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Killer-Zyklon in Birma: 10 000 Tote befürchtet

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Rangun - Nach dem verheerenden Zyklon «Nargis» in Birma werden mehr als 10 000 Todesopfer befürchtet. Birmas Außenminister Nyan Win nannte diese Zahl am Montag bei einem Treffen mit Diplomaten in Rangun. Offiziell wird bisher von fast 4000 Toten gesprochen.

Fast 3000 Menschen gelten als vermisst, Hunderttausende seien obdachlos. Unterdessen habe die Militärregierung grünes Licht für Hilfe aus dem Ausland gegeben, hieß es. Das ganze Ausmaß der Katastrophe war auch Tage nach dem Durchzug des Zyklons noch nicht völlig abzusehen. Nach Angaben der staatlichen Medien hatte «Nargis» Windgeschwindigkeiten von 200 Kilometern pro Stunde erreicht.

Allein in dem 4000-Einwohner-Ort Pyinzalu im südöstlichen Teil des Irradwaddy-Deltas haben nach Angaben eines Sprechers der Hilfsorganisation ADRA Deutschland nur 400 Menschen überlebt. Das habe der ADRA-Einsatzleiter am Montag aus Birma gemeldet. Auch Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes berichten von mehreren tausend Toten. Nach Angaben des Berliner Auswärtigen Amts ist die Deutsche Botschaft in Rangun im Kontakt mit den Deutschen, die sich im Land aufhalten. Bisher gebe es keine Erkenntnisse, dass Bundesbürger getötet oder verletzt worden sind.

«Eine etwa 3,60 Meter hohe Flutwelle hat Pyinzalu überschwemmt und für mehrere Stunden unter Wasser gesetzt», berichtete ADRA-Sprecher Heinz-Hartmut Wilfert. Unter den Vermissten seien auch 19 einheimische Mitarbeiter der Hilfsorganisation, die weltweit an Projekten der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe in Katastrophenfällen beteiligt ist und der «Aktion Deutschland hilft» angehört.

Ebenso wie ADRA war auch der Malteser-Hilfsdienst (MHD) bereits vor der Zyklon-Naturkatastrophe in Birma im Einsatz. Nach Angaben von MHD-Sprecher Claudia Kaminski waren bislang acht Mitarbeiter mit dem Aufbau der Wasserversorgung beschäftigt. Das Koordinationsbüro sei derart beschädigt, dass sie dort vorerst nicht mehr wohnen könnten. Ebenso wie zahlreiche Einheimische seien die Malteser in überfüllte Hotels gezogen. Zahlreiche andere Obdachlose seien in Schulen und Klöstern untergekommen. «Hier ist die Lage wirklich dramatisch», sagte Birke Herzbruch, Projektkoordinatorin der Malteser in Rangun.

World Vision und andere Hilfsorganisationen würden davon ausgehen, dass bis zu zwei Millionen Menschen durch «Nargis» obdachlos wurden. Richard Horsey von der UN-Katastrophenhilfe sagte der BBC, «mehrere Hunderttausend Menschen müssten dringend mit trinkbarem Wasser und Unterkünften versorgt werden». Es sei aber «unmöglich, genau zu sagen, wie viele Menschen betroffen sind», da Telefonnetze und Straßenverbindungen zusammengebrochen seien.

Augenzeugen, die von britischen Medien erreicht wurden, schilderten, dass die Stadt Laputta zu bis zu 80 Prozent zerstört worden sei. In Küstenregionen seien etliche Dörfer völlig dem Erdboden gleichgemacht worden. Die Versorgung mit Trinkwasser und Strom sei in weiten Teilen des Landes völlig zusammengebrochen, berichtete die BBC-Journalistin Soe Win aus Bangkok unter Berufung auf Zeugenangaben aus Birma.

Unterdessen hat Birma die internationale Staatengemeinschaft um Hilfe gebeten. Das Auswärtige Amt in Berlin stellt deutschen Hilfsorganisationen 500 000 Euro humanitäre Hilfe für die Menschen in Birma zur Verfügung. Nach einer Mitteilung des Ministeriums appellierte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Montag in Berlin an die Militärregierung in dem südostasiatischen Land, im Interesse der notleidenden Bevölkerung eine effektive Hilfsoperation zu ermöglichen und mit den internationalen Hilfsorganisationen zusammenzuarbeiten. Deutsche Hilfe stehe bereit. Die Aktion «Deutschland Hilft», der zehn deutsche Hilfsorganisation angehören, will nach eigenen Angaben 200 000 Euro als Soforthilfe zur Verfügung stellen.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bot der birmanischen Regierung die Hilfe der Vereinten Nationen an. Ein Team zur Einschätzung und Koordinierung der Katastrophenhilfe stehe zur Unterstützung bereit, wenn es angefordert werde, teilte Ban am Sonntagabend (Ortszeit) in New York mit. Die Vereinten Nationen seien darauf eingestellt, bei Bedarf Unterstützung zu leisten und internationale Hilfe zu mobilisieren.

Ein westlicher Diplomat in Rangun äußerte Zweifel, dass das geplante Verfassungsreferendum am Samstag stattfindet. «Diese Millionstadt hat kein Wasser und keinen Strom, ich wüsste nicht, wie das unter diesen Umständen durchgezogen werden kann.» Das Militärregime hielt jedoch an der Abstimmung fest. «Das Referendum ist nur noch ein paar Tage entfernt, und die Menschen sehen der Abstimmung freudig entgegen», hieß es in einer am Montag verbreiteten Erklärung der Junta, wie der britische Sender BBC berichtete.

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