Eine Kleingartenanlage in Münster ist derzeit Schwerpunkt der Ermittlungen nach schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern. 
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Eine Kleingartenanlage in Münster ist derzeit Schwerpunkt der Ermittlungen nach schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern. 

Kindermissbrauch aufgedeckt

Nach Münster: Facebook-Post von NRW-Polizei schlägt hohe Wellen im Netz

Der Fall von Kindesmissbrauch in Münster könnte weitere Fälle ans Licht bringen. Ein Polizeipräsidium ging nun einen außergewöhnlichen Schritt. 

  • Der Missbrauchsfall von Münster könnte zu einer Reihe weiterer Fälle führen. 
  • Experten und Polizei rechnen mit mehr Aufmerksamkeit und Hinweisen aus der Bevölkerung. 
  • Die Polizei Märkischer Kreis spricht Kinderschänder über Facebook nun direkt an - und droht ihnen regelrecht.

Märkischer Kreis - Der Missbrauchsfall von Münster könnte weite Wellen schlagen - und auch die Wahrnehmung in der Bevölkerung wieder stärken. In der Folge könnte eine ganze Reihe von Missbrauchstaten gemeldet werden. Damit rechnet die Kinderschutzorganisation Innocence in Danger. „Sexueller Missbrauch zieht sich durch alle sozialen Schichten“, sagte Julia von Weiler, die Geschäftsführerin der Bewegung gegen Kindesmissbrauch, der Deutschen Presse-Agentur. Im Fall von Münster ist ein IT-Techniker der Hauptverdächtige, ein Tatort liegt in einer Kleingartenanlage in der Stadt.

Die Aufmerksamkeit, die der Fall mit sich bringt, sei gut, so Weiler. Denn nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation erlitten in Deutschland eine Million Kinder jährlich sexuellen Missbrauch. Daraus lasse sich ableiten, dass jeder einzelne in Deutschland Betroffene kenne - Kinder und Täter. Gerade deshalb sei das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in diesen Fällen so wichtig. Erwachsene müssten achtsam sein für die Signale von Kindern. Und diese müssten sich anvertrauen können, forderte sie. „Kinder in Not sind angewiesen auf Erwachsene, die sie schützen“, sagte die Geschäftsführerin von Innocence in Danger. Die Berliner Organisation ist Teil eines internationalen Netzwerks zum Schutz von Kindern.

Kindesmissbrauch in Münster: Internet hat Dimension der Taten verschlimmert

Digitale Medien und Internet hätten die Dimension von Missbrauch gigantisch verschlimmert. „Es macht es einfacher für die Täter, sich zu organisieren und Missbrauchsdarstellungen auszutauschen“, sagte Weiler. Im Missbrauchsfall von Münster hatten die Ermittler eine große Menge an Daten vorgefunden, die noch lange nicht entschlüsselt sind. Das sei bisher nur die Spitze eines riesigen Eisbergs, erklärte die Organisation.

Auch die Polizei rechnet nach der Aufdeckung des Pädophilen-Netzwerks in Münster mit weiteren Fällen. Dass in Nordrhein-Westfalen „immer mehr Missbrauchsfälle bekannt werden“, habe viel damit zu tun, dass die Ermittlungskapazitäten in dem Bereich erhöht worden seien, sagte der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Michael Maatz. „Deshalb müssen wir damit rechnen, dass in den nächsten Monaten weitere Gruppen von Kinderschändern auffliegen werden, zum Teil in Dimensionen, die sich bislang niemand vorstellen kann.“

Nach Missbrauchsfall von Lügde: Polizei NRW hat Personal vervierfacht

Die Polizei im Märkischen Kreis in Nordrhein-Westfalen hat jetzt außerdem zu einer außergewöhnlichen Aktion gegriffen: Auf Facebook wenden sich die Beamten direkt an die Täter - warnen sie, drohen ihnen sogar. „Wir kriegen euch“, schreibt die Polizei Märkischer Kreis auf Facebook und stellt klar: „Lügde, Bergisch-Gladbach, Münster. Es widert uns an! Um das klar zu sagen: Sexueller Missbrauch von Kindern passiert auch hier!“ 

Nach Kindesmissbrauchsfall von Münster: Polizei Märkischer Kreis droht den Tätern

Die Märkische Polizei, die euch für Lügde zuständig ist, bittet die Bevölkerung deshalb um Wachsamkeit: „Und an alle anderen: Seien Sie wachsam! Diese Taten passieren unter uns. Im Verborgenen. Kommen Sie sofort zu uns oder rufen Sie uns an, wenn Sie einen Verdacht haben.“ Unter dem Post kommentiert die Polizei die Kontaktdaten der Notrufstelle für Opfer und Zeugen.

Die Beamten bekommen viel Zuspruch von Facebook-Nutzern. Weit über 800 „gefällt mir“-Angaben und 123 Kommentare in welchen sich die Bürger bei den ermittelnden Beamten bedanken (Stand 8. Juni, 13 Uhr). „Danke für eure Arbeit“, heißt es dort, oder „ich könnte das nicht“. 

Video: Schockierender Missbrauchsfall in NRW - 11 Verdächtige genommen 

Nach dem Missbrauchsfall in Münster ist erneut die Diskussion um ein härteres Strafmaß gegen Kinderpornografie entbrannt. In der GroKo sind SPD und CDU uneins.

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