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Neue Corona-Variante Omikron wohl älter als gedacht - Auffällig viele betroffene Kinder in Kliniken eingeliefert

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Von: Jonas Raab

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Ein Labor-Mitarbeiter verarbeitet Corona-Proben.
Ein Labor-Mitarbeiter verarbeitet Corona-Proben. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/KEYSTONE | Michael Buholzer

Die neue Corona-Variante Omikron verunsichert die ganze Welt und stellt Wissenschaftler vor viele Fragen. Allerdings ist sie wohl gar nicht so neu wie anfangs angenommen.

Stellenbosch - Omikron, das klingt allein schon weitaus bedrohlicher als Alpha oder Delta. Aber wie gefährlich ist die neue Variante des Coronavirus wirklich? Und wo kommt sie her? Einer der Omikron-Entdecker, Wolfgang Preiser von der südafrikanischen Stellenbosch University, sagt: Omikron ist schon älter als die Mutationen Alpha und Delta.

Preiser gehört dem Forschungskonsortium an, der Omikron Ende November in Südafrika zum ersten Mal nachwies. Die als „besorgniserregend“ eingestufte Corona-Variante hat besonders viele Mutationen – an Stellen, die für das Andocken und Aufnehmen des Virus an menschliche Zellen verantwortlichen sind. Die bislang ältesten bekannten Nachweise der Variante stammen aus der ersten Novemberhälfte. In Deutschland wurden bislang vier Fälle nachgewiesen. Experten gehen allerdings von weit mehr Infektionen aus, die unentdeckt sind.

Corona: Omikron entwickelte sich offenbar schon seit vielen Monaten weiter

„Die Frage ist: Wieso blieb Omikron so lange verborgen und legt erst jetzt los? Fehlten noch ein, zwei Mutationen, um sich schnell verbreiten zu können?“, fragt sich Preiser im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Omikron habe sich vermutlich über viele Monate weiterentwickelt, ohne aufzufallen, erklärt er.

Es gebe verschiedene Thesen zur Entstehung von Omikron, sagt Preiser. Demnach könnte es sein, dass sich die Corona-Variante in einem immunschwachen Menschen entwickelt hat, beispielsweise in einem HIV-Positiven. „Das ist eine spekulative These und nicht belegt“, gibt Preiser zu. Ebenso wie seine zweite Hypothese – dass sich Omikron in einem Tier entwickelt hat und auf den Menschen übertragen wurde.

Neue Corona-Mutation Omikron: Bald die dominierende Variante in Europa

Omikron könnte nach Einschätzung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC schon in wenigen Monaten die dominierende Variante in Europa sein. Die Behörde wies kürzlich darauf hin, dass es zwar nach wie vor eine Reihe von Unsicherheiten hinsichtlich der Übertragbarkeit, des Schweregrads von Erkrankungen und mögliche Auswirkungen auf die Immunabwehr gibt. Vorläufige Daten deuteten jedoch darauf hin, dass Omikron gegenüber der Delta-Variante klar im Vorteil sei.

Preiser geht davon aus, dass Omikron leichter übertragbar ist als Delta. Definitive Anzeichen, dass Omikron zu milderen Krankheitsverläufen als Delta führt, sieht er nicht. Dafür sei es noch zu früh. Es sei auch unklar, ob Kinder besonders anfällig für Omikron sind. In Südafrika häufen sich derzeit die Corona-Fälle unter Minderjährigen. Allein im Großraum um die Hauptstadt Pretoria hat es in den vergangenen zwei Wochen rund 100 Hospitalisierungen von Kindern gegeben. Nach den über 60-Jährigen stellen sie mittlerweile die zweitgrößte Altersgruppe bei den Infektionen dar, wie das südafrikanische Gesundheitsministerium mitteilt.

Corona-Variante Omikron: Kinder öfter betroffen? Wissenschaftler erklären das Phänomen

„Zwar gibt es unter Kindern in Südafrika gerade viele Hospitalisierungen, allerdings sind sie auch so gut wie nicht geimpft“, erklärt Preiser. Medizinerin Waasila Jassat, Wissenschaftlerin am Nationalen Institut für übertragbare Krankheiten NICD, erklärt beim Redaktionsnetzwerk Deutschland zudem, dass bei all den eingelieferten Kindern auch die Eltern nicht geimpft seien.

Auch andere Fragen sind noch offen, beispielsweise wie die Impfungen gegen Omikron wirken. „Zwar gibt es derzeit in Südafrika sehr viele Durchbruchsinfektionen bei Geimpften mit Omikron. Aber es ist unklar, ob das an speziellen Eigenschaften der Variante liegt.“ Denkbar sei auch, dass äußere Umstände eine Rolle spielen. So infizieren sich derzeit häufig Mitarbeiter des Gesundheitswesens, die unter anderem wegen einer frühen Impfung stärker von einem nachlassenden Schutz betroffen sind. (jo/dpa)

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