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Kolumbien: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Der Blick vom Monserrate auf die Stadt Bogota
Der Blick vom Monserrate auf die Stadt Bogota © Daniel Garzon / IMAGO

Der Staat Kolumbien bietet alles, was ein Land für eine positive wirtschaftliche und politische Entwicklung braucht: Bodenschätze, nutzbare Landschaften, Zugang zum Meer, ein gutes Bildungswesen und fleißige Menschen. Lange Zeit schränkten die instabile politische Lage und die bewaffneten Konflikte die Wirtschaft ein. Friedensverträge geben Hoffnung auf eine positive Zukunft Kolumbiens.

Bogotá – Das wirtschaftliche, ethnische und kulturelle Potenzial des südamerikanischen Landes wurde lange Zeit zwischen Drogenkartellen und Bürgerkriegen zerrieben. Viele Kolumbianer flüchteten in die Städte oder verließen das Land.

Staat Kolumbien: Beste Lage zwischen Meeren und Kontinenten

Kolumbien liegt im Nordwesten Südamerikas direkt auf dem Äquator und ist das Bindeglied zwischen dem südlichen amerikanischen Kontinent und Mittelamerika. Die República de Colombia, wie die Republik Kolumbien auf Spanisch heißt, hat gut 50 Millionen Einwohner. Ihr Name leitet sich von Christoph Kolumbus – dem Entdecker Amerikas im 15. Jahrhundert – ab, obwohl dieser das Land nie betreten hat. Die zentral gelegene Hauptstadt Bogotá ist auch der Regierungssitz des Landes. Kolumbien profitiert von seiner strategisch günstigen Position mit Zugang zu zwei Weltmeeren: zu Pazifik und Atlantik über das Karibische Meer. Direkte Nachbarn sind Panama im Nordwesten, Venezuela im Osten, Brasilien im Südosten, Peru im Süden und Ecuador im Südwesten.

Kolumbien: Geografie, Vegetation und Tierwelt im Staat

Kolumbien ist ein äußerst vielfältiges Land. Auf dem Staatsgebiet findet man sowohl Hochgebirge als auch Sandstrände, Küstentiefland, zahlreiche Inseln und Regenwälder im Flachland.

Das im Westen liegende pazifische Küstentiefland hat ein immerfeuchtes, tropisch-heißes Klima mit bis zu 10.000 Litern Regen pro Jahr. Die dichten Regenwälder sind sehr dünn besiedelt und nur über Wasserstraßen erreichbar.

Östlich dieses Küstentieflands steigen die Berghänge der Anden auf. In Kolumbien bilden sie drei große Bergketten mit dazwischenliegendem Hochlandstreifen. Die kolumbianischen Anden haben zwei höchste Berge: den Pico Cristóbal Colón und den Pico Simón Bolívar, beide je 5.775 Meter hoch. Sie sind Teil des höchsten Küstengebirges der Erde. Mehrere bis heute aktive Vulkane sind in den Bergketten zu finden. Dazu gehören:

Nordwestlich des Küstengebirges im Norden liegt das Karibische Küstenland. Es ist sehr sumpfig, schwer erreichbar und kaum besiedelt. Gleiches gilt für das dicht mit Regenwäldern bedeckte Flachland im Osten Kolumbiens. Die dort verlaufenden Flüsse münden entweder in den Amazonas oder in den Orinoko, weshalb die Landstriche als Amazonien und Orinokien bezeichnet werden.

Natur und Tierwelt in Kolumbien

Kolumbien gilt als Hotspot der Biodiversität weltweit. Bis zu 55.000 Pflanzenarten sind in Kolumbien heimisch, viele davon sind endemisch. Knapp 3.000 Landwirbeltierarten sind heute in Kolumbien bekannt, davon mehr als 1.700 Vogel- und über 350 Säugetierarten. Damit zählt Kolumbien zu den artenreichsten Ländern der Welt.

Der Schutz der außergewöhnlich reichen Natur Kolumbiens ist in der Verfassung des Staates verankert. Dennoch finden bis heute großflächig Abholzung und Bergbau zur Gewinnung von Bodenschätzen statt. Erdöl, Gold und andere Edelmetalle stehen der gewünschten Umweltpolitik des Landes entgegen. Die zum Anbau von Schlafmohn und Koka für Drogen notwendige Rodung der Wälder trägt ihren Teil zur Umweltzerstörung in Kolumbien bei.

Der Staat Kolumbien: Geschichte, die bis heute nachwirkt

Indigene Völker siedelten bereits vor ca. 6.000 Jahren im heutigen Kolumbien. Sie stellten Goldschmuck und Tongefäße her. Historiker gehen davon aus, dass diese frühen indigenen Völker in Familienstrukturen und Städten zusammenlebten, sich aber nie wie die benachbarten Inkas zu einem Staat zusammenschlossen.

Die spanischen Eroberer entdeckten Kolumbien im Jahr 1499. Die ersten spanischen Siedlungen entstanden an der Küste zum Karibischen Meer: Santa Marta um 1525 und Cartagena de Indias um 1533. Reiche Bodenschätze wie Gold und Smaragde bescherten dem Land in den folgenden Jahrzehnten eine große Anzahl von Einwanderer aus Europa. Frühere indianische Handelszentren wurden durch Neugründungen ersetzt. Santa Fé de Bogotá erhielt neun Jahre nach seiner Gründung im Jahre 1538 den Sitz einer Real Audiencia (Gerichtshof) für das Vizekönigreich Peru.

