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Kohl: "Über Trümmer liefen wir ins Freie"

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- München - Altbundeskanzler Helmut Kohl hat die Flutwelle auf Sri Lanka hautnah miterlebt: Zum Zeitpunkt des Unglücks befand sich der Urlauber Kohl in Galle, der 90 000-Einwohner-Stadt ganz im Süden der Insel. Am zweiten Weihnachtsfeiertag sei er um 9 Uhr auf den Balkon getreten, schrieb Kohl in einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung. Sein Zimmer im "Hotel Paragon" befand sich im dritten Stock. Er habe gesehen, wie sich das Meer plötzlich veränderte, auch der Klang sei ganz anders gewesen.

"Dann erhob sich eine riesige Welle. Diese Welle entwickelte eine ungeheure Kraft. Die Menschen liefen schreiend durcheinander", berichtet Kohl. "Die Welle riss alles um. Holzhütten und Gebäude, die nicht stabil gebaut waren, wurden einfach weggespült."

Erst habe er gar nicht verstanden, dass eine Flutwelle eine solch vernichtende Wirkung habe. "Erst als wir sahen, dass die ganze untere und zweite Etage unseres Hotels unter Wasser standen, wurde uns das ganze Ausmaß der Katastrophe bewusst."

"Das Meer hatte alles mit sich genommen", schreibt Kohl noch immer fassungslos. Von einer Sekunde zur anderen seien ganze Häuser verschwunden. "Über die Trümmer liefen wir ins Freie."

"Mir kamen Bilder aus dem Krieg in Erinnerung, den ich als Junge erlebte", schreibt Kohl. "Es sah aus wie nach einem schweren Bombenangriff." In der Region habe es rund 10 000 Tote gegeben. "Wir haben auch Tote gesehen."

Inzwischen befindet sich Kohl in in der Hauptstadt Colombo. An eine Abreise denkt er derzeit nicht. "Wir sind in Sri Lanka geblieben, weil wir helfen wollen, Projekte insbesondere für die Kinder auf den Weg zu bringen. Wir wollen nicht die Augen vor dem großen Leid verschließen", sagte Kohl. Müsste sein Hotel wegen Gästemangels schließen, würde 3000 Menschen die Existenzgrundlage entzogen. "Deshalb wollen wir, die wir unversehrt geblieben sind, ihnen jetzt nicht den Rücken kehren."

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