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Das Kettcar auf vier Rädern

Kleine Freiheit auf vier Rädern: Das Kettcar wird 50

Berlin - Vier Räder, Sitz, Lenkrad und zwei Pedale mit Kettenantrieb. Viele Kinder haben auf einem Kettcar ihre Runden als Nachwuchs-Rennfahrer gedreht. Jetzt wird es 50 Jahre.

Im Minutentakt läuft ein neues Fahrzeug vom Band und verschwindet in einem Pappkarton. 400 Stück am Tag. Beim Freizeitgeräte-Hersteller Kettler im sauerländischen Ense werden seit 50 Jahren Kettcars produziert. 15 Millionen der Kinder-Tretfahrzeuge haben sich seit 1962 weltweit verkauft.

„Das ist bei uns am Band wie in der Automobil-Industrie“, sagt Werksleiter Ulrich Mayer. Allerdings sind bei der Montage Handarbeit statt Robotern gefragt und am 14 Meter langen Montageband sind nur acht Mitarbeiter beschäftigt. „Wir sprechen ja auch von einem "Kettcar" und nicht von einem Auto.“

"Jeder Junge will ein Rennfahrer sein"

Dem Vater des Kettcars, Firmengründer Heinz Kettler, gelang 1962 nach einer Amerika-Reise der große Wurf. „Ob er da die Idee hatte oder solche Autos gesehen hat, wissen wir nicht“, sagt Bereichsleiter Martin Kröger. Aber seitdem sind die Kinderflitzer ein Renner und das bekannteste Produkt der Firma. Der Name „Kettcar“ wurde sogar zum Synonym für alle Kindertretautos. „Das ist das Beste, was einer Firma passieren kann“, sagt Kröger.

„Jeder kleine Junge will doch ein Rennfahrer sein“, begründet Kröger den immer noch andauernden Erfolg des Kettcars. Die ersten seit März 1962 produzierten Modelle wurden mit Pedalstangen angetrieben, 1965 kam die vierte Generation mit dem Zusatz „Luxus“ erstmals mit einer Fahrradkette daher. Ein Jahr später bekam der zunächst spartanische Metallsitz ein Polster. Seitdem hat sich technisch nicht viel getan.

„Wir haben andere Räder, Sitze, Spoiler und andere Farben“, sagt Eberhard Kettler. Der 63-Jährige, der seit 49 Jahren am Montageband steht, betont, dass er trotz der Namensgleichheit nicht mit der Inhaber-Familie verwandt ist. „Dann würde ich nicht hier stehen.“

200.000 Stück pro Jahr

Besonders gefragt waren die Tretautos Ende der 90er Jahre. „Da hatten wir teilweise sechs Bänder in Betrieb und mehr als 2000 Stück pro Tag montiert“, sagt Kettler. Die Jahresproduktion betrug eine halbe Million. Heute montieren Kettler und seine Kollegen rund 200.000 Stück pro Jahr. Mittlerweile dürften schon die Enkel der ersten Kettcar-Kunden in die Pedale treten.

Zumindest einen Flop gab es in der Erfolgsgeschichte des Kettcars. 1989 kam ein Modell mit Elektroantrieb auf den Markt. „Das kam nicht so gut an. Die wollten vielleicht lieber treten, die Kinder“, sagt Eberhard Kettler.

Die neuen Modelle werden regelmäßig von jungen Testfahrern ausprobiert. „Wir haben hier zwei Kindergärten in der Nachbarschaft“, sagt Werksleiter Mayer. Die kriegen die Neuheiten zum Praxistest. „Was die Kinder dann bemängeln, wird schon sehr ernst genommen. Schließlich sind das unsere Kunden“, sagt Mayer.

Und die Tester dürfen auch Wünsche äußern. „Die wollen alles, was sie aus dem Fernsehen kennen.“ Farblich gehe man schon auf die Wünsche der Kinder ein. Aber mancher Wunsch gehe dann doch zu weit. „Manchmal haben die auch Kinderträume. Zum Beispiel, dass man eine Erbsen- oder Wasserpistole einbaut, oder dass hinten Nebel rauskommt.“

dpa

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