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Unwetter in Italien toben weiter: Zahl der Verletzten steigt – Fluten reißen Mutter ihr Kind aus den Armen

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Von: Anna Lorenz

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Ein schweres Unwetter ist über Italien hinweggezogen. Heftige Regenfälle haben mindestens elf Menschen das Leben gekostet, weitere Bewohner werden vermisst. Der News-Ticker.

Update vom 17. September, 8.53 Uhr: Die Schlechtwetterfront hat Italien weiterhin im Griff. Am Freitag hatten Regenmassen und Überschwemmungen elf Tote in der Adria-Region Marken rund um die Stadt Ancona gefordert. Nun tobt das Unwetter weiter. In der Adria-Hafenstadt Pescara, zwei Autostunden südlich von Ancona, wurden drei Personen infolge starker Winde schwer verletzt. Unter ihnen der Betreiber einer Strandanlage, der von einem Gegenstand getroffen wurde. Die Wetterwarnungen wegen starker Regenfälle und Winde gelten aktuell in großen Teilen Italiens. In Pescara wurden Parks und Friedhöfe aus Sicherheitsgründen geschlossen. In Rimini fuhr die Feuerwehr über 60 Einsätze aufgrund von umgestürzten Bäumen. Bilder auf Twitter zeigen die Folgen der Unwetter in Italien, hier nahe der Region Marken, in der elf Menschen ums Leben kamen.

Indes geht in Ancona die Suche nach zwei Vermissten weiter. Gesucht werden weiterhin der achtjährige Junge, der seiner Mutter in den Fluten aus den Armen gerissen wurde (siehe Update vom 18. September, 11.30 Uhr) und eine 56-jährige Frau, so orf.at.

Update vom 17. September, 20.30 Uhr: Nach den schweren Unwettern in Mittelitalien ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens elf gestiegen. Nach zwei Vermissten werde noch gesucht, teilte die Polizei der Adria-Stadt Ancona am Samstag, 17. September, mit. Lokalen Medienberichten zufolge handelt es sich um ein achtjähriges Kind und eine 56 Jahre alte Frau.

Nach Unwettern in Italien: Suche nach Vermissten wird fortgesetzt

Update vom 17. September, 11.30 Uhr: In der italienischen Region Marken ist die Suche nach noch drei Vermissten der Unwetter- und Überschwemmungskatastrophe fortgesetzt worden. Die Einsatzkräfte, darunter 400 Feuerwehrleute, suchten am Morgen des Samstags, 17. September, zwei Erwachsene – einen Mann und eine Frau – sowie einen acht Jahre alten Jungen. Dieser war seiner Mutter bei dem Unwetter am Abend des Donnerstags, 15. September, von den Fluten aus den Armen gerissen worden, als beide gerade aus ihrem Auto ausstiegen.

„Da war diese übermenschliche Kraft“, sagte die Frau der Zeitung La Repubblica. Ihr Sohn habe sich an einem Baumstamm festgehalten. „Er wollte sich über Wasser halten. Ein paar Sekunden, dann verschwand er in der Dunkelheit.“

Auch in Senigallia in der Region Marken hat das Unwetter seine Spuren hinterlassen. Die Feuerwehr sucht weiterhin nach drei Vermissten.
Auch in Senigallia in der Region Marken hat das Unwetter seine Spuren hinterlassen. Die Feuerwehr sucht weiterhin nach drei Vermissten. © Gabriele Moroni/dpa

Aufgrund von extremem Platzregen waren in den Gebieten nahe der Adriaküste Flüsse über die Ufer getreten, Wasser- und Schlammmassen hatten sich teils meterhoch durch die Dörfer geschoben. Zehn Menschen starben, mindestens 50 wurden verletzt.

Überschwemmungen in Italien: Bürgermeister spricht von „apokalyptischen Zuständen“

Update vom 16. September, 18.09 Uhr: „Die Wassermengen waren überwältigend, es war viel schlimmer als vorhergesagt“, äußerte sich nun Italiens Zivilschutzchef Fabio Curcio, der in die Unglücksgegend geeilt war. Auch Ministerpräsident Mario Draghi kündigte einen Besuch in den betroffenen Gebieten an. Regionalpräsident Francesco Acquaroli ersuchte derweil die Regierung in Rom, den Notstand auszurufen.  

