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Visite im Unfallkrankenhaus

Klinikbesuch soll junge Suff-Fahrer abschrecken

Berlin -  Leichtsinn, Alkohol, Drogen - es gibt viele Gründe, warum vor allem junge Menschen schwere Verkehrsunfälle haben. Ein Präventionsprogramm für Schüler setzt nun auf Abschreckung durch Anschauung.

Dem jungen Mann, der betrunken in einen Kölner S-Bahntunnel lief, fehlen heute beide Beine. Über den dramatischen Unfall und die Folgen für sein gesamtes Leben erzählt er nun Schülern im Rahmen des P.A.R.T.Y-Programms. 2012 startete das Projekt an der Unfallklinik Köln, mittlerweile sind bundesweit 14 Krankenhäuser mit im Boot. Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie integrierte P.A.R.T.Y. (Prevent Alcohol and Risk Related Trauma in Youth) in ihre Präventionsarbeit und rief auf dem Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie am Mittwoch in Berlin nun weitere Kliniken auf, daran teilzunehmen.

Laut Unfallstatistik haben 18- bis 24-Jährige das mit Abstand höchste Unfallrisiko im Straßenverkehr. 2012 verunglückten 611 junge Erwachsene tödlich - mehr als doppelt so viele wie in anderen Altersgruppen. „Mit diesem sehr intensiven Programm wollen wir die jungen Menschen wachrütteln, indem wir ihnen die teils sehr dramatischen Fälle vor Augen führen und eine persönliche Beziehung zu diesen Unfallopfern herstellen“, sagte Prof. Bertil Bouillon, Vizepräsident der DGU und Direktor der Unfallklinik in Köln-Merheim.

"Hätte nicht gedacht, dass das alles so schlimm ist"

Bei einem solchen P.A.R.T.Y.-Tag lernen die Schüler einen Unfall aus der Perspektive des Opfers kennen: Vom Einsatz im Rettungswagen über den Schock- und Notfallraum, OP-Saal, Intensivstation und Krankenzimmer bis hin zur Reha - stets begleitet von Ärzten, Sanitätern oder Pflegern, die die Abläufe erläutern.

„Am eindrucksvollsten ist für die Jugendlichen jedoch meist das Gespräch mit den Unfallopfern“, berichtet der Kölner Chirurg Thomas Brockamp, der das aus Kanada stammende Programm 2011 nach Köln holte. Wann immer es geht, vermittelt er Gespräche schon in der Krankenstation, in jedem Fall jedoch kommt zum Abschluss des Tages ein Betroffener in den Kreis der Schüler, berichtet von seinem Unfall und seinen veränderten Zukunftsperspektiven.

„Wenn man hier sieht, was passieren kann - nur um einen kleinen Kick zu haben und nachher dann so zu enden“, lautet das Fazit eines 16-Jährigen nach einem solchen Gespräch. Eine 15-Jährige bekundet: „Ich hätte nicht gedacht, dass das alles so schlimm ist.“

„Jetzt sind wir natürlich gespannt, ob sich diese Wirkung auch in sinkenden Unfallzahlen niederschlägt“, sagt Brockamp. Wissenschaftliche Evaluationen laufen.

dpa

Rubriklistenbild: © picture-alliance / dpa/dpaweb

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