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Eine Polizistin erstach ihr neugeborgenes Baby mit einer Schere und wurde jetzt verurteilt.

Baby mit Schere erstochen: Polizistin verurteilt

Verdem - Mit einer Schere erstach eine Polizistin ihr neugeborenes Baby. Von der Schwangerschaft wusste niemand - auch ihr Verlobter nicht. Die junge Frau wollte ihn nicht verlieren und sah deshalb keinen Ausweg.

Es ist einer der schönsten Tage im Leben der Polizistin. Bei einem Picknick hält ihr Freund um ihre Hand an. Ihr Glück scheint perfekt. Doch nur wenige Stunden später wird sie zu Verbrecherin. In der Nacht bekommt sie plötzlich Wehen, von der Schwangerschaft hat niemand gewusst. Heimlich bringt die junge Frau einen kleinen Jungen zur Welt und ersticht ihn mit einer Schere.

Am Mittwoch verurteilt das Landgericht Verden (Niedersachsen) die 25-Jährige wegen Totschlags in einem minderschweren Fall zu viereinhalb Jahren Haft. Verzweiflung trieb die Polizistin demnach zu der schrecklichen Tat in jener Nacht vor fast einem Jahr. Denn das Kind stammte nicht von ihrem Verlobten, sondern von ihrem Ex-Freund. Die Angeklagte habe befürchtet, dass ihr neuer Lebensgefährte sie verlassen werde, sagt der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk. “Sie hatte Angst mit dem Kind allein zu sein.“

Unter keinen Umständen wollte sie ihren Verlobten verlieren. “Er war der Mittelpunkt ihres Lebens“, meint Stronczyk. Die Polizistin hatte den Mann bei der Autobahnpolizei kennengelernt. “Beide verliebten sich schnell ineinander.“ Zusammen mieteten sie ein Haus in der kleinen Gemeinde Scheeßel im Kreis Rotenburg. Da erwartete die Polizistin bereits das Kind, doch das ahnte keiner. Auch sie selbst wollte es nicht wahrhaben.

Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern

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“Das Verhalten in den Wochen vor der Geburt spricht dafür, dass die Angeklagte die Schwangerschaft verdrängt und erst mit dem Einsetzen der Wehen realisiert hat“, sagt der Vorsitzende Richter. In der Nacht plagen sie auf einmal heftige Bauchschmerzen, sie denkt zuerst an eine Magenverstimmung. Als die Krämpfe in regelmäßigen Abständen kommen, wird ihr klar, dass sie ein Kind bekommt.

Zu diesem Zeitpunkt beschließt sie nach Ansicht der Richter bereits, das Baby umzubringen. Die junge Frau holt ein Handtuch und eine Schere aus dem Bad. Im Gästezimmer bringt sie den Jungen zur Welt und tötet ihn mit einem Stich in den Bauch. Die kleine Leiche wickelt sie in das Handtuch und verstaut sie in einer Box unter dem Gästebett. Vier Tage später packt sie das tote Kind in einen Rucksack, fährt mit ihrem Motorrad zu einem Seitenarm der Wümme und vergräbt den Körper im Flussbett.

Die Angeklagte blickt dem Richter während der Urteilsbegründung ins Gesicht. Hin und wieder nickt sie zustimmend. Doch als er schließlich ihre Tat schildert, beginnt sie zu weinen. Mit zitternder Hand wischt sie sich die Tränen aus den Augen. Immer wieder blickt sie zu den Zuschauerreihen, wo ihre Familie und Freunde sitzen.

Nach dem Verbrechen hält die Polizistin den Druck nicht mehr aus. Als sie am 14. Juli 2010 vom Fluss zurückkehrt, beichtet sie ihrem Verlobten die ganze Geschichte. Danach zeigt sie sich selbst bei der Polizei an und führt die Ermittler zu der Leiche. Sie kommt in Untersuchungshaft.

Ihr Geständnis und ihre emotionale Notlage wirken sich später strafmildernd auf der Urteil aus. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer sechs Jahre Haft gefordert. Eine Bewährungsstrafe wie vom Verteidiger angeregt, kommt dem Gericht zufolge aber nicht infrage. Dafür wiege die Schuld zu schwer.

Am Mittwoch kann die 25-Jährige das Gericht dennoch auf freiem Fuß verlassen. Sie muss ihre Haftstrafe erst antreten, wenn das Urteil rechtskräftig ist. Der Verteidiger hat bereits angekündigt, Revision einlegen zu wollen. Auch die Staatsanwaltschaft will dies prüfen.

Als Polizistin wird die junge Frau allerdings nie mehr arbeiten können. Mit ihrer Verurteilung wird sie ihren Beamtenstatus verlieren.

dpa

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