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Killerflut zerstört den Urlaubstraum

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- Phuket - Entspannt liegen die Touristen auf dem weißen Sandstrand von Phuket und genießen die Weihnachtssonne. Es sind einige tausend, die sich auf der Flucht vor dem unwirtlichen Winter in Europa auf den Ferieninseln Phuket und Phi Phi zusammengefunden haben. Doch aus der Ferienidylle im Süden Thailands wird mit einem Schlag ein Horrorerlebnis, wie es noch niemand erlebte. 300 Menschen kommen allein hier um Leben.

"Plötzlich kam diese riesige Welle, stürzt sich über den ganzen Strand und zerstört alles auf ihrem Weg", sagt der 29-jährige Fotograf Simon Clark aus London, der mit seiner Freundin Urlaub auf der Insel Ngai macht. "Die Leute, die am Schnorcheln waren, wurden an den Strand gespült. Und wer beim Sonnenbaden war, wurde ins Meer gezogen." Die reißende See verschlingt Bungalows und Boote. Autos werden wie Spielzeuge umgeworfen.

Autos werden wie Spielzeug umgeworfen

Der Österreicher Kurt Jost saß gerade im frisch renovierten "Friendship Beach Resort" an der Ostküste Phukets, rund 20 Meter vom Strand entfernt, beim Frühstück, als die Flut völlig unvermittelt über das Freizeitparadies hereinbrach. Im nächsten Augenblick fand sich der Urlauber etwa 30 bis 40 Meter weiter auf einem vom Wasser weggeschwemmten Billardtisch wieder: "Überall waren schreiende Menschen. Stühle, Tische, Eimer, jede Menge Plastik, Kisten, Flaschen schwammen vorbei in Richtung Meer." Der Ort selbst habe ein chaotisches Bild geboten: "Überall sahen wir rennende Thais, so liefen wir auch los auf den rettenden Hang zur Hauptstraße. Innerhalb weniger Minuten sammelte sich dort eine große Menschenmenge, auf das ablaufende braune Wasser starrend. In diesem allgemeinen Geschrei verstand ich nur Bruchstücke. Man sprach von zerstörten Hütten, vermissten Freunden und gekenterten Booten. Es ist eine furchtbare Stimmung", sagt Jost.

Mit am schwersten verwüstet ist auf Phuket der Strand von Patong, wo viele Menschen ums Leben kamen. Natalia Moyano aus Sydney kommt mit einer Sehnenzerrung davon. "Das Wasser stieg immer höher", beschreibt sie die Augenblicke des Schreckens. "Erst langsam, dann aber ging es sehr plötzlich hoch. Ich versuchte, über einen Zaun zu springen, aber er stürzte ein."

"Dann hob das Dach ab und wir trieben davon"

"Schlimmer hätte Weihnachten nicht sein können. Wir kommen seit 13 Jahren hierher", sagt eine deutsche Touristin, die mit ihrem Mann einen Hügel in Patong hinauf flüchtete. Ein schwedisches Paar, das in seinem Bungalow vom Wasser überrascht wurde, schilderte, wie die steigende Flut sie und ihre Kinder auf ihren Betten bis zum Dach des Ferienhauses trug: "Es drückte uns bis zum Dach, dann hob das Dach ab, und wir trieben davon." Zum Glück landen die Schweden schließlich auf dem Trockenen. Kaum in Sicherheit, fällt ihnen auf, dass ihr Sohn - zehn Jahre alt - verschwunden ist. Auf einem Baum finden sie ihn schließlich wieder.

Die Katastrophe hat Thailand auf dem Höhepunkt der Feriensaison ereilt. Aber viele Touristen sind zum Zeitpunkt der Flut noch beim Frühstück. Andere werden durch laute Schreie geweckt. "Wir glaubten zuerst an einen Terroranschlag, aber dann kam die Welle und wir liefen immer weiter nach oben, um so hoch wie möglich zu kommen", berichtet ein Brite.

Auf Phi Phi werden 200 Bungalows ins Meer gespült, einige davon zusammen mit Bewohnern und Angestellten. "Ich fürchte, dass eine große Zahl von Ausländern auf See vermisst wird und auch mein Personal", sagt der Besitzer eines Ferien-Resorts. Seine Angestellten haben nur einen Wunsch: Sie wollen ganz schnell weg von der Insel.

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