI wurden bis 18. Juli 183,4 Millionen Impfdosen verabreicht, 76,2 Prozent der Bevölkerung haben demnach mindestens eine Grundimmunisierung erhalten. Gesonderte Empfehlungen für eine zweite Auffrischungsimpfung erhalten dagegen Menschen ab einem gewissen Alter.

Klar ist, dass eine Grundimmunisierung mit den gegen den ursprünglichen Wuhan-Typ des Pandemievirus gerichteten Impfstoffen Infektionen mit Omikron (BA.1) oder seinen aktuellen Untervarianten (BA.4 und BA.5) kaum verhindern kann. Die dritte Impfung (erste Auffrischung) verbessert den Schutz gegen Omikron-Varianten dagegen deutlich.

Alexander Kekulé, seit der Corona-Pandemie bekannter Virologe in Focus.de

Virologe Alexander Kekulé stellt sich gegen Lauterbachs Empfehlung zur vierten Impfdosis ab 60

„Alle Altersgruppen vierfach zu impfen – die Vakzine von BioNTech sind ab fünf Jahren zugelassen –, ist natürlich genauso Unsinn wie das Versprechen, dass man dadurch kein Risiko mehr hätte, an Covid zu erkranken“, meint Virologe Alexander Kekulé in einem Gastbeitrag für focus.de.

„Ob eine vierte Impfung im Einzelfall sinnvoll ist, sollte man aber auch anhand einer individuellen Risikobeurteilung entscheiden“, meint Kekulé. Es fehlten zwar weiterhin viele Daten, doch allgemein zeige sich derzeit, dass eine vierte Dosis - und damit ein zweiter Booster - 40 bis 70 Prozent der Todesfälle bei Menschen über 60 verhindern könne. Dennoch sagt er: „Ein gesunder, dreifach geimpfter 65-Jähriger kann ohne Weiteres bis September auf die an Omikron angepassten Impfstoffe warten, auch wenn seine letzte Spritze mehr als sechs Monate zurückliegt.“

Die Diskussion hatte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) im Spiegel ausgelöst, als er gesagt hatte: „Wenn jemand den Sommer genießen und kein Risiko eingehen will, würde ich in Absprache mit dem Hausarzt auch Jüngeren die Impfung empfehlen.“ Auch Stiko-Chef Mertens hatte sich gegensätzlich geäußert. (kat)

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