1. Startseite
  2. Welt

Panzer im eigenen Villa-Keller: Rentner muss sich verantworten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Elisabeth Urban

Kommentare

Kiel: Heikendorfer Wehrmachtspanzer
Nach dem Fund wurde der Wehrmachtspanzer 2015 aufwändig aus dem Keller des Rentners geborgen. © Carsten Rehder/picture alliance/dpa

Im Keller seiner Villa lagerte ein Rentner in Kiel zahlreiche Waffen und einen Panzer. 2015 sorgte der Fund für großes Aufsehen - jetzt beginnt der Prozess.

Heikendorf/Kiel - Im Sommer 2015 durchsuchte die Polizei in Kiel das Grundstück eines Rentners, in dessen Garten eine auffällige Statue stand: Laut spiegel.de sah die Skulptur einem Werk von Arno Breker, einem Bildhauer der auch von Adolf Hitler fanatisch bewundert wurde, erstaunlich ähnlich. Zumindest Teile der 2015 in den Fokus gerückten Skulptur stammten angeblich vom Original, gegenüber spiegel.de soll der Sammler damals angegeben haben, dass er die Statue einst stark zerstört in der DDR erworben habe und nachträglich habe zusammenbauen lassen.

Panzer und zahlreiche Waffenbestände bei Kunst-Durchsuchung gefunden - Prozessauftakt in Kiel

Die Statue war allerdings nicht das Einzige, was der Rentner mit speziell ausgeprägter Sammelleidenschaft hatte restaurieren lassen: Die Entdeckung eines Wehrmachtspanzers und zahlreicher weiterer Waffen im Zuge der Kunst-Durchsuchung ging 2015 um die Welt, die Bundeswehr rückte an, um den Panzer des Typs „Panther“ in einer stundenlangen Bergungsaktion aus dem Keller im Villenviertel zu holen - das Kriegsgerät ohne Ketten wog laut dpa knapp 40 Tonnen.

Jetzt steht der mittlerweile 84-Jährige vor dem Kieler Landgericht, angeklagt wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und gegen weitere waffenrechtliche Bestimmungen. Neben dem Panzer geht es um den Besitz eines Torpedos, eines Mörsers vom Kaliber 5 Zentimeter sowie einer Flugabwehrkanone vom Kaliber 8,8 Zentimeter, außerdem wurden Maschinen- und Sturmgewehre, halb- und vollautomatische Pistolen sowie mehr als 1000 Schuss Munition gefunden. Laut dem Anwalt des Angeklagten standen etliche der Waffen aber auf der offiziellen Besitzkarte des Mannes.

Gerichtsgutachten: Flugabwehrkanone - fünf Schuss für 216.000 Euro

Die wichtigsten Fragen im Prozess sind nun die Restaurierungs-Motivation des Angeklagten und ob die gefundenen Relikte noch funktionstüchtig sind - liegt nämlich ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vor, könnte der mit einer Haftstrafe von einem bis fünf Jahre geahndet werden. „Die Ordnungsbehörden und alle Anwohner wussten seit Jahren von dem ‚Panther‘ und anderen Museumsstücken historischer Militärtechnik in dem Keller meines Mandanten“, so der Verteidiger des Waffensammlers beim Prozessauftakt. Während ein Gutachten nach der Bergung des Panzers geschätzt hatte, dass dieser noch funktionstüchtig sei, gehen die aktuellen Gutachten der siebten großen Strafkammer davon aus, dass nur noch die Flugabwehrkanone als Kriegswaffe gewertet werden könnte. Für die gebe es aber gar keine Munition mehr, so der Verteidiger - das Herstellen von fünf Schuss für Probezwecke würde laut Gutachten 216.000 Euro kosten.

Der Angeklagte, der den Panzer 1977 als Schrott in Großbritannien gekauft hatte und ihn über die Jahre nur mit Originalteilen restaurieren ließ, äußerte sich am ersten Verhandlungstag selbst nicht zu den Fundstücken. Im Laufe des Prozesses könnte es alternativ auch zu einem „Deal“ kommen, beispielsweise mit einer Bewährungsauflage und der Übergabe der Relikte in den offiziellen Museumsbetrieb. Am 10. Juni soll der Prozess unter anderem mit der Anhörung zweier Sachverständiger fortgesetzt werden. Am 3. August 2021 ist das Urteil gefallen. Ob der 84-Jährige seinen Panzer behalten darf? (eu)

In Sri Lanka kämpfen Einsatzkräfte nach einem Schiffsbrand gegen die Verunreinigung mit Plastikgranulat.

Auch interessant

Kommentare