Der Hafen Cartagenas war einer der größten, wichtigsten und am besten geschützten Schiffsanleger Südamerikas. Trotzdem wurde das Land mehrfach von Piraten wie Francis Drake angegriffen. Kein Wunder – kamen doch 80 Prozent des weltweit geförderten Goldes aus Kolumbien, was reiche Beute versprach.

Für die indianischen Ureinwohner waren aus Europa eingeschleppte Krankheiten eine noch größere Bedrohung als die körperliche Ausbeutung in den Minen. Zahlreiche indigene Völker wurden ausgelöscht. Ändern sollte sich ihre Lage erst Mitte des 19. Jahrhunderts, nachdem Simón Bolívar mit seiner Unabhängigkeitsbewegung die Loslösung von der spanischen Krone für große Teile Südamerikas erreichen konnte und die Sklaverei abgeschafft wurde. Sein „Großkolumbien“ zerfiel jedoch nach seinem Tode.

Nach bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen zwischen Liberalen und Konservativen kam es zur Verabschiedung einer Verfassung und Gründung der Vereinigten Staaten von Kolumbien. 1886 wurde die Republik Kolumbien als erste Demokratie Lateinamerikas gegründet.

Staat Kolumbien: Politik der Neuzeit

Ruhe kehrte im politisch instabilen Kolumbien dennoch nicht ein. Schon Ende des 19. Jahrhunderts flammte mit dem Krieg der Tausend Tage der nächste Bürgerkrieg auf. Der Kampf liberal gegen konservativ beziehungsweise links gegen rechts hielt Kolumbien seitdem immer wieder in Atem.

Zu den schlimmsten Auseinandersetzungen kam es zwischen 1948 und 1963. Mehr als 280.000 Zivilisten wurden in dieser Zeit Opfer der unterschiedlichen militärischen Gruppen, die der Regierung oder der Opposition angehörten. In den folgenden Jahrzehnten kamen paramilitärische Verbände sowie die Drogenmafia hinzu und unterhielten in großen Teilen Kolumbiens einen bewaffneten Konflikt miteinander. Er sorgte für eine enorme Instabilität, Todesopfer und Menschenrechtsverletzungen an der zivilen Bevölkerung in den ländlichen Teilen Kolumbiens.

In den letzten Jahren hat die kolumbianische Regierung umfassende Waffenstillstände und Friedensverträge mit einigen paramilitärischen Gruppen ausgehandelt. Der Präsident Juan Manuel Santos (2010-2018) erhielt 2016 den Friedensnobelpreis für seine Leistungen. Die Verleihung gilt heute als Rettungsring für die Friedensbewegung, die mehrfach auf der Kippe stand. Seit 2018 ist der Rechtsanwalt Iván Duque Márquez, Politiker der rechtskonservativen Partei Centro Democrático (CD), Präsident Kolumbiens.

Flucht in die Städte

Aus den von den Paramilitärs und Drogenbanden über Jahrzehnte kontrollierten Landstrichen flohen viele Menschen in die Städte. Sie ließen sich in den Randbezirken nieder, um Sicherheit zu finden, wurden jedoch immer wieder vertrieben. Bis heute sind aufgrund von Landminen große Teile des ländlichen Kolumbiens nicht nutzbar. Etwa drei Viertel der Kolumbianer lebten 2020 in Städten.

Staat Kolumbien: Demografie der Bevölkerung

Fast die Hälfte der Bevölkerung Kolumbiens sind Mestizen – Menschen mit Vorfahren aus den indigenen Völkern und Europäern. Ein weiteres Drittel ist weiß und stammt direkt von den europäischen Einwanderern aus Spanien, Frankreich, Italien, Deutschland und Irland ab. Etwa 14 Prozent der Bevölkerung ist eine Mischung aus indigenen und afrikanischen Genen. Nur drei Prozent der mehr als 50 Millionen Kolumbianer hat rein indigene Wurzeln und lebt bis heute in traditioneller Weise.

Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung sind Christen. Das Judentum, der Islam sowie indigene Religionen sind aber ebenso vertreten und dank Religionsfreiheit akzeptiert. Die Amtssprache Kolumbiens ist Spanisch. Aufgrund eines Beschlusses des Obersten Verwaltungsgerichts 2020 nimmt die Anerkennung alter indigener Sprachen zu.

Kolumbien: Drogenhandel als Teil der Wirtschaft im Staat

Kolumbien hat großes Potenzial als Wirtschaftsnation. Umfangreiche Bodenschätze, eine unternehmerfreundliche Politik und ein gut entwickeltes Bildungssystem in den Städten tragen zu dieser Einschätzung bei. In den letzten Jahren haben die Konsumgüter- und Grundstoffindustrie sowie die Nahrungsmittel- und Textilindustrie stark an Bedeutung gewonnen. Bis heute wird die Landwirtschaft aber vom umfangreichen Drogenanbau kontrolliert und eingeschränkt.

Die Wirtschaftskennzahlen Kolumbiens belegen den zweitstärksten Anstieg Südamerikas. 2017 lag das Bruttoinlandsprodukt bei 309 Milliarden US-Dollar. Die Anzahl der von absoluter Armut betroffenen Bevölkerungsteile hat sich zwischen 2003 und 2012 auf 27 Prozent halbiert. Dass nur ein Drittel der Menschen sozialversichert ist, zeigt jedoch den umfangreichen Nachholbedarf im sozialen und wirtschaftlichen System Kolumbiens.

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