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Klimaprognose für 2500: Forscher wagen erste Voraussagen - sie sind verheerend

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Von: Anna Lehmer

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Autowrack im Outback. Australien leidet massiv unter der Klimaerwärmung.
Die Erde leidet massiv unter den Folgen des Klimawandels. Forscher konnten nun ein Modell entwickeln, dass eine Prognose für das Jahr 2500 wagt. © IMAGO/McPHOTO/B. Leitner

Klimaprognosen sagen uns eine schlechte Zukunft voraus, zumindest bis ins Jahr 2100. Nun entwickelten Forscher ein Verfahren, dass die Folgen des Klimawandels bis 2500 vorhersagen kann.

Quebec - Düstere Zeiten stehen der Menschheit bevor: Schon jetzt suchen uns Wetterextreme, Umweltkatastrophen und der Anstieg des Meeresspiegels heim, schuld daran ist die Spezies Mensch. Der anthropogene, vom Mensch gemachte Klimawandel zerstört unseren Planeten, das haben Klimaprognosen schon vielfach bewiesen. Bis 2100 wird sich die Erde drastisch verändern, sollte die Erde weiter so behandelt werden wie bisher. Doch was geschieht eigentlich danach? Schließlich rückt das Jahr 2100 immer näher und heute Geborene können dieses Datum locker erreichen. Wird sich die Erde weiter drehen?

Klimaprognose bis 2500: Bisherige Modelle seien nur „kurzsichtig“

In einem Bericht der Klimaforscher um Christopher Lyon, Erin E. Saupe und Co. von der McGill University in Quebec werden die Folgen der aktuellen menschlichen Aktivitäten bis ins Jahr 2500 projiziert. Die Konzentration des gefährlichen Treibhausgases in der Atmosphäre steige immer weiter an, sodass die dadurch verursachten Veränderungen noch Jahrhunderte nach dem Jahr 2100 zu spüren seien. Es sei deshalb „kurzsichtig“, nur bis zu diesen Referenzwert zu blicken, weshalb das Forscherteam den Klimawandel bis 2500 unter einer Reihe von Emissionsszenarien modelliert hat.

Sachstandsbericht des IPCC: Dürren, Überschwemmungen und Nahrungsmittelknappheit

Bisherige Modelle reichten nur bis ins Jahr 2100, da dieser Wert „als angemessen weit entfernter Horizont für Klimaprojektionen“ galt. Doch mittlerweile ist die Menschheit nur noch 79 Jahre davon entfernt, sodass die Referenz weiter in der Zukunft liegen müsse, so die Wissenschaftler. Bisherige Klimaschutzmaßnahmen, wie die des Pariser Abkommens, zeigen nur mangelhafte bis unzureichende Wirkungen.

Die Politik müsse sich deshalb zunehmend an den Forschungsergebnissen der drei Arbeitsgruppen (WG) des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) orientieren, die seit 1990 regelmäßig sogenannte Sachstandsberichte veröffentlichen. Darin wurde schon mehrfach gezeigt, dass ein sofortiger Stopp aller Emissionen nicht sofort zu einem Stopp des Klimawandels führen würde. Das schädlichste aller Emissionen, das CO2, wird in den verschiedenen Sphären unterschiedlich lang gespeichert, sodass es Jahrhunderte dauern kann, bis eine heute emittierte Einheit auch abgebaut werden kann.

Was das für das Jahr 2100 bedeutet, hat das IPCC in seinem letzten Bericht erläutert. Mittels verschiedener Emissionsszenarien, in denen unterschiedlich viel emittiert wird, werden die Auswirkungen auf die Ökosysteme und das Klima aufgezeigt. Dürren, Überschwemmungen, Nahrungsmittelknappheit und Zerstörung des menschlichen Lebensraums treten demnach bereits vor dem Jahr 2100 auf. Was danach geschieht, haben Lyon und seine Kollegen nun erforscht.

Klimakrise bis 2500: Wissenschaftler wollen Politik zum Handeln bewegen

Mittlerweile dürfte es bekannt sein, dass ohne weitreichende Verringerung der Treibhausgasemissionen eine Klimakatastrophe unabwendbar ist. Der Klimawandel kann nur mit einem Umdenken und einem erheblichen Kostenaufwand in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft reduziert werden. Was geschieht, wenn die Menschheit weiterhin im großen Stil emittiert, zeigen die Forscher mithilfe eines speziellen Atmosphären-Ozean-Modells.

