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„Jetzt bricht das Infektionsgeschehen zusammen“: Virologe Stöhr hat Erklärung für Bundesländer-Phänomen

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Von: Momir Takac

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Der Virologe Klaus Stöhr wirft der Politik Versäumnisse im Umgang mit der Coronakrise vor. Gleichzeitig macht er Hoffnung auf ein Ende der Pandemie.

Berlin - Der Virologe Klaus Stöhr hat der Politik nach zwei Jahren Corona-Pandemie massive Fehler vorgeworfen. „Die gravierendsten Fehler sind strategischer Natur“, sagte Stöhr im Interview mit Welt. Man hätte etwa von Anfang an das Ende der Pandemie im Auge haben müssen. „Alle werden sich infizieren. Da geht kein Weg dran vorbei.“

Der Epidemiologe nahm die Politik zwar auch in Schutz, da vieles passierte, „das nicht vorhersagbar war.“ Dennoch hätte man die Bevölkerung darüber informieren müssen, dass eine Impfung gegen das Coronavirus niemals 100-prozentig schützen kann. Weiterer Kritikpunkt: Man habe sich nicht auf die über 50- und 60-Jährigen konzentriert. Sehr viele Todesfälle in dieser Gruppe hätten im letzten Winter so vermieden werden können.

„Klarer Trend erkennbar“: Stöhr sieht Ende der Corona-Pandemie

Trotz der aktuell hohen Infektionszahlen sieht Stöhr anders als seine Kollegin Sandra Ciesek das Ende der Pandemie kommen. „Wir nähern uns dem Ende“, sagte der Virologe. Es sei jetzt ein klarer Trend erkennbar. Das Virus schwäche sich ab. Es gebe sehr viele Fälle, die „hauptsächlich asymptomatisch oder mild sind“, aber auch zu schweren Verläufen führen.

Gleichwohl führen Infektionen nicht mehr zu Überlastungen auf den Intensivstationen. Einige Länder wie Dänemark würden die Corona-Maßnahmen bald aufheben. „Es lohnt sich auch für Deutschland, die Realität wahrzunehmen und die Maßnahmen der Situation anzupassen“, sagte Stöhr.

Stöhr erklärt niedrige Infektionszahlen während Omikron-Welle in Sachsen

Dass es in Sachsen derzeit vergleichsweise niedrige Zahlen gibt, führt der Virologe darauf zurück, dass viele Menschen dort eine frische Infektion hinter sich haben und die Omikron-Variante bei ihnen „kein leichtes Spiel hat“. „Jetzt bricht das Infektionsgeschehen zusammen, weil es nicht genügend Empfängliche gibt. Da kann auch Omikron keinen Unterschied machen“, erklärte Stöhr.

Gleichwohl werden aber dort die Zahlen wieder steigen, wenn es zu einer Durchmischung der Bevölkerung kommt und „Empfängliche Infektiöse treffen“. Es werde wieder einen Peak geben, dieser werde aber auf geringerem Niveau verlaufen. In Bremen sei es umgekehrt. Aufgrund der hohen Impfquote habe es wenig Infektionen gegeben. Da es aber viele Empfängliche gebe, habe Omikron nun „leichteres Spiel.“

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