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Das Bild zeigt den belgische Kinderschänder Marc Dutroux am 30.03.2004 bei der Verhandlung in der Sicherheitsbox im Gericht von Arlon (Belgien).

Kindermörder Dutroux will aus dem Gefängnis

Brüssel - Belgiens meistgehasster Verbrecher will das Gefängnis verlassen. Marc Dutroux, Mörder und Vergewaltiger, erscheint dafür sogar persönlich vor Gericht. In zwei Wochen entscheidet das Gericht über den Antrag auf elektronische Fußfessel.

Der belgische Mädchenmörder Marc Dutroux (56) kämpft vor Gericht für seine vorzeitige Haftentlassung. Nach mehr als 16 Jahren im Gefängnis verlangt der zu lebenslanger Haft Verurteilte ein Leben in Freiheit mit elektronischer Fußfessel. Der bekannteste Kriminelle Belgiens erschien am Montag persönlich zu einer Anhörung im Brüsseler Justizpalast, wo das Gericht über seinen Antrag auf die Fußfessel beriet. Nach zwei Stunden Anhörung teilte Gerichtspräsident Luc Hennart mit, das Gericht werde in zwei Wochen - am 18. Februar - seine Entscheidung verkünden.

Die Chancen, dass der verurteilte Pädophile bald auf freien Fuß kommen wird, sind laut Juristen gleich null. Dutroux müsste mit Gutachten glaubhaft machen, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgeht. Selbst ein positiver Entscheid über die Fußfessel wäre laut Gericht allenfalls „ein erster Schritt“ Richtung Freiheit. Danach würde in einem zweiten Verfahren über eine mögliche Entlassung befunden. Dies würde weitere Wochen dauern.

Die „Affäre Dutroux“ hatte in den 1990er Jahren ganz Belgien erschüttert. Dutroux entführte sechs Mädchen, missbrauchte sie und folterte sie in einem geheimen Verlies seines Kellers. Dort starben vier von ihnen. 2004 wurde der meistgehasste Verbrecher Belgiens verurteilt. Seine damalige Frau und Komplizin Michelle Martin kam im vergangenen Sommer unter Auflagen frei.

Bei dem Gerichtstermin blieb der zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder im Verborgenen. Die Öffentlichkeit war nicht zugelassen. Zwei Familien der Opfer waren nach Worten des Gerichtspräsidenten vertreten - viele andere boykottierten die Anhörung. Üblicherweise werden Opferfamilien zu den Auflagen bei einer vorzeitigen Haftentlassung angehört. Das Verfahren sei in „absoluter Ruhe“ verlaufen, sagte Hennart. Dutroux sei „die Zeit da gewesen, die nötig war“. Die Anwälte verkündeten, über Details Stillschweigen zu bewahren.

Für den Auftritt von Belgiens Kriminellem Nummer eins wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Metalldetektoren und 120 Beamte waren im Justizpalast im Einsatz. Mit einer Eskorte hatte die Polizei den 56-Jährigen in einem abgedunkelten Wagen am Morgen aus dem Gefängnis von Nivelles rund 25 Kilometer nach Brüssel gebracht. Nach Angaben der Polizeigewerkschaft belaufen sich die Kosten für den Einsatz auf rund 50 000 Euro.

Schon im September hatte Dutroux schriftlich seine vorzeitige Freilassung mit elektronischer Fußfessel beantragt, nun beriet erstmals ein Gericht darüber. Selbst Dutrouxs Anwalt erwartet nicht, dass sein Mandant mit seinem Antrag durchkommt. „Es ist ein symbolischer Schritt“, sagte Anwalt Pierre Deutsch dem belgischen Radiosender RTBF. Belgiens Justizministerin Annemie Turtelboom wollte sich im Fernsehsender RTL nicht zu den Chancen äußern: „Das ist Sache der Unabhängigkeit der Justiz.“ Im Gerichtssaal waren ein Vertreter der Regierung sowie der Gefängnisleitung anwesend.

Nach belgischem Recht ist es möglich, dass verurteilte Mörder einen Antrag auf Freilassung stellen, wenn sie ein Drittel der Strafe abgesessen haben. Im Fall Dutroux entspricht das 16 Jahren, diese wären genau am 30. April 2013 abgelaufen.

dpa

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