1. Startseite
  2. Welt

Neue Studie: Klima-Katastrophe kaum noch zu verhindern - Verheerende Folgen drohen

Erstellt:

Kommentare

Zwei Frauen mit Masken halten auf einer Demonstration selbstgemalte Plakate in die Luft - auf einem steht „Die Uhr tickt“, auf dem anderen „fünf nach zwölf“.
Die Uhr tickt: Die Klima-Katastrophe ist kaum mehr zu verhindern (Symbolbild). © IMAGO/Varvara Smirnova

Die aktuelle Erderwärmung entspricht dem Worst-Case-Szenario – und ist damit laut einer Studie kaum noch aufzuhalten. Es sei denn die Menschheit halbiert den Netto-CO2-Ausstoß bis 2030.

Potsdam - Die Corona-Pandemie hat den Flugverkehr stark eingeschränkt, die Welt stand kurzzeitig still. Delfine waren in Venedig gesichtet worden, die Natur erholte sich und plötzlich schien eine reale Hoffnung für das Klima zu bestehen. Fast alle Staaten dieser Erde haben das 1,5-Grad-Klimaschutzziel im Pariser Klimaabkommen unterzeichnet. Schon 2017 schätzte eine Studie die Chancen dieses Ziel zu erreichen als recht niedrig ein. Diese Einschätzung teilt nun eine aktuelle Studie namens „All options, not silver bullets, needed to limit global warming to 1.5°C: a scenario appraisal” vom Mai 2021. Beteiligt war unter anderem eine Wissenschaftlerin des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Klima-Katastrophe: Treibhauswerte erreichen Höchstwerte

Die Messwerte zeigen sich bislang unbeeindruckt von den Unterschriften auf dem Papier des Pariser Abkommens: Die Erderwärmung setzt sich fort, die Treibhausgaswerte steigen ebenfalls kontinuierlich. Die zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung lagen alle nach 2005 wie das Video zeigt:

16 Wissenschaftlern, darunter Lila Warszawski vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, analysieren in ihrer aktuellen Studie 53 verschiedene Klimaschutz-Szenarien. Die Forscher untersuchten, wie realistisch ein Erreichen des Klimaziels aktuell ist. Prinzipiell bestehen verschiedene Möglichkeiten, den CO2-Ausstoß zu senken. Diese teilte das Forscherteam in fünf „Hebel“ ein:

Die Studie untersucht alle Szenarien anhand dieser „Hebel“. Die Forscher stellen die Fragen, in welchem Ausmaß die oben genannten Möglichkeiten eingesetzt werden müssen, um das Klimaziel bis 2050 zu erreichen. Das ernüchternde Ergebnis: Weniger als die Hälfte der Szenarien sind noch umsetzbar. 33 der 53 Szenarien hingegen sind unrealistisch, denn sie gehen von Maßnahmen aus, die in der Praxis nicht machbar sind. 

Kein einfacher Weg: Erreichen des Klimaziels bleibt herausfordernd

„Alle Szenarien, die wir als realistisch einschätzen, ziehen zumindest mehrere Hebel in einen herausforderndem Bereich“, so die Forscherin Lila Warszawski. Alle Maßnahmen müssen vor allem schnell und drastisch umgesetzt werden. Eine Reduktion der Netto-CO2-Emissionen um die Hälfte ist bis 2030 in jedem Fall nötig. Wenn die Staaten dieser Welt dies nicht gemeinschaftlich erreichen, besteht keine Chance mehr auf die Erreichung des 1,5-Grad-Klimaziels.

Bis 2050 soll die Welt klimaneutral werden. Das bedeutet, dass der Ausstoß und die Entfernung des Kohlenstoffdioxids aus der Atmosphäre sich die Waage halten müssen. Besonders im Energiesektor sehen die Forschenden Potenzial. Die Reduktion der Emissionen im Energiesektor trage zu mehr als zwei Dritteln zum gesamten potenziellen Klimaschutz bei, heißt es in der Studie. Trotzdem dürfe dies nicht die einzige Maßnahme bleiben.

Forscher mahnen zu schnellem Handeln

„Die Lage erfordert eine sofortige Beschleunigung der weltweiten Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen mit allen verfügbaren Mitteln“, sagt Koautor Tim Lenton der University of Exeter. „Wir brauchen eine Nachhaltigkeitsrevolution, ähnlich wie einst die industrielle Revolution.“ Ansonsten könnte die 1,5-Grad-Grenze bereits 2024 erreicht sein.

Würde sie überschritten, erwarten Forscher eine nicht mehr aufzuhaltende Kettenreaktion, die das Klima dauerhaft verändert. Umweltschützer und Forscher warnen davor seit langem. Naturkatastrophen würden wahrscheinlicher und häufiger, Permafrostböden könnten auftauen, Gletscher schmelzen, der Golfstrom könnte versiegen, Fluten, Waldbrände und Dürren könnten häufiger werden. Das alles würde nicht nur Menschenleben bedrohen, sondern zur Migration von Millionen von Menschen führen, deren Lebensraum nachhaltig zerstört würde. Ein erstes ernüchterndes Signal kommt am heutigen Donnerstag aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Chinas Kohlenstoffdioxidausstoß erreicht im ersten Quartal 2021 bereits um neun Prozent höhere Werte als vor der Pandemie, wie Reuters berichtete. (Reuters/bm).

Auch interessant

Kommentare