International Space Station Imagery - A view of the eye of Hurricane Isabel is shown in this image taken from the International Space Station Monday15 September 2003. U.S.
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Hurrikanes im Atlantik: Die sogenannte AMO ist offenbar nicht für den Klimawandel verantwortlich - das Phänomen existiert wohl doch überhaupt gar nicht.

Doch alles ganz anders

Globale Erderwärmung: Entdecker überrascht - Bedeutendes Klima-Phänomen gibt es wohl überhaupt nicht

  • Moritz Bletzinger
    vonMoritz Bletzinger
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Die AMO soll Europas Wetter steuern. Der Entdecker des Klima-Zyklus sagt jetzt, es gibt ihn gar nicht. Eine spektakuläre Wende im Streit der Experten.

München - Was ist die Ursache für globale Erwärmung, Wirbelstürme und das Klima in Europa? Neue Ergebnisse verfestigen: Es ist der Mensch. Hinter der gegenteiligen Annahme steckte wohl ein gewaltiger Irrtum.

Seit 2001 war das angebliche Klima-Phänomen ein Streitthema zwischen Wetter-Experten. Der US-amerikanische Forscher Michael Mann wollte die sogenannte Atlantische Multidekadische Oszillation (kurz: AOM) entdeckt haben. Er beschrieb sie als Europas Klima-Steuerung. Ähnlich zu den zweifelsfrei belegten Phänomenen „El Nino“ und „El Nina“ im Pazifik.

Europas Klima-Steuerung? Bedeutender Zyklus existiert wohl gar nicht - Temperaturschwankungen nicht natürlich

Die AMO bestimme die Hurrikane im Atlantik, Wirbelstürme im Karibik und den Regen in Alpen, hieß es. Sie sei Schwung- und Taktgeber für die Wetterlagen in Europa und damit auch zentraler Bestandteil des globalen Klimasystems.

Alle 40 bis 60 Jahre wechsle der Nordatlantik zwischen warm und kalt, so die Theorie. Erwärmung der Ozeane und Europas Temperaturschwankungen im 20. Jahrhundert konnten mit ihr scheinbar erklärt werden. So wurde es nach einer Erwärmung von 1930 bis 1950 in den folgenden zwei Dekaden wieder kühler. Die Daten passten zum Modell. Deshalb erhielt es Einzug in die Klimaforschung.

Klima-Zyklus in Europa? AMO-Theorie fußt auf wackeligen Annahmen - jetzt beklagt sich ihr Entdecker selbst

Die AMO-Theorie war aber immer ein Reizthema. Eine ihrer Grundannahmen war schlicht zu stark. Die globale Erwärmung verlaufe linear, ist die umstrittene Prämisse. Abweichungen vom Klimatrend wurden ganz einfach der AMO zugeschrieben. Alles ganz natürlich konnten Zweifler des menschgemachten Klimawandels einwenden.

Eine Argumentation, die sogar dem Entdecker der AMO nicht gefiel. In einem Blogeintrag beklagt sich Michael Mann jetzt, manche Leute würden seine Theorie nutzen, um die Beteiligung des Klimawandels an der gewaltigen Zunahme von Hurrikanes in den letzten Jahren kleinzureden.

Klimawandel nicht vom Mensch gemacht? Forscher werfen AMO-Theorie über den Haufen

Alles eine bedauerliche Fehleinschätzung, erklärt das Team um Mann jetzt überraschend. In einem Beitrag für das „Science“-Magazin sprechen die Forscher der Pennsylvania State University von einer verblüffenden und irreführenden Koinzidenz. Einige Vulkanausbrüche in den Tropen hätten sich in genau den passenden Abständen ereignet, um die AMO zu fabrizieren. Ein natürlicher Zyklus ist sie demnach nicht. Die Forscher werfen ihre eigene Theorie im neuen Papier komplett über den Haufen.

Ohne Atlantische Multidekadische Oszillation bleibt nur noch der Mensch als Verantwortlicher für die Klimatrends und Katastrophen im 20. Jahrhundert. Das stellen Mann und sein Team fest. Die restliche Fachwelt will die Theorie aber scheinbar dennoch nicht ganz aufgeben. Das Phänomen sei sehr komplex und Schlüsse sollten nicht voreilig gezogen werden, wenden Freunde der AMO-Annahme ein.

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