Ein Waldbrand in Italien: Künftig könnte dies in Alpenregionen häufiger vorkommen. Ein Forscherteam sagt bei ungebremstem Klimawandel deutlich mehr Dürren voraus.
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Ein Waldbrand in Italien: Künftig könnte dies in Alpenregionen häufiger vorkommen. Ein Forscherteam sagt bei ungebremstem Klimawandel deutlich mehr Dürren voraus.

Klimawandel beeinflusst Mitteleuropa

Forscher prophezeien Horrorszenario für Alpen: „Künftiger Hotspot für Dürren“

Die Alpen sind mit Niederschlag reich gesegnet - noch. Ein Forscherteam prophezeit dem Gebirgsraum künftig deutlich mehr Dürren, wenn sich am Klimawandel nichts ändert.

München - Die Alpen gelten als Naturparadies - Millionen Touristen reisen jährlich in die pittoresken Bergregionen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Italien, Slowenien und Frankreich. Satte grüne Wälder und schneebedeckte Gipfel gehören wohl für jeden dazu, der sich einen Urlaub dort vorstellt. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Forscher sagen gerade für die berühmte Gebirgsregion in Zukunft immer stärkere Dürreperioden voraus, die sich unweigerlich auch auf die Flora und Fauna auswirken.

Neben den Alpen besteht laut einer regionalen Klimamodellierung in Europa besonders für Spanien und den Mittelmeerraum künftig erhöhte Gefahr für heißere und längere Sommerdürren. Bis zum Jahr 2100 könnten diese um 25 Prozent häufiger werden. Vermehrte Dürren und Waldbrände, die mittlerweile regelmäßig auftreten, sollen Vorboten dieses Wandels sein.

Die Alpen, hier ein Bild aus Kärnten, sind aktuell ein grünes Paradies. Dies könnte sich allerdings schon bald ändern.

Genauer untersucht haben das mögliche künftige Klima Andrea Böhnisch und ihr Team von der LMU München. Sie fokussierten sich in einer Studie auf ein Szenario mit ungebremstem Klimawandel auf den Zeitraum 2080 bis 2099. Als Indikator für die verschiedenen Regionen Europas nahm das Team die Abweichung des Niederschlags vom langjährigen Mittel in Prozent.

Alpen: Risiko für Trockenheit steigt stark an - „Künftiger Hotspot für Dürren“

Das Ergebnis ist eindeutig: „Wir finden einen klaren Trend zu mehr, längeren und intensiveren Sommerdürren bis zum Ende des Jahrhunderts“, sagt Böhnischs Kollegin Magdalena Mittermeier. In sieben von acht Teilregionen werden die Niederschläge im Sommer deutlich abnehmen. Nur in Skandinavien wird es wohl trotz Klimawandel keine vermehrte Trockenheit geben - in Großbritannien, Mitteleuropa, den Alpen, Osteuropa, Frankreich, der Iberischen Halbinsel und im Mittelmeerraum dagegen schon.

Der Unterschied zwischen Winter und Sommer wird außerdem größer, berichten die Forscher: Die kalte Jahreszeit wird nasser, die Sommer dagegen trockener. Der vermehrte Regen im Winter reicht aber nicht, um die Sommerdürren auszugleichen.

Für die Alpen steigt das Risiko für Dürren im August um 20 bis 40 Prozent. Für die Gebirgsregion wird dies ein komplett neues Szenario darstellen: „Für sie ist charakteristisch, dass die Niederschläge der Sommermonate einen großen Anteil an der jährlichen Regenmenge haben. Das macht Defizite beim sommerlichen Regen noch kritischer.“ In zwei bis vier von 20 Jahren werden die Alpen demnach extreme Sommerdürre erleben. Mittermeier: „Die Alpen sollten daher als ein künftiger Hotspot für Dürren angesehen werden.“

96 Prozent mehr Dürren auf Iberischer Halbinsel - noch ist Zeit, die Horrorszenarien abzuwenden

In schon jetzt von Dürre betroffenen Gegenden wie der Iberischen Halbinsel (96 Prozent mehr) und dem Mittelmeerraum (80 Prozent mehr) werde sich die Trockenheit weiter verstärken. „Die Iberische Halbinsel wird unseren Prognosen zufolge jährlich extreme Dürren von mehr als drei Monaten Dauer erleben, die meisten davon im Sommer“, so die Forscher. Teile Südspaniens werden bei zwei Grad Erwärmung wohl zur Wüste werden.

Noch nie konnte der Klimawandel bisher so konkret vorhergesagt werden. „Diese Studie ist unseres Wissens nach die erste regionsspezifische Analyse von Dürren in Europa mithilfe hochauflösender Ensemblesimulationen regionaler Klimamodelle“, so das Forscherteam. Es warnt eindringlich: Selbst dort, wo heute noch genug Regen fällt, herrscht künftig häufig Dürre.

Der Schluss der Wissenschaftler fällt eindeutig aus: Noch könne dieses Szenario verhindert werden - durch konsistenten Klimaschutz. Dieser sei „auch für Europa hochgradig relevant.“ (cg)

Der Winter könnte sich in diesem Jahr eisig anfühlen. Das zumindest lässt sich nach einer ersten Prognose von Wetter-Experten spekulieren.

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