Kirchenrechtler Sephan Haering:

Papstamt nun nicht mehr „sakral überhöht“

München - Ein "vernunftgeleiteter Mensch": Kirchenrechtler Stephan Haering spricht über den Rücktritt des Papstes und die Konsequenzen für das Amt.

Nach Ansicht des Münchner Kirchenrechtlers Stephan Haering wird sich das Verständnis des Papstamtes durch den Rücktritt von Benedikt XVI. nicht grundlegend ändern. Er betonte allerdings auch: „Eine sakrale Überhöhung des Amtes erhält dadurch weniger Substanz.“ Man könne beim Thema Rücktritt Parallelen zum Bischofsamt ziehen. Bis vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil seien die Ämter auch auf Lebenszeit ausgefüllt worden, inzwischen seien Rücktritte ganz normal. „Das hat dem Bischofsamt auch nicht geschadet“, sagte Haering der Nachrichtenagentur dpa.

Dass Joseph Ratzinger sich zu einem Rücktritt entschlossen hat, „zeigt, was für ein vernunftgeleiteter Mensch er ist“, ergänzte der Wissenschaftler und Ordensmann. Für künftige mögliche Rücktritte von Päpsten müsse das Kirchengesetz nicht geändert werden: „Ich sehe keinen besonderen Regulierungsbedarf.“ Der jetzige Ablauf habe gezeigt, dass die derzeitige Form des Kirchengesetzes hier ausreiche.

Diese Männer könnten Papst werden

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Da der Papst auch Bischof von Rom sei, greife nach seiner Amtszeit das Regelwerk für ehemalige Bischöfe: „Die Regeln für emeritierte Bischöfe kann man übertragen.“ Und da Benedikt XVI. vor habe, auch weiterhin auf dem Territorium des Vatikanstaats zu leben, gebe es keinen weiteren Klärungsbedarf. „Er wird so frei sein, wie jeder andere emeritierte Bischof auch.“ Unklar sei aber freilich noch, wie man Benedikt XVI. künftig ansprechen wird. „Ich kann mir aber vorstellen, dass er Papst Benedikt bleibt.“

Was nach dem 28. Februar geschehe, sei genau festgelegt und orientiere sich am Regelwerk, das Johannes Paul II. 1996 erlassen hat. Allerdings habe Benedikt 2007 eine „kleine, aber wichtige“ Änderung vorgenommen: Während bei der Papstwahl 2005 ab einem bestimmten Zeitpunkt die Kardinäle auch entscheiden konnten, dass eine einfache Mehrheit genügt und nicht mehr die Zweidrittelmehrheit, so wird dies beim Konklave in diesem Jahr nicht mehr der Fall sein. Benedikts Nachfolger muss mehr als zwei Drittel der Stimmen auf sich vereinen.

dpa

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