+
Kerzen und Blumen sind im Tor eines Fußballpatzes in Hamburg niedergelegt. Foto: Axel Heimken

Kind von Tor erschlagen: Amtsgericht verhängt Geldstrafe

Hamburg (dpa) - Erst wurde ein Kind durch ein Fußballtor erschlagen, nun ist ein Jugendbetreuer des Vereins verurteilt worden. Für die Richterin war der tragische Tod beim Fußballtraining vermeidbar - wenn der Betreuer klarere Ansagen gemacht hätte und dabei gewesen wäre.

Der Siebenjährige hatte keine Chance: Das Kind wurde von dem rund 200 Kilogramm schweren Fußballtor erschlagen, als die 13- bis 14-jährigen Spieler das Gehäuse nach dem Training abbauen wollten. Nun wurde der Jugendbetreuer des Vereins wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Amtsgericht Hamburg-Harburg sah es als erwiesen an, dass der Tod des Jungen vermeidbar gewesen wäre. Die Amtsrichterin verhängte am Montag wie von der Staatsanwaltschaft gefordert eine Geldstrafe in Höhe von 420 Euro (60 Tagessätze zu je 7 Euro). Die Verteidigung hatte Freispruch verlangt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Richterin nannte den Prozess zu dem Unglück im Mai 2013 in ihrer Urteilsbegründung ein "Verfahren, in dem es nur Verlierer gab. Den kleinen Jungen, aber auch den Angeklagten". Dennoch schloss sie sich "vollumfänglich" dem Antrag der Staatsanwaltschaft an. Diese hatte dem 26 Jahre alten Betreuer vorgeworfen, seine 13- bis 14-jährigen Spieler nach einem Training im Mai 2013 nur unzureichend instruiert zu haben, mit dem Aufräumen der Tore auf ihn zu warten. Außerdem habe der gelernte Industriekaufmann sich nicht sofort selbst zu den Toren begeben, sondern zuerst Bälle aufgeräumt.

Die Verteidigerin bemängelte nach dem Prozess die Signalwirkung des Urteils auf ehrenamtliche Betreuer. Zuvor hatte sie Freispruch beantragt. Sie ging von einem Unfall aus, bei dem einer der Jugendlichen eines der Tore anhob, welches dann das siebenjährige Kind erschlug. Es sei "lebensfremd" anzunehmen, dass neben der Anweisung zum Aufräumen noch explizit hätte gesagt werden müssen, dass Tor nur unter Aufsicht und zu mehreren hätte bewegt werden dürfen, sagte sie. Das sei ohnehin Praxis gewesen.

Die Richterin bewertete dies jedoch anders. Man hätte man nicht davon ausgehen dürfen, "dass die Jugendlichen die Situation eigenverantwortlich regeln". Dass der Verurteilte nichts von den Gefahren gewusst haben will, die durch ein kippendes Fußballtor entstehen, bewertete die Richterin als Schutzbehauptung. Ihrer Auffassung nach hätte der Angeklagte das Unglück auch etwa durch einen "beherzten Stopp-Ruf" verhindern können.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bundesamt warnt vor falschem Umgang mit Böllern
Die Silvesterknallerei ist nicht mehr fern - und Experten warnen vor falschem Umgang damit. Immer wieder stellen Zollbeamte unerlaubtes Feuerwerk aus dem Ausland in …
Bundesamt warnt vor falschem Umgang mit Böllern
Genau hinsehen: Diese beiden Schönheiten haben ein süßes Geheimnis
Die beiden Freundinnen Sarah Reilly (30) und Maria Luciotti (30) sind totale Fitnessfans. Genau in einem solchem Studio wagten die beiden ein ganz besonderes Experiment …
Genau hinsehen: Diese beiden Schönheiten haben ein süßes Geheimnis
Wie grausam: Bande in China verkauft zehntausende Giftspritzen zum Töten von Hunden
In China hat eine kriminelle Bande zehntausende Giftspritzen verkauft, um Hunde auf der Straße zu töten und sie zum Verzehr zu verkaufen.
Wie grausam: Bande in China verkauft zehntausende Giftspritzen zum Töten von Hunden
Ältestes Plesiosaurier-Skelett entdeckt
Bonenburg (dpa) - Wissenschaftler haben in Bonenburg bei Paderborn das älteste bekannte Fossil eines Plesiosauriers entdeckt. Das Tier habe vor rund 201 Millionen Jahren …
Ältestes Plesiosaurier-Skelett entdeckt

Kommentare