Dieses Modell mit dem Namen HadCM3 wird unter drei Emissionsszenarien betrachtet, „die eine starke, moderate und schwache globale Klimapolitik darstellen“. Ziel der Forschung sei es, der Politik Handlungsempfehlungen darzubieten, die Maßnahmen in der Landwirtschaft bis hin zu den sozioökonomischen Bereichen vorschlagen. So könne man auch für die Zeit nach 2100 planen und im Zeichen einer längerfristigen Klimadynamik regieren. Die Wissenschaftler wollen „den Bedarf an weiteren Arbeiten in diesem Bereich“ aufzeigen.

Ergebnisse der Klimaprognose für 2500: Erdtemperatur steigt weiterhin an

Die Ergebnisse der verschiedenen Szenarien sind durchgehend alarmierend. Bei allen steigt die globale Mitteltemperatur nach 2100, nur das emissionsarme Szenario bildet die Ausnahme. Die Erderwärmung, die bereits heute spürbar ist, wird nicht gleichmäßig verteilt sein, die Landoberfläche und die Polarregionen erhitzen sich stärker. Der Bericht signalisiert deutlich, dass eine Verringerung der Emissionen lebenswichtig ist. Besonders dramatisch erscheinen die höheren Emissionsszenarien, sie „führen bis zum Jahr 2500 zu einer tiefgreifenden Umstrukturierung der Biome in der Welt.“

Der Amazonas-Regenwald soll demnach stark absterben, denn die Temperaturen und Niederschläge verändern sich so drastisch, dass ein Leben dort kaum mehr möglich ist. „Klimabedingungen, Waldsterben und dessen positive Rückkopplungen werden den größten Teil des Amazonasbeckens in eine öde, karge Landschaft verwandeln“.

Hoffnung gibt nur das Szenario mit den niedrigen Emissionen: Die Klimaerwärmung soll bereits in diesem Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichen, danach könne sich die Erde wieder etwas erholen. Allerdings steige auch hier der Meeresspiegel, sodass Küsten und ganze Länder von Sturmfluten zerstört werden könnten. Grund dafür ist die „langsame fortgesetzte Durchmischung der Wärme in die Tiefsee“.

Hohen Sterblichkeitsraten durch globale Hitze

Sehr problematisch sehen die Forscher den sogenannten „Hitzestress“. Auch die physiologisch fittesten Menschen könnten dauerhafte Temperaturen über 35 °C kaum ertragen, die Sterblichkeitsrate würde erheblich steigen. Doch nicht nur die Gesundheit werde geschädigt, auch wichtige Infrastrukturen, auf die der Mensch nicht verzichten kann, würden regelrecht dahinschmelzen. Elektrizität, Transport und die Landwirtschaft hätten enorm mit der Hitze kämpfen, Gebiete wie Indien, Afrikas, Arabiens, Südostasiens würden so heiß werden, dass ein Leben dort kaum mehr möglich ist.

„Unsere Projektionen für die Welt jenseits des Jahres 2100 zeigen, dass sich ohne schnelle und signifikante Reduktionen der Treibhausgas-Emissionen weite Gebiete der Erde so verändern werden, dass sie für eine menschliche Besiedlung nicht mehr geeignet sind“, so die Wissenschaftler. Lebensmittel wären knapp, die landwirtschaftliche Bebauungsfläche nähme drastisch ab.

Forscher warnen: „Unsere Kinder und Enkel“ müssen in dieser Welt auch noch leben

In ihrem Bericht appellieren die Wissenschaftler an die Menschen: „Wir müssen daran denken, in welcher Welt unsere Kinder und Enkel künftig leben sollen und was wir jetzt tun können, um die Erde auch für sie lebensfreundlich zu erhalten“. Die Menschheit hätte nicht mehr viel Zeit, um bis 2100 effektiv den Klimawandel zu stoppen. „Das Zeitfenster, in dem die Emissionen im Einklang mit dem Pariser Abkommen gesenkt werden können, schließt sich rasch“, so Lyon und Kollegen.

Sollten die Treibhausgase nicht bald reduziert werden, könnten große Teile der Erde nach 2100 nicht mehr bewohnt werden. Daher müssen wir diese Veränderungen über die nächsten 80 Jahre hinaus verstehen“, um so „den Weg für eine friedliche und bewohnbare Erde in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten zu bereiten“, heißt es in dem Bericht.

Die Mehrheit der Deutschen fordert deshalb schärfere Maßnahmen zur Rettung des Planeten. Auch die UN sieht eine große Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit beim Klimaschutz

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