Deutschland und der Klimawandel

Wetter-Katastrophen in Deutschland? Forscher schlagen Alarm und warnen vor einer „lebensfeindlichen Welt“

  • Michelle Brey
    VonMichelle Brey
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Flutkatastrophen, Waldbrände, steigende Temperaturen: Der Klimawandel ist in Deutschland nicht mehr kleinzureden. Auf dem Extremwetterkongress schlagen Experten Alarm.

Hamburg / München - Längst ist der Klimawandel ein Thema, das allgegenwärtig ist. Nicht zuletzt ist der Klimawandel eines der Kernthemen der Bundestagswahl. Ein Faktenpapier des Deutschen Wetterdienstes (DWD) verschafft nun neue Erkenntnisse - und gibt Anlass zur Sorge.

So seien beispielsweise die Menge der Extremniederschläge, die zu der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen führte, ohne den Klimawandel mit hoher Wahrscheinlich niedriger ausgefallen. Auf dem Extremwetterkongress in Hamburg spielt das Faktenpapier eine zentrale Rolle. Zum Auftakt (22. September) fanden Experten zum wiederholten Mal deutliche Worte.

Klimawandel: Forscher schlagen auf Extremwetterkongress Alarm

„Leider drehen sich alle wichtigen Stellschrauben unverändert in die falsche Richtung“, sagte Gerhard Adrian, Präsident des DWD, zu Beginn der Veranstaltung. Noch immer würde die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre zunehmen. Es bedürfe daher „noch viel mehr Rückenwind“ für Klimaschutzmaßnahmen - das zeigt nicht zuletzt auch das Faktenpapier des DWD.

Deutschland sei von dem seit Jahrzehnten feststellbaren Anstieg der globalen Temperatur überproportional betroffen, heißt es darin. Während sich der Mittelwert der Temperatur im sogenannten linearen Trend weltweit seit der Zeit von 1881 bis 1910 weltweit um etwa 1,1 Grad Celsius erhöhte, stieg er auf dem Gebiet Deutschlands inzwischen um fast 1,6 Grad.

Laut Faktenpapier ist dies dadurch zu erklären, dass sich Landregionen schneller erwärmen. Die Folge sei unter anderem eine beispiellose Häufung von Wärmerekorden und Hitzeereignissen in der jüngeren Zeit. So habe die mittlere Temperatur in Deutschland in sieben der vergangenen 20 Jahre sogar mehr als zwei Grad über dem Wert der Vergleichszeit von 1881 bis 1910 gelegen. Die Zahl heißer Tage mit mehr als 30 Grad verdreifachte sich der Analyse zufolge seit den 50er Jahren von etwa drei Tagen pro Jahr auf durchschnittlich neun Tage im Jahr. 

Klimawandel in Deutschland: Wissenschaftler warnt vor einer „lebensfeindlichen Welt“

„Nach Jahrtausenden eines relativ stabilen Klimas verlassen wir den klimatischen Wohlfühlbereich“, so der Kieler Klimaforscher Mojib Latif. „Auch in Deutschland sind die Auswirkungen zunehmen spürbar.“ Die Menschheit sei auf dem Weg in eine Welt, in der die Temperatur um drei Grad über dem früher bekannten Niveau liege, sagte der Wissenschaftler. Wie die Bild berichtete, warnte er vor einer „lebensfeindlichen Welt“. Die Welt müsse nun handeln.

Der Zeitung zufolge wählte auch Meteorologe und Fernsehmoderator Sven Plöger deutliche Worte: „Wir erleben in 30 Jahren Veränderungen, für die die Natur alleine 100 Jahre bräuchte.“ Die Experten seien sich einig, dass der Mensch Treiber des Klimawandels sei, so die Welt. Forderungen an die Politik stellte übereinstimmenden Berichten zufolge Frank Böttcher von der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft. Die neue Bundesregierung müsse nicht nur aufholen, sondern „den Unternehmen, die den Transformationsprozess vorantreiben, auch die noch vorhandenen Wettbewerbsnachteile nehmen“. Denn nicht zuletzt prognostizierte auch der Bericht des Weltklimarats drastische Klimawandel-Folgen. (mbr)

Rubriklistenbild: © Christof Stache/afp

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