Mehrere, ineinander verkeilte Autos stecken nach den Sturzfluten in Schlamm und Geröll fest.
Folgen der Wassermassen durch die heftigen Niederschläge an der Adriaküste: Autos stecken nach Sturzfluten in Schlamm und Geröll fest. © picture alliance/dpa/LaPresse/AP | Gabriele Moroni

„Wir haben hier apokalyptische Zustände“, sagte Alessandro Piccini, Bürgermeister des Ortes Cantiano, in einem Radiointerview. Auf Handyvideos ließe sich die ganze Naturgewalt erahnen. Autos und Lastwagen wurden mitgerissen, ganze Plätze und Geschäfte verschwanden unter den teils meterhohen Wassermassen.

Seit der Nacht auf Freitag, 16. September, hatten 700 Einsatzkräfte, darunter 180 Feuerwehrleute und Helfer des Zivilschutzes, in den betroffenen Gebieten versucht, Leute in Sicherheit zu bringen und Vermisste zu finden. Viele vor allem ältere Personen wurden mit Schlauchbooten gerettet. Medienberichten zufolge gibt es mindestens 50 Verletzte. Einige Brücken wurden zerstört und Straßen weggerissen. „Das historische Zentrum unserer Stadt existiert nicht mehr“, sagte die Vize-Bürgermeisterin von Cantiano, Natalia Grilli, der Zeitung La Repubblica. Seit Donnerstag, 15. September, sei der Ort ohne Gas, Strom und Leitungswasser.

Eine Frau geht auf einer vom Schlamm überfluteten Straße.
Eine Frau geht auf einer vom Schlamm überfluteten Straße. Die, durch starke Regenfälle ausgelösten Überschwemmungen haben am frühen Freitag, 16. September 2022, viel Schaden angerichtet. © picture alliance/dpa/LaPresse/AP | Gabriele Moroni

Auch Riccardo Pasqualini, Bürgermeister des ebenfalls schwer getroffenen Ortes Barbara, berichtete via Facebook von wiederkehrenden Strom-, sowie Telefon- und Mobilfunknetzausfällen. In dem Küstenort Senigallia, der ebenfalls schwer getroffen wurde, bleiben Schulen, Kindergärten, Sportanlagen und andere öffentliche Einrichtungen bis mindestens Samstag, 17. September, geschlossen.

Nach extremen Regenfällen in Italien: Zahl der Todesopfer steigt auf zehn – Weitere Personen werden vermisst

Update vom 16. September, 13.30 Uhr: Wie die Präfektur der an der Adriaküste gelegenen Stadt Ancona nun mitteilte, sind bei den verheerenden Regenfällen und Überschwemmungen in der italienischen Region Marken mindestens zehn Menschen gestorben. Vier Personen werden weiterhin vermisst. Darunter seien eine Frau und deren 17 Jahre alte Tochter sowie ein achtjähriger Junge in der Ortschaft Barbara, teilte der Bürgermeister Riccardo Pasqualini laut Ansa mit.

Italien: Regen, Überschwemmungen, Sturzfluten – Katastrophale Zustände an der Adriaküste

Erstmeldung vom 16. September, 11.49 Uhr: Rom – Sehr viel Regen. Übertretende Flüsse, Wassermengen bahnen sich ihren Weg durch die Straßen. Erdrutsche bringen Schlamm und Geröll mit sich, Autos werden einfach weggespült, Häuser geflutet und vom Himmel fällt es weiter: das unerbittliche Nass. Etwa 420 Liter Regen auf den Quadratmeter, diese Menge sei laut Stefano Stefoni, Direktor für Zivilschutz und Sicherheit in den italienischen Marken, die „Hälfte dessen, was [es] in der Region in einem Jahr regnet“. Am Donnerstag, 15. September, ging diese gigantische Flut dort allerdings innerhalb von „zwei oder drei Stunden“ nieder. Die Folgen: katastrophal.

Regen in Italien: Unwetter und Überschwemmungen treffen italienische Region Marken – mit fatalen Folgen

Feuerwehrleute in einem Schlauchboot helfen einer älteren Frauen.
Feuerwehrleute helfen einer älteren Frau. Heftige Regenfälle und Überschwemmungen an der italienischen Adriaküste haben bereits sieben Menschenleben gefordert, weitere Personen werden vermisst. © picture alliance/dpa/Vigili del Fuoco | -

Das Ausmaß der „sehr schweren, meteorologischen Krise“, wie sich der Präsident der Region Marken, Francesco Acquaroli ausdrückte, ist erschreckend und besorgniserregend zugleich. Experten befürchten nämlich, dass der Klimawandel künftig nicht selten Extremwetterlagen mit sich bringen wird. Mindestens acht Menschen sind bei den heftigen Regenfällen und Überschwemmungen an der italienischen Adriaküste ums Leben gekommen. In der Hafengemeinde Senigallia nördlich von Ancona wurde die Leiche eines Mannes, der mit seinem Auto von den Wassermassen überrollt wurde, gefunden.

Laut Behördenangaben werden in der Region Marken außerdem vier Menschen vermisst – darunter, wie Riccardo Pasqualini, der Bürgermeister des Ortes Barbara nahe Ancona sagte, eine Mutter und ihre 17 Jahre alte Tochter. Auch ein achtjähriger Junge, der laut der Nachrichtenagentur Ansa seiner Mutter beim Verlassen des PKW wortwörtlich von den Wassermassen aus den Armen gerissen worden war, wurde bisher noch nicht gefunden. Des Weiteren gäbe es „immer noch isolierte Menschen, die wir bergen“, gab Stefoni bekannt. „Die Gemeinde Cantiano (PU) ist isoliert, ebenso wie einige Altersheime“.

Feuerwehrleute bugsieren einen Schlauch in eine Tiefgarage, die durch hochgestelltes Auto versperrt ist.
Feuerwehrleute bugsieren einen Schlauch in eine Tiefgarage, die durch hochgestelltes Auto versperrt ist. © picture alliance/dpa/Vigili del Fuoco | -

Bereits am Donnerstag, 15. September, hatte der Katastrophenschutz die italienischen Bürger gewarnt, sie mögen höhergelegene Gebiete aufsuchen oder zumindest in die oberen Stockwerke ausweichen. Mittlerweile zieht sich der überschwemmende Fluss Misa in Senigallia, wie Bürgermeister Massimo Olivetti nun in den sozialen Medien bekannt gab, wieder zurück. „Verschiedene Stadtteile sind immer noch überschwemmt, aber das Wasser fließt nicht mehr von Ponte Garibaldi und Ponte degli Angeli.“ Die Überflutung im Gebiet Cesano würde allerdings andauern. Insgesamt sind in den Marken diverse Straßen gesperrt oder schlichtweg nicht passierbar. Olivetti bat die Bürger, möglichst zu Hause zu bleiben und übrige „Straßen frei zu lassen“, um Hilfskräften die Anfahrt nicht zu erschweren.

Flut in Italien: Verantwortliche tief betroffen – „Aber die Region ist stark“

Für Italien, das im Sommer 2022 von immenser Dürre infolge der Hitze heimgesucht wurde, ist die Flut ein weiterer Schicksalsschlag. Damals fehlte das Wasser – nun bringt das Wetter zu viel davon. Bereits vergangene Woche versetzte ein Tornado über dem Gardasee das Land in Unruhe. Die italienische Staatsregierung meldete sich mittlerweile bei Acquaroli. „Ich habe gerade Anrufe von Staatsoberhaupt Sergio Mattarella und Premierminister Mario Draghi erhalten“, schrieb dieser am Freitag, 16. September, auf Facebook. Beide hätten ihr Mitgefühl und ihre Solidarität mit den Marken zum Ausdruck gebracht.

In der Nacht schieben Feuerwehrleute ein Schlauchboot durch die überflutete Straße, um Menschen aus deren Häusern zu retten.
Feuerwehrleute schieben ein Schlauchboot durch die überflutete Straße, um Menschen aus deren Häusern zu retten. © picture alliance/dpa/Vigili del Fuoco | -

„Präsident Mattarella [...] dankte all jenen, die unermüdlich für die Hilfe arbeiten“, so Acquaroli, „Premierminister Mario Draghi [...] versicherte mir die Unterstützung für alle notwendigen Bedürfnisse.“ Seine eigenen Gedanken, so der Präsident der Region, „gelten den vermissten Personen und ihren Familien, denen ich mein Beileid und meine Verbundenheit ausdrücke“. Der Schmerz über das Geschehe reiche tief, allerdings sei die Region „stark und wird wissen, wie sie reagieren muss“. (askl